LIFESTYLE
03/05/2017 15:25 CEST | Aktualisiert 03/05/2017 15:30 CEST

Eine Grundschullehrerin erklärt: Das ist das Schlimmste, das Eltern ihren Kindern antun können

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Der Druck auf Schulkinder steigt immer mehr. Schon für die ganz Kleinen in der Grundschule geht es oft nur noch um exzellente Noten. Die hohen Erwartungen gehen oft gar nicht von der Schule aus, sondern von den ehrgeizigen Eltern.

Die wollen zwar nur das Beste für ihr Kind, können mit ihren Ansprüchen jedoch gewaltigen Schaden anrichten.

Die Grundschullehrerin Rebecca Baldwin weiß das aus eigener Erfahrung. In einem Post auf dem Online-Portal "Quora" berichtet sie über ihre Erfahrungen mit ambitionierten Eltern und gibt Tipps, wie man sein Kind zu Hause auf die richtige Weise unterstützen kann.

Sie schreibt:

“Es ist kurz nach der Zeugnisvergabe, da kommt ein verärgerter Vater in mein Klassenzimmer gestürmt und ruft: 'Warum hat mein Kind nicht nur Einsen?'

Ich hole ein Blanko-Zeugnis aus meinem Schreibtisch (der Vater begreift noch nicht, was ich da mache) und fülle es in aller Ruhe aus. Ich trage den Namen des Kindes ein, seine Klasse, seine Stufe, und schreibe:

Mathe: 1, Lesen: 1, Rechtschreibung:1, Werken: 1+, Heimat und Sachkunde: 1+, Musik: 1+++, Sport: 1+.

Dann gebe ich das neue Zeugnis dem Vater und sage: 'Bitteschön! Ihr Kind hat jetzt die besten Noten. Nur Einsen! Herzlichen Glückwunsch!'

Die Eltern sitzen vor mir - mit belämmertem Blick

Für gewöhnlich reicht das aus. Erstmal herrscht für ein oder zwei Minuten ein unangenehmes Schweigen zwischen uns. Einige Eltern stehen dann auf und gehen - mitsamt dem neuen Zeugnis. Es ist selbstverständlich nicht gültig, denn das gültige Zeugnis befindet sich in der Schülerakte im Sekretariat.

Die meisten Eltern legen das neue Zeugnis allerdings zurück auf meinen Tisch und sitzen dann verstummt dort, mit belämmertem Blick.

Mehr zum Thema: Eltern, hört auf, den Lehrern eurer Kinder an allem die Schuld zu geben

Eine der schlimmsten Sachen, die Eltern von ihren Kindern verlangen können, sind perfekte Noten. Denn Kinder denken dann oftmals, die Liebe der Eltern ist von ihren eigenen Schulleistungen abhängig.

Mir ist es in meiner Kindheit so ergangen und ich weiß noch genau, wie schrecklich ich das fand. Ich fühlte mich ungeliebt wegen meiner schlechten Noten. Natürlich liebten meine Eltern mich noch, aber es fühlte sich nicht so an. Ich hatte auch gute Noten, aber diese waren anscheinend nie gut genug.

Meine Schüler sind mir wichtig, unabhängig von ihren Noten

Ich habe alles daran gesetzt, dass meine Kinder sich niemals so fühlen mussten. Auch meine Schüler wissen, dass sie mir wichtig sind, unabhängig von ihren Noten.

Mit den Eltern, die ihren anfänglichen Ärger überwinden, führe ich ein ernstes Gespräch. Ich machte ihnen Vorschläge, wie ich ihrem Kind helfen könnte, damit es sich in der Schule verbessert.

Ich weiß ja, warum die meisten eigentlich wollten, dass ihr Kind gute Noten hat. In unserem Umfeld, auch innerhalb der Familie und unter Freunden, gilt häufig nur: Wer ist besser oder gar der Beste? Es geht meist nicht darum, wer das Kind in seinem Inneren ist, sondern nur, wie gut seine Noten sind.

Eltern sollten sich diese Tipps zu Herzen nehmen

Aber das ist so unglaublich falsch. Deshalb habe ich folgende Tipps:

1. Gibt es eine bestimmte Zeit in eurer Familie, in der die Kinder für die Schule lernen? In dieser Zeit sollten alle elektronischen Geräte ausgeschaltet sein, außer jenen, die für die Hausaufgaben benötigt werden.

2. Hast du einen bestimmten Platz, an dem dein Kind seine Hausaufgaben machen kann? Vielleicht am Küchentisch oder einen Schreibtisch? Gibt es dort genug Licht? Hat das Kind alle Materialien, die es braucht?

Hat das Kind etwas gegessen? Wenn ein Kind hungrig ist, kann es sich nicht so gut konzentrieren.

3. Musst du jeden Abend schreien oder befehlen, dass dein Kind seine Hausaufgaben macht? Es geht auch anders, indem du ihm bei seinen Hausaufgaben hilfst. Lernen ist eine Familienaktivität.

Eltern sollten stolz sein, dass sie sich an der Erziehung ihrer Kinder beteiligen können.Und nicht nur das: Auch Eltern können durch das gemeinsame Lernen noch etwas Neues erfahren. Und dann macht es allen Beteiligten richtig Spaß.

4. Hast du einen großen Terminplaner, auf dem dein Kind vermerken kann, wann Tests anstehen und bis wann Hausaufgaben abgegeben werden müssen? Auch wöchentliche Buchstabiertests sollten auf diesem Schulplaner vermerkt sein, ebenso wie Schulausflüge oder der Elternsprechtag.

Wir formen hier Leben

Die Erziehung deines Kindes ist auch DEINE Erziehung. Ihre Noten reflektieren, wie gut du sie unterstützt. Viele Eltern arbeiten selbst, aber sie sollten nicht vergessen: Wir formen hier Leben. Und das ist eine unglaublich wichtige Aufgabe.

Liebe dein Kind dafür, dass es sein Bestes gibt. Wenn es dann gute Noten hat, ist das großartig. Wenn dies aber nicht der Fall ist, sei trotzdem stolz auf dein Kind und auf die ganze Familie. Sei stolz darauf, dass ihr ein Team seid.

Wenn unsere Kinder nicht auf unsere Unterstützung zählen können, werden sie sie woanders suchen. Aber das könnte eine Unterstützung sein, die nicht gut ist für dein Kind - physisch und psychisch. Es könnte die Art von Unterstützung sein, die sein Leben ruiniert.”

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(lk)

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