Schweizer Geheimdienst soll Maulwurf ins NRW-Finanzministerium eingeschleust haben

Veröffentlicht: Aktualisiert:
BERN SCHWEIZ
Daniel M. soll für den Schweizer Geheimdienst einen Spitzel angeworben haben. | ullstein bild via Getty Images
Drucken
  • Medienberichten zufolge soll der Schweizer Geheimdienst einen Spitzel im NRW-Finanzministerium beschäftigt haben
  • Dieser sollte persönliche Informationen über deutsche Steuerfahnder an die Schweiz liefern
  • Für die Operation ließen die Schweizer 90.000 Euro springen

Das nächste Kapitel im deutsch-schweizerischen Agententhriller ist geschrieben: Der Schweizer Geheimdienst soll einen Maulwurf in der Finanzverwaltung von Nordrhein-Westfalen platziert haben.

Das berichten die "Süddeutsche Zeitung", NDR und WDR heute Donnerstag. Sie berufen sich auf den Haftbefehl gegen den am vergangenen Freitag in Frankfurt verhafteten Schweizer Agenten Daniel M.

Das Ziel des Spitzels: "Unmittelbare Informationen“ darüber sammeln, wie deutsche Behörden sogenannte Steuer-CDs aus der Schweiz kaufen.

Aktion gegen "Steuer-CDs"

2010 erwarb die Steuerverwaltung in Nordrhein-Westfalen Daten zu deutschen Kunden bei der Credit Suisse und anderen Schweizer Banken. Einige deutsche Bankkunden bunkerten Vermögen in der Eidgenossenschaft, um das Geld so dem deutschen Fiskus zu entziehen.

Wie die "Süddeutsche Zeitung" schreibt, erzürnte das damalige Vorgehen der deutschen Behörden die Schweizer Regierung. Darauf sei der Plan gereift, die deutsche Steuerverwaltung auszuspionieren.

Der Schweizer Geheimdienst NDB soll dann 2012 den früheren Polizisten und Sicherheitsberater Daniel M. beauftragt haben. Seine Mission sei es gewesen, sein Kontaktnetzwerk zu nutzen, um die Arbeitsweise der deutschen Steuerbehörden zu durchleuchten.

Persönliche Daten von deutschen Steuerfahndern

Dabei zielten die Schweizer auch persönlich auf deutsche Steuerfahnder. Daniel M. habe damals den Auftrag gefasst, eine Liste mit den Namen und persönlichen Daten von Steuerfahndern zu vervollständigen.

Die "Süddeutsche Zeitung" berichtet, Daniel M. führte den Auftrag aus und half den Schweizern, die Liste zu vervollständigen. Den Schweizer Behörden war es so möglich, herauszufinden, welche deutschen Steuerfahnder Bankdaten kauften - und sie dann zur Haft ausschreiben zu lassen.

Den deutschen Beamten warfen die Schweizer unter anderem "nachrichtliche Wirtschaftsspionage“ und "Verletzung des Bankgeheimnisses“ vor.

Spitzel in Nordrhein-Westfalen

Das Ziel der nächsten Mission von Daniel M. sowie eines Helfers war es dann, einen Spitzel in der nordrhein-westfälischen Finanzverwaltung zu platzieren. Und so den Schweizern helfen, herauszufinden, wie die Steuerfahnder Kundendaten aus der Schweiz kauften.

2015 dann soll Daniel M. die Nachricht erhalten haben, der Maulwurf könne bald erste Informationen aus der Mitte der nordrhein-westfälischen Steuerverwaltung liefern.

"Für die Operation soll der Schweizer Geheimdienst insgesamt 90.000 Euro zugesagt haben, von denen mindestens 60.000 Euro auch an M. und seinen deutschen Partner geflossen sein sollen", schreibt die "Süddeutsche Zeitung".

Der Agent Daniel M. wurde am Freitag in einem Frankfurter Hotel festgenommen.

Leserumfrage: Wie fandet ihr uns heute?

2017-03-08-1488965563-6721107-iStock482232067.jpg

(bp)

Korrektur anregen