POLITIK
04/05/2017 17:44 CEST | Aktualisiert 06/05/2017 17:11 CEST

Le Pen attackiert Macron mit einer Fake-Nachricht – das zeigt, wie Russland die Wahl in Frankreich beherrscht

POOL New / Reuters
Le Pen attackiert Macron mit einer Fake-Nachricht – es zeigt, wie Russland die Wahl in Frankreich beherrscht

  • Beim TV-Duell in Frankreich hat Le Pen Macron einen Vorwurf gemacht, der auf Fake-News beruht

  • Der Vorfall zeigt ein großes Problem im französischen Wahlkampf

  • Studien zeigen: 25 Prozent der kursierenden Polit-Nachrichten in Frankreich sind falsch

  • Hinter den Manipulationen soll Russland stecken

Es war der hitzige Höhepunkt eines verrückten Wahlkampfs: Zwei Tage vor der Stichwahl in Frankreich haben sich die Präsidentschaftsbewerber Marine Le Pen und Emmanuel Macron beim TV-Duell heftig angegiftet.

Ein Moment der Diskussion könnte ein Nachspiel haben: Le Pen deutete an, Macron habe ein "Offshore-Konto auf den Bahamas". Laut Berichten aus dem Umfeld Macrons sei das ein Gerücht, das zunächst von einem anonymen Nutzer im Onlineforum "4chan" gepostet worden war. Macron stellte Strafanzeige gegen Unbekannt wegen "Verbreitung einer Falschnachricht".

Der Vorfall wirft ein Schlaglicht auf ein weit größeres Problem.

Denn der französische Wahlkampf wird schon seit Monaten von massenweise gestreuten Fake-News, Social Bots und Angriffen aus dem Ausland beherrscht.

Eine Studie des Oxford Instituts der Universität Oxford kam Ende April zu dem Ergebnis, dass jede vierte Polit-Nachricht, die in Frankreich von Twitter-Nutzern im zur Präsidentschaftswahl geteilt wurde, als Fake-News anzusehen ist.

Fake-News könnten aus Russland kommen

Viele dieser Artikel und Meinungsbekundungen würden "extrem ideologische, äußerst parteiische oder verschwörerische" Ansichten vertreten. Die Mehrheit der Fake-News zielten dabei auf den Pro-europäischen Kandidaten Emmanuel Macron ab.

Die Vermutung, die nah liegt: Ähnlich wie in den USA im vergangenen Jahr, steckt hinter der Fake-News-Flut eine Kampagne Russlands.

Wie russische Medien versuchen, in Frankreich Stimmung zu machen, zeigt ein Beitrag des russischen Propagandaseite "Sputnik" vom 4. Februar. In der viel verbreiteten Meldung hieß es, Macron solle heimlich schwul sein.

Das private britische Internetforschungs-Unternehmen Bakamo schlüsselte die Nachrichtenverbreitung noch weiter auf.

Demnach seien die meisten der verbreiteten Nachrichten pro-russischer Natur oder äußerten sich positiv über die Kreml-nahe Front-National-Kandidatin Marine Le Pen. Jeder zwanzigste Post sei "mythischer, oder beinahe theologischer Natur" oder diskutiere "Verschwörungstheorien".

Facebook hat laut eigenen Angaben vor der Präsidentschaftswahl 30.000 mit der Abstimmung verbundene Fake-Accounts ausgemacht. Das soziale Netzwerk versuche, das Ausbreiten von Falschinformationen einzudämmen, teilte das Unternehmen am Donnerstag mit. Die am meisten besuchten der gefälschten Seiten würden entfernt.

(ks)

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