Tesla, Netflix, Disney: Apple sitzt auf 250 Milliarden Dollar - doch es gibt sinnvolle Investitionsmöglichkeiten

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Tesla, Netflix, Disney: Apple sitzt auf 250 Milliarden Dollar - doch es gibt sinnvolle Investitionsmöglichkeiten | Thomas Peter / Reuters
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Kann man gleichzeitig auf einem riesigen Vermögen und auf einem Schuldenberg sitzen? Ja, man kann. Und zwar in der kalifornischen Stadt Cupertino - beim wertvollsten Unternehmen der Welt: Apple.

Seit der iPhone-Konzern am Dienstag seine neuen Quartalszahlen vorgestellt hat, wissen wir: Apple hat ein Vermögen von 256,8 Milliarden US-Dollar angehäuft.

Aber: Das Unternehmen will den Schatz nicht bewegen. Der liegt nämlich größtenteils auf ausländischen Konten, in Steueroasen. 242,5 Milliarden seiner Geldreserven soll der iPhone-Konzern laut der Investmentbank Moody’s im Ausland horten.

Und das treibt in den USA die Investoren zur Weißglut. Denn Apple könnte so viel mit dem Geld tun – und damit das Unternehmen ein großes Stück voranbringen.

”Geh raus und tu etwas Aggressives”

Allen voran Ross Gerber, Investment-Chef bei Finanzberater Gerber Kawaski und Apple-Investor. “Apple hat all dieses Geld und sie verfahren immer nach dem gleichen Muster: Aktien zurückkaufen und Dividenden ausschütten”, sagte Gerber dem US-TV-Sender CNBC.

Gerber geht noch viel weiter: “Es sollte illegal sein, 250 Milliarden Dollar in bar zu haben, und es nicht zu nutzen.” Es sei an der Zeit, Tim Cook die Pistole auf die Brust zu setzen. Und ihn dazu zu zwingen, das Geld auszugeben.

Gerber hat auch einen Rat an Cook, was der Apple-Chef mit den Milliarden machen kann: Er soll es investieren - und andere Unternehmen kaufen. “Kauf etwas, bitte. Geh raus und tue etwas Aggressives.”

Ein guter Rat. Denn trotz hoher und steigender Umsätze: Apple muss handeln, wenn das Unternehmen zukunftsfähig bleiben will.

Apple ist ein zurückhaltender Käufer

Das Unternehmen aus Cupertino ist nicht für große Akquisitionen bekannt. Den bis dato größten Kauf tätigte Unternehmenschef Cook, als er 2014 das Musikunternehmen Beats Electronics für drei Milliarden Dollar kaufte. Dank Beats schaffte es Apple, die Musiksparte mit Apple Music und iTunes weiter auszubauen - mittlerweile eine wichtige Umsatzsäule des Unternehmens.

Doch seither hält sich das Unternehmen zurück. Und wenn der Service-Bereich mit Apple Music, Apple TV, der Cloud und Co. bis 2020 das doppelte an Umsatz zulegen soll, dann muss Apple tätig werden.

Bei Apple scheint man erkannt zu haben, dass man investieren muss. “Wir schauen uns alle Größen von Akquisitionen an”, sagte Apples Finanzchef Luca Maestri der Nachrichtenagentur AP am Dienstag. “Wir werden uns anschauen, wie wir weiter vorankommen können.”

Netflix? Tesla? Disney?

Was könnte Apple also Sinnvolles mit seinem Geld anstellen?

Apple TV ausbauen Apple setzt auf das Fernsehangebot Apple TV. Erst im vergangenen Jahr wurde die Set Top Box, über die sich Fernseher mit dem Internet verbinden lassen, mit dem digitalen Assistenten Siri ausgestattet. Doch richtig erfolgreich ist das Unternehmen mit der TV-Sparte nicht.

Amazon und Netflix haben da die Nase vorn. Aber: Netflix kämpft mit den Finanzen. Und sucht, glaubt man den Gerüchten, schon länger einen Käufer. Für Apple wäre das eine Chance. Netflix könnte mit 100 Millionen Abonnenten und einem Jahresumsatz von knapp neun Milliarden Dollar ein großer Schritt sein.

Apple Music ausbauen Auch mit dem Ausbau des Musik-Streaming Dienstes könnte Apple ein großes Stück zum Service-Umsatz-Kuchen dazu verdienen. Die Beats- Geschichte zeigt, dass sich Akquisitionen in diesem Bereich für Apple lohnen.

Und bei Musik-Streaming kommt natürlich immer ein Name ins Spiel: Spotify. Aber Apple könnte sich auch erstmal mit einem kleineren Kauf bedienen. Im vergangenen Jahr spekulierte die Branche darüber, ob Cook ein Auge auf Jay-Zs Streaming Angebot Tidal geworfen hat.

Der Rapper hat durch Kontakte zu zahlreichen Stars aus der Musikszene viele Exklusiv-Deals abschließen können. Alben von ihm, seiner Frau Beyoncé und Rihanna erscheinen zuerst bei Tidal, bevor andere Streaming-Dienste sie haben. Das könnte Apple Music, das auch auf Exklusiv-Deals mit Musikern wie Taylor Swift oder Ed Sheeran setzt, einen Vorsprung vor Hauptkonkurrent Spotify verschaffen.

Tesla Auch im Bereich selbstfahrenden Autos will Apple in Zukunft mitmischen. Schon seit Jahren hält sich hartnäckig das Gerücht um ein Apple Car. Dafür soll das Unternehmen aus Cupertino auch auf der ganzen Welt geheime Forschungslabore eingerichtet haben. Gerade erst bekam der Mac-Konzern eine Genehmigung, die Technik für autonomes Fahren auf kalifornischen Straßen zu testen.

