"Kandidat der wilden Globalisierung": Le Pen greift Macron im TV-Duell direkt an

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MACRON
Macron und Le Pen duellierten sich am Mittwochabend im französischen Fernsehen | Chesnot via Getty Images
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  • Frankreichs Präsidentschaftskandidaten Marine Le Pen und Emmanuel Macron sind zum TV-Duell angetreten
  • Le Pen warf ihrem Konkurrenten vor, er vertrete "die wilde Globalisierung"
  • Macron attackierte Le Pens Versuche, von den Terroranschlägen zu profitieren

Darauf hat Frankreich gewartet: Am Mittwochabend lieferten sich die beiden Präsidentschaftskandidaten Emmanuel Macron und Marine Le Pen das entscheidende TV-Duell. Beide wollen in der Stichwahl diesen Sonntag in das höchste Amt im Staat gewählt werden.

Die beiden Politiker griffen sich gegenseitig immer wieder frontal an. So warf Macron der Rechtspopulistin Le Pen vor, sie vertrete mit ihrem Abschottungskurs einen "Geist der Niederlage".

Sie schüre bewusst die Angst der Franzosen, etwa beim Thema Terrorismus, um verunsicherte Wähler für sich zu gewinnen. "Die Hohepriesterin der Angst ist mir gegenüber", sagte Macron der Rechtspopulistin ins Gesicht.

Le Pen helfe den Terroristen

So spiele Le Pen direkt den Terroristen in die Hände. Er warf der Rechtspopulistin vor: "Sie (die Terroristen, Anm.) suchen die Radikalisierung, die Spaltung, den Bürgerkrieg, den Sie in das Land bringen".

Le Pen attackierte Macron ihrerseits für seine wirtschaftsfreundlichen Positionen. Er sei der "Kandidat der wilden Globalisierung".

Im Gegensatz zum Europabefürworter Macron will sie Frankreich aus dem Euro führen. "Der Euro ist die Währung der Banker, nicht die Währung des Volkes. Und das ist der Grund, warum es uns gelingen muss, uns von dieser Währung loszureißen", sagte sie in der Fernsehdebatte.

Gegen Brüssel - und gegen Merkel

Nach einem Wahlsieg will Le Pen die Franzosen in einem Referendum abstimmen lassen, ob ihr Land weiterhin Mitglied der Europäischen Union sein soll. Sie präsentiert sich als Kämpferin gegen die vermeintlich machthungrigen Eliten in Brüssel, die Frankreich in ein immer engeres Korsett zwängen würden.

Im Fernsehen keilte Le Pen auch gegen die deutsche Kanzlerin: "Frankreich wird auf jeden Fall von einer Frau geführt werden. Das werde entweder ich sein oder Frau Merkel." Der europafreundliche Macron wolle nichts machen ohne das Einverständnis der deutschen Kanzlerin Angela Merkel, sagte Le Pen.

"Es sind die Ungleichgewichte in den Beziehungen zwischen Deutschland und Frankreich, die in der Wirklichkeit die Keime des Krieges sind", sagte Le Pen.

Die europafeindlich eingestellte Kandidatin hatte bereits in einer früheren Debatte gesagt, sie wolle nicht die "Vizekanzlerin von Frau Merkel" sein.

Die "echte Erbin" der Rechten

Immer wieder kam es während der Fernsehdebatte zu persönlichen Ausfällen der beiden Kandidaten. Macron warf Le Pen vor, sie sei die "echte Erbin" der "Partei der extremen Rechten Frankreichs". Le Pen bemüht sich seit Jahren, den Front National weniger radikal darzustellen und die Partei auch für Wähler der Mitte attraktiv zu machen.

Le Pen versprach in der Fernsehsendung, sie werde Milliarden bei den Ausgaben für die Europäische Union und für die Einwanderung einsparen. "Ich gebe den Franzosen ihr Geld zurück", brachte sie ihr Programm salopp auf den Punkt.

Macron sei durch und durch Elite

Auch sie ließ es sich nicht nehmen, auf die Person Macron einzudreschen. So warf sie ihm vor, er sei für Fehlentwicklungen der jetzigen Politik direkt mitverantwortlich.

Macron war Berater des sozialistischen Amtsinhabers François Hollande und als Wirtschaftsminister von 2014 bis 2016 in dessen Kabinett tätig. Le Pen versuchte immer wieder aufzuzeigen, dass Macron zum alteingesessenen Establishment der französischen Politik- und Wirtschaftselite gehöre.

Ihm fehle der "Nationalgeist".

Investmentbanker und "Enarch"

Da Macron auch als Investmentbanker sein Geld verdient hat und Absolvent der Kaderschmiede ENA ist, bietet er für Le Pens Angriffe ein leichtes Ziel.

Der Ex-Wirtschaftsminister Macron könnte laut jüngsten Umfragen auf 59 bis 60 Prozent der Stimmen kommen, Le Pen lag zuletzt bei 40 bis 41 Prozent.

Das von den Sendern France 2 und TF1 übertragene TV-Duell war das einzige direkte Aufeinandertreffen der beiden Finalisten.

Mit Material der dpa

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(ll)

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