Als die Kameras des TV-Duells noch aus waren, stritten sich Kraft und Laschet bereits wie Kinder

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TV DUELL
Die NRW-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft und ihr Herausforderer Armin Laschet beim gestrigen TV-Duell | DPA
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  • Die beiden NRW-Spitzenkandidaten haben das TV-Duell aggressiv geführt
  • Ein möglicher Grund dafür: Laschet und Kraft haben zu viele gemeinsame Positionen
  • Streit gab es allerdings schon, bevor die Kameras liefen

Das TV-Duell der beiden Spitzenkandidaten in Nordrhein-Westfalen hat ein Problem schnell offenbart: CDU-Politiker Armin Laschet und die amtierende Ministerpräsident Hannelore Kraft (SPD) haben einfach zu viele gemeinsame Standpunkte.

Das Duell wirkte streckenweise gespielt kratzbürstig. Beim Thema Schrottimmobilien wurde Kraft plötzlich laut, so dass ihr Herausforderer Laschet sie ermahnen musste: "Lassen Sie mich einfach ausreden, entspannen Sie sich doch!"

"Außer Ihnen glaubt das niemand"

"Sie glauben doch nicht im Ernst, Frau Kraft..." Oder: "Außer Ihnen glaubt das niemand" - solche Sätze brachte auch Laschet häufig. Im Ton blieb er dabei stets verbindlich, denn er weiß: Der deutsche Wähler mag keine polternden Trump-Typen.

Kraft und Laschet hatten sich am Dienstagabend in der einstündigen Sendung vor allem über die Sicherheit in NRW, über Verkehrsstaus, Bildung und kommunale Finanzen auseinandergesetzt.

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Nach einem Bericht der "Rheinischen Post" gab es schon bei der Stellprobe einen Streit zwischen den beiden Kandidaten. Es ging - im wahrsten Sinne des Wortes - darum, wer das letzte Wort hat.

"In meinem Vertrag steht, das bin ich", soll Kraft gesagt habe. Die Moderatorinnen Sonia Mikich und Gabi Ludwig hätten die Ministerpräsidentin daraufhin korrigiert: "Sie bekommen die erste Frage, Herr Laschet die letzte Frage. Ein richtiges Schlusswort gibt es nicht."

Dann hätten sie ja mehr Zeit für die Inhalte, habe Kraft daraufhin gewitzelt. Sie befürchtete, dass Laschet die letzte Frage für ein Schlusswort missbrauchen könne. Nach Angaben der "Rheinischen Post" habe ihr Mikich versprochen, dass sie es nicht dazu kommen lassen würde.

Einigkeit zeigten beide Politiker im TV-Duell vor allem in der Integrationspolitik. Laschet attackierte aber erneut Innenminister Ralf Jäger. Der SPD-Politiker trage die Verantwortung für Sicherheitspannen unter anderem im Terrorfall Anis Amri und in der Kölner Silvesternacht.

Laschet: "Innenminister Jäger ist zum Sicherheitsrisiko geworden"

"Wir finden, dass er zum Sicherheitsrisiko geworden ist", sagte Laschet über Jäger. Kraft stellte sich dagegen erneut vor ihren Innenminister: "Bisher gab es für mich keinen Anlass, ihn nach Hause zu schicken", sagte sie.

Laute Töne - trotzdem wurden bei diesem Duell vor allem die Gemeinsamkeiten deutlich.

Genau die seien der Grund für die hitzige Atmosphäre beim Duell gewesen, sagt der Politikwissenschaftler Klaus Schubert : "Im Kern ist bei der Debatte nichts auf den Tisch gekommen, was die beiden Spitzenkandidaten in Koalitionsgesprächen nicht überwinden können", sagte der Experte von der Universität Münster der Deutschen Presse-Agentur.

Wegen der starken Überschneidungen in den Ansichten der beiden Kandidaten sei das Duell am Dienstagabend in einigen Phasen auch aggressiver geführt worden, als dies vielleicht inhaltlich nötig gewesen wäre.

"Da muss man Krallen zeigen und dem Wähler deutlich machen, wo es bei all den Übereinstimmungen auch Unterschiede gibt", erklärte Schubert.

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(ll)

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