POLITIK
04/05/2017 10:21 CEST | Aktualisiert 04/05/2017 10:43 CEST

Grünen-Spitzenkandidat Özdemir zeigt in einem Interview, dass er die Krise seiner Partei nicht verstanden hat

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Grünen-Spitzenkandidat Özdemir zeigt in einem Interview, dass er die Krise seiner Partei nicht verstanden hat

  • Die Grünen stecken noch immer in einem Umfragetief

  • Ein Interview von Grünen-Chef Özdemir zeigt, dass er die Krise nicht verstanden hat

Die Grünen stecken weiter im Umfragetief. Auf Bundesebene liegt die Partei in allen Umfragen unter zehn Prozent. Die jüngste Forsa-Befragung sieht die Partei nur noch bei acht Prozent.

Spitzenkandidat Cem Özdemir sieht jedoch offenbar weiter keinen Grund zur Beunruhigung.

Im Interview mit den Deutschlandfunk sagte er auf die schwachen Werte angesprochen: "Wir sind um ein Prozent hochgegangen. Bei der letzten Umfrage letzte Woche sind wir auch ein Prozent hochgegangen.“

Ist das die Antwort der Grünen auf die besorgniserregende Talfahrt?

Längst gibt es auch innerparteilich Kritik am Führungsduo, das Özdemir mit Katrin Göring-Eckardt bildet. Viele Beobachter glauben, der schleswig-holsteinische Grünen- Spitzenkandidat Robert Habeck hätte die Partei beleben können.

In Schleswig-Holstein liegen die Grünen vor der Landtagswahl am Sonntag immerhin bei zwölf Prozent – sogar eine Regierungsbeteiligung scheint nicht ausgeschlossen.

Darauf angesprochen sagte Özdemir dem Deutschlandfunk: "Die Umfragewerte jetzt, soweit die mir bekannt sind, da bin ich, glaube ich, der beliebteste Oppositionspolitiker.“

Liefe es mit Habeck besser?

Dennoch lobte Özdemir seinen Parteikollegen, der bei der Wahl zum Spitzenkandidaten 75 Stimmen weniger bekommen hatte als er. "Ansonsten ist es so, dass Robert Habeck einer unserer Besten ist“, sagte Özdemir.

Auch Özdemir glaube, Habeck sei ein "super Spitzenkandidat“ gewesen – diese Personalentscheidung sei jedoch "nicht unser Problem“.

Damit könnte er sogar Recht haben. Denn das Problem ist tiefer. Kürzlich attestierte ein Meinungsforscher des Instituts Allensbach den Grünen ein Image-Problem, das die Lage gut zusammenfasst:

Die Deutschen, so lautet die Analyse, nähmen die Partei als uncool, unsympathisch und belehrend wahr. Ihnen fehle es an einer mitreißenden Vision, die die Menschen wieder daran erinnert, warum sie den Grünen ihre Stimme geben sollten.

Zumindest in Sachen Sympathie hätte Habeck den Bundes-Grünen aber wohl gutgetan. Mit seiner vollmundigen Aussage, er sei der beliebteste Oppositionspolitiker, bewirbt Özdemir sich nicht gerade für einen Sympathiepreis.

"Mehr Habeck wagen!"

Habecks Mischung aus pragmatischer Kühle und Optimismus kommt dagegen gut an – zumindest in seinem Bundesland. Habeck hat es nicht nur geschafft, den linken und rechten Parteiflügel zu begeistern, sondern auch Menschen außerhalb der grünen Stammwählerschaft anzusprechen.

► Auch die "Zeit“ titelte am Donnerstag forsch: "Mehr Habeck wagen!“

Dafür ist es auf Bundesebene erst einmal zu spät, das weiß auch Özdemir. Der versucht die kritischen Stimmen zu beruhigen: "Wir stehen uns politisch sehr nahe und er wird damit eine ganz wichtige Rolle in diesem Wahlkampf spielen.“

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(ll)

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