Tomer Bar-Zeev ist einer der erfolgreichsten Startup-Gründer der Welt

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TOMER BAR ZEEV
Tomer Bar-Zeev ist einer der erfolgreichsten Startup-Gründer der Welt - das sind seine Tipps | Susanne Klaiber
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Wer ein digitales Startup gründet, erzählt seine Geschichte normalerweise so:

Er spricht von der Vision, die ihn antrieb. Davon, dass Geld nicht die große Rolle spielte, Scheitern gehört schließlich zum Konzept.

Das klingt großartig. Einschüchternd. Und verschweigt, dass es irgendwann Erfolg braucht, wenn Papa nicht ewig zahlen soll.

Tomer Bar-Zeev ist Gründer eines digitalen Startups aus Tel Aviv in Israel. Ironsource gilt als "Unicorn“, wird von Experten also auf mehr als eine Milliarde US-Dollar geschätzt. Die Firma hat heute um die 800 Mitarbeiter weltweit. Und wenn Bar-Zeev seine Geschichte erzählt, klingt das komplett anders.

"Ich konnte nicht mal meine Miete bezahlen"

Bar-Zeev ist Computerwissenschaftler. Ein lässiger, schlanker Typ mit zerschlissener Jeans und kleine Goldrandbrille. Noch vor sechs Jahren war er pleite. "Ich konnte nicht mal meine Miete bezahlen“, sagt er.

Er war damals 35 Jahre alt, also definitiv raus aus dem Alter, in dem das noch als cool durchgeht. Er war Vater einer Tochter, seine Frau war mit der zweiten schwanger. Und der jungen Familie blieb nichts anderes übrig, als bei Bar-Zeevs Eltern einzuziehen.

"Ich hatte keinen Traum"

"Ich hatte keinen Traum und keine Motivation, eine Firma zu gründen“, sagt er bei einem Treffen mit Journalisten in Tel Aviv. "Ich wollte einfach nur 3000 Dollar verdienen.“

Das hat er geschafft. Heute hält er große Anteile der Milliardenfirma, ist ihr CEO.

Damals aber wollte er nicht bei irgendeiner Firma als Angestellter arbeiten, "und ich hätte auch keine Anstellung bekommen“, sagt er. Alles, was er bislang angepackt hatte, "war kläglich gescheitert“.

Bar-Zeev tat sich also mehr aus Not denn aus Lust mit drei Kollegen zusammen, zwei davon waren genauso abgebrannt wie er. Sie entwickelten verschiedene Tools, darunter ein Add-on für den Browser Firefox, der die Seiten in 3D verwandelte.

Keiner findet die neuen Tools

Nur kannte keiner die Tools, keiner nutzte sie, kein Geld also.

Es war eine harte Zeit. "Es ist nicht lustig, nachts zu arbeiten und Pizza zu essen“, sagt er. "Du schläfst ein und hast Angst, dass es deine Firma nach dem Aufwachen nicht mehr gibt.“

Also setzten sie sich zusammen, um sich auszudenken, wie sie die Apps an den Mann bringen könnten. Ein Problem, das viele App-Entwickler quält. Und auch Kunden, wie Bar-Zeev fand.

Er sei genervt gewesen, wie mühsam es war, sich für sein Smartphone die richtigen Apps zusammenzusuchen, genervt davon, dass das, was vorinstalliert war, einfach nicht zu dem passte, was er haben wollte.

Die Milliarden-Idee aus der Katerstimmung

Und so entstand aus dieser Katerstimmung das Erfolgsmodell von Ironsource, eines der für Laien schwer durchschaubaren Geschäftsfelder: Es verkauft zum Beispiel Handy-Herstellern wie LG und HTC Technik, die es ihnen erlaubt, Usern ein personalisiertes Set von Apps anzubieten. Die Endkunden kriegen von Ironsource nichts mit, die Firma arbeitet B-to-B, also von Unternehmen zu Unternehmen.

Aus Datenschutzgründen kann man das Modell durchaus kritisch sehen. Einer der größten Partner von Ironsource ist Facebook. Allerdings ist auch klar: Solche Bedenken sind ein eher deutsches Phänomen. Ironsource arbeitet global, hat Niederlassungen in Asien und den USA.

Das Konzept jedenfalls ging auf. Sechs Monate später hätten die vier ihre Firma für 18 Millionen US-Dollar verkaufen können. "Wir haben Nein gesagt.“ Weil sie das Gefühl hatten, da geht noch was. Seine Frau, sagt er, habe seine Ankündigung gelassen aufgenommen. Und eben noch ein wenig mehr Zeit bei den Schwiegereltern verbracht.

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"Die Firma wurde zur Gelddruckmaschine"

Das Gefühl trog nicht.

Mit organischem Wachstum und Zukäufen bewertete das "Wall Street Journal“ Ironsource im Sommer 2014 auf 1,1 Milliarden Dollar. Damit gehörte die Firma zu den 157 durch Risikokapital finanzierten privaten Unternehmen weltweit, die die Milliarden-Schwelle überschritten haben.

"Die Firma hat sich zur Gelddruckmaschine entwickelt", sagt Bar-Zeev.

Bar-Zeevs Tipps zum Erfolg

Was sagt also ein Mann, der aus nichts eine Milliarde Dollar gemacht hat, über den Weg zum Erfolg? Er sagt:

1. Willst du den Preis zahlen?

Jeder Gründer kennt die gnadenlosen, durchgearbeiteten Nächte mit kalter Pizza und kalter Angst vor dem Versagen. Sie zu erleben, sind keine Garantie, dass es gut endet.

2. Suche Dir Partner. Und suche sie vorsichtig aus

Ironsource begann mit vier Programmierern, heute gehören zum Führungsteam vier weitere, von Firmen, die Ironsource aufgekauft hat. In einem Blog schreibt Bar-Zeev, er brauche Partner, die ihn aus seiner Komfortzone holten, aber immer noch ihn selbst sein ließen.

"Die richtige Struktur einer Firma hängt stark von der DNA ihrer Gründer und Angestellten ab", schreibt er.

Er setzt auf eine Firmenstruktur, in der die Mitarbeiter selbstständig arbeiten. Er glaubt nicht daran, dass er eine klügere Entscheidung treffen kann als zwei Mitarbeiter, die sich mit einem Spezialthema auskennen.

3. Folge deinem Instinkt

Coaching, Mentoren und all sowas, das sagt er offen, hält er für "Bullshit“. "Meist liegen wir mit unserem Instinkt richtig", sagt er. Bei der Entscheidung, nicht zu verkaufen, lag er sogar im Wortsinne goldrichtig.

Bar-Zeev hat mit seinem Unternehmen also nicht die Welt gerettet. Das war auch nicht sein Ziel. Er ist kein Vorbild für Visionäre. Sondern für die, die ein Geschäft als ein Geschäft verstehen. Für Pragmatiker mit Ideen und Energie.

"Die meisten erfolgreichen Firmen sind nicht wegen ihrer Technologie oder Innovationskraft erfolgreich“ sagt Bar-Zeev. "Schaut euch Twitter an. Innovation? Technologie? Ach was.“

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(ll)

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