Wenn Apple in diesem Bereich groß denken und wirklich viel Geld in die Hand nehmen will, ist sicherlich Elons Musks Unternehmen Tesla der spannendste Kandidat. Und würde Apple endlich die dringend benötigte Expertise im Auto-Sektor bringen.

Der Deal wäre für beide Silicon-Valley-Giganten von Vorteil: Tesla hat das mit innovativste massentaugliche Produkt der Welt - aber dem Musk-Unternehmen fehlt es an Geld. Und das hat Apple bekanntlich im Überfluss. Rund 50 Milliarden US-Dollar würde der Kauf Tim Cook wohl kosten. Für den Apple-Chef fast nur ein kleiner Griff in die Portokasse.

Disney Alles andere als ein Griff in die Portokasse wäre ein Akquisitions-Gerücht, das durch die US-Presse geistert: der Kauf von Disney. Der Mega-Deal würde Apple wohl seine ganzen Bargeldreserven kosten - der Konzern wird auch 250 Milliarden Dollar geschätzt. Cook gab ihm Februar zu, sogar sehr große Investitionen in Erwägung. Und mit dem Disney Kauf wäre der Mega-Konzern dann das erste Unternehmen der Welt, das eine Billion Dollar wert ist.

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Außerdem würde der Konzern dann einige der erfolgreichsten Tech- und Entertainment-Produkte der Welt enthalten. Apple hätte dann neben iPhone, Mac und Apple Music noch Disneyland, ESPN, Lucasfilm, Pixar und Marvel unter dem Dach - um nur einige prominente Namen zu nennen. “Wenn es einen Deal da draußen gibt, der die Angst im Herzen von Silicon Valley und Hollywood schürt, dann wäre es dieser”, schrieb RBC-Analyst Amit Daryanani für das Fachportal “Appleinsider”.

Eine Verbindung zwischen den beiden Unternehmen besteht schon. Apple-Gründer Steve Jobs kaufte 1986 das Animationsstudio Pixar, dem Filme wie Findet Nemo oder Toy Story entstammen. Disney kaufte Pixar 2006. Daraufhin bekam Jobs einen Sitz im Disney Board und hielt bei seinem Tod angeblich einen Anteil am Konzern im wert von 4,6 Milliarden Dollar.

Moonshot-Projekte Apple könnte mit den 250 Milliarden Dollar auch in völlig neuen Bereiche vorstoßen - und wieder zum Innovationstreiber Nummer eins werden. Vorbild für solch eine Innovationssparte könnte Google-Mutter Alphabet sein. Sergey Brin und Larry Page, die beiden Google-Gründer, finanzieren mit den Milliarden, die sie durch Werbung bei Google und Youtube, durch das OS Android und andere Dienste wie Google Drive verdienen, ihre “Moonshot”-Projekte, also ambitionierte Vorhaben, die die ganze Welt umkrempeln könnten.

Darunter fällt zum Beispiel das Startup Waymo, das sich mit autonomem Fahren beschäftigt, das Unternehmen Calico, das an Projekten forscht, die das Altern stoppen, oder Project Loon, ein Projekt, das Internet mit einem Ballon in die ganze Welt bringen soll.

Natürlich: Geld verdienen Brin und Paige mit ihren Moonshots noch nicht - sie machen sogar ziemlich viel Verlust. Aber: Das Innovationspotenzial ist enorm. Und könnte Alphabet irgendwann einmal sehr hohe Gewinne bringen.

Den Mangel an Innovationskraft werfen Kritiker Apple seit Jahren vor. Und es stimmt: Etwas wirklich neues, weltbewegendes kam lange nicht mehr aus Cupertino. Mit einer eigenen Moonshot-Sparte würde sich das auf den Schlag ändern. Apple könnte Ideen einkaufen und sie mit der nötigen Infrastruktur und einer Finanzspritze versehen. Und so auf jeden Fall in Sachen Innovationspotenzial deutlich zulegen.

Das Problem: Apple will sein Geld nicht in die USA holen

Doch einfach ist ein großer Deal oder ein großes Investment in den USA für Apple nicht.
Denn es gibt einen wichtigen Grund, wieso das Geld des Tech-Giganten auf Off-Shore-Konten Staub ansetzt: Würde Apple es in die USA transferieren, wären Milliarden Dollar an Steuern fällig. Mehr als 35 Prozent, um genau zu sein.

Und weil Apple nicht so einfach an sein Geld herankommt, muss das Unternehmen Kredite aufnehmen. Mit dem Geld daraus zahlt es seinen Aktionären dann Dividenden aus - damit die auch ein Stück vom fetten Gewinnkuchen haben können.

Im Februar betrug Apples Schuldenberg laut CNN Money so bereits 73,6 Milliarden Dollar.

Die gute Nachricht für Cook, den erklärten Hillary-Clinton-Unterstützer, kommt da ausgerechnet von Donald Trump. Denn der US-Präsident hat schon angekündigt, dass die Chancen gut stehen, dass er die Steuern für Unternehmen massiv herunterstreicht. Um das Kapital wieder in die USA zu holen - auch das von Apple.

Im Moment soll Trump wohl nur etwas mehr als fünf Prozent von Apples Schatz für die Staatskasse wollen - in Cooks Augen sicher vernünftig. Und von seinen 256,3 Milliarden Dollar bliebe dann immer noch genug Geld, um Tesla, Netflix und Spotify zu kaufen.

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(bp)

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