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02/05/2017 21:20 CEST | Aktualisiert 03/05/2017 09:44 CEST

"Die Aussichten bleiben düster": So kommentiert die deutsche Presse Merkels Russland-Besuch

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Russian President Vladimir Putin and German Chancellor Angela Merkel shake hands prior to their talks at the Bocharov Ruchei state residence in Sochi, Russia, May 2, 2017. REUTERS/Alexander Zemlianichenko/Pool

  • Angela Merkel war am Dienstag zu Besuch bei Wladimir Putin in Sotschi

  • