Zahl der islamistischen Gefährder in Deutschland ist weiter gestiegen

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Das Bundeskriminalamt (BKA) überwacht potenzielle Gefährder engmaschig | Fabrizio Bensch / Reuters
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  • Die deutschen Sicherheitsbehörden registrieren immer mehr sogenannte Gefährder in Deutschland
  • Insgesamt wird von 657 gefährlichen Personen, die einen Terroranschlag durchführen könnten, ausgegangen
  • Ein Grund für den Anstieg der Zahlen sei ein genaueres Hinsehen von Fahndern und Ermittlern

Die Zahl der islamistischen Gefährder in Deutschland ist weiter gestiegen. Derzeit haben die Sicherheitsbehörden 657 gefährliche Personen registriert, denen man hierzulande einen Terroranschlag zutraut.

Das geht aus Zahlen des Bundeskriminalamtes (BKA) hervor, die der “Neuen Osnabrücker Zeitung“ vorliegen. Der Trend geht nach oben: Ende Januar hatten die Behörden nur 570 Personen als Gefährder registriert.

Der Krieg im Nahen Osten spitzt die Lage zu

Seit Beginn des Syrien-Konflikts hat sich die Zahl der Gefährder laut BKA vervierfacht. Rund die Hälfte hält sich in Deutschland auf, etwa 100 von ihnen sitzen in Haft. Viele werden polizeilich überwacht.

Dazu kommen 388 “relevante Personen“, worunter mögliche Helfer und Unterstützer von terroristischen Anschlägen zu verstehen sind.

Grund für diesen Anstieg ist laut Sicherheitsbehörden, dass Fahnder seit dem Anschlag auf den Berliner Weihnachtsmarkt im vergangenen Dezember durch den Islamisten Anis Amri genauer hinsehen und ein neues Risikobewertungs-System eingeführt haben.

Außerdem reisen seit den militärischen Rückschlägen der Terrormiliz IS immer weniger Islamisten mit deutschem Pass aus, um sich den IS-Kämpfern in Syrien oder im Irak anzuschließen. Stattdessen bleiben sie in Deutschland.

Gefährder lassen sich im Ausland vom IS ausbilden

Eine große Gefahr geht vor allem von islamistischen Rückkehrern mit Kampferfahrung aus.

Die Behörden haben derzeit nach BKA-Angaben mehr als 920 ausgereiste Islamisten registriert – 20 mehr als Ende Januar.

Mehr als 70 davon haben sich demnach aktiv an Kämpfen beteiligt oder waren in einem Ausbildungscamp von Terroristen. Etwa 145 sind laut BKA in Syrien oder im Irak ums Leben gekommen.

Der Begriff des Gefährders ist rechtlich nicht definiert. Die Linken-Bundestagsabgeordnete Ulla Jelpke forderte eine gesetzliche Grundlage: “Das Begriffschaos um sogenannte Gefährder muss endlich beendet werden.“

Dass die Daten zu Gefährdern regelmäßig an ausländische Polizeibehörden und sogar an das FBI gingen, sei “extrem fragwürdig“.

Mehr zum Thema: Mehr als 200 Kämpfer gegen Terrormiliz IS kommen aus Deutschland

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(jg)

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