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03/05/2017 12:39 CEST

Neues Bündnis zwischen Autokraten? Putin und Erdogan treffen sich schon wieder in Russland

Osman Orsal / Reuters
Treffen zwischen Freunden? Putin empfängt Erdogan in Sotschi

  • Zum zweiten Mal innerhalb von acht Wochen trifft sich der türkische Präsident Erdogan mit dem russischen Präsidenten Putin

  • Es soll um den Syrienkonflikt, aber auch um die EU und verbesserte Wirtschaftsbeziehungen gehen

  • Lange waren Russland und die Türkei heftig zerstritten - bahnt sich jetzt ein Bündnis zwischen Autokraten an?

Keine acht Wochen ist es her, dass der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan bei Kremlchef Wladimir Putin zu Besuch war. An diesem Mittwoch kommt er nun schon wieder nach Russland.

Im März diskutierten Putin und sein türkischer Kollege Erdogan über Syrien, Sanktionen und Brokkoli - diesmal soll es auch um Brüssel und geplante Flugabwehrsysteme gehen.

Ist aus der im vergangenen Jahr beigelegten Krise zwischen Moskau und Ankara tatsächlich eine echte Partnerschaft geworden? Die wichtigsten Antworten zum Treffen zwischen den beiden autoritären Herrschern am Rande Europas:

Warum ist Erdogan so oft in Russland?

Es ist Erdogans dritter Besuch in Russland seit August 2016, erst vor wenigen Wochen traf er sich mit Putin in Moskau. Erdogan signalisiert damit vor allem der EU, aber auch den USA und der Nato, dass es für Ankara Alternativen zum Westen gibt.

Das gilt besonders angesichts der wachsenden Kritik aus Brüssel an Erdogan. Bundesaußenminister Sigmar Gabriel (SPD) hatte vergangene Woche bei einem Treffen mit EU-Kollegen auf Malta gesagt, man könne kein Interesse daran haben, dass die Türkei "in Richtung Russland geschoben wird".

Gabriel hatte das als Argument gegen einen Abbruch der EU-Beitrittsverhandlungen mit der Türkei angeführt. Bei der Nato dürfte mit Sorge betrachtet werden, dass der Bündnispartner Türkei Interesse am russischen Flugabwehrsystem S-400 hat.

Worüber sprechen die beiden Politiker in Sotschi?

Ganz oben auf der Agenda steht der Syrien-Konflikt, einer der großen Streitpunkte zwischen den beiden Ländern.

Russland unterstützt den Machthaber Baschar al-Assad mit Luftangriffen, während die Türkei im Grenzgebiet Bodentruppen einsetzt. Experten gehen davon aus, dass die beiden auch über die Unterstützung der Kurden und radikaler Gruppen in Syrien sprechen werden.

Moskau will im Gegensatz zu Ankara, dass die Kurden an den Friedensgesprächen teilnehmen. Auch der Deal um das Flugabwehrsystem soll kurz vor dem Abschluss stehen, sind sich Beobachter sicher.

Waren Russland und die Türkei nicht im Clinch?

Doch, der Abschuss eines russischen Kampfjets durch die Türkei Ende 2015 führte zu einer schweren Krise.

Putin verhängte schmerzhafte Sanktionen gegen die Türkei und übte scharfe Kritik an Erdogan. Der Kremlchef sagte unter anderem: "Allah beschloss, die regierende Clique in der Türkei zu bestrafen, und hat sie um den Verstand gebracht."

Erdogan war schließlich gezwungen, sich - wie von Putin gefordert - zu entschuldigen. Danach legten die beiden Staaten den Streit im August vergangenen Jahres offiziell bei. Teile der russischen Sanktionen sind jedoch noch immer in Kraft.

Wie nah stehen sich Putin und Erdogan seitdem?

Zumindest ist die Eiszeit vorüber, Moskau und Ankara sind im Dialog.

Erdogan nannte Putin nach der Beilegung des Streits sogar "meinen geschätzten Freund". Beide telefonieren regelmäßig und sprechen im weniger scharfen Ton übereinander. Putin gratulierte Erdogan auch als einer der wenigen Staatschefs zu dem Ergebnis bei dem umstrittenen Verfassungsreferendum.

Beim vergangenen Treffen einigten sich beide darauf, einige Agrarsanktionen, etwa auf Brokkoli und mehrere Zwiebelsorten, aufzuheben. Dennoch: Russische Touristen kommen nicht mehr so zahlreich in die beliebten Urlaubsziele in der Türkei wie noch vor einigen Jahren. Das trifft die wichtige Tourismusbranche umso härter, da auch westliche Besucher ausbleiben.

Warum gibt es nun eine Annäherung?

Experten sind überzeugt, dass sich trotz der Streitereien letztlich auf beiden Seiten die pragmatische Überzeugung durchgesetzt hat, dass Moskau und Ankara wirtschaftlich und im Syrienkonflikt zusammen mehr erreichen können als alleine.

Vor seiner Abreise nach Russland erklärte Erdogan, gemeinsames Ziel der beiden Länder sei es, "dass das Blutvergießen in Syrien so bald wie möglich endet." Syrien werde das wichtigste Thema der Gespräche am Mittwoch sein.

Putin bezeichnete die Türkei als einen der wichtigsten Wirtschaftspartner Russlands.

Mehr zum Thema: Machtzentrum Moskau: Putin zieht auf der Weltbühne meisterhaft die Fäden - und führt den Westen vor

Wo genau liegen die Streitpunkte im Syrien-Konflikt?

Die Türkei fordert die Ablösung von Assad, dessen wichtigster Unterstützer Russland ist. Ein besonderer Dorn im Auge sind Ankara die Milizen der Kurdenpartei PYD, dem syrischen Ableger der von der Türkei verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK.

Zuletzt deutete sich ein Konflikt zwischen der Türkei und den USA an. Auch Putins Russland könnte in die Auseinandersetzung miteinbezogen werden - und an der Seite der USA stehen.

Türkische Jets hätten die mit den USA verbündete Kurden-Miliz YPG sowie die verbotene kurdische Arbeiterpartei PKK bombardiert, meldeten Beobachter. Die USA verurteilten das türkische Vorgehen scharf.

Im Norden Syrien scheinen Russland und die USA bereits zusammenzuarbeiten. In Afrin etwa hat Russland eine Militärbasis errichtet, um die kurdischen Kämpfer zu unterstützen, berichtet die Nachrichtenagentur Reuters.

Auch das dürfte beim Treffen der beiden Präsidenten in Sotschi Gesprächsstoff sein.

Mehr zum Thema: Wieso Erdogan und Trump jetzt zu erbitterten Gegnern im Nahen Osten werden

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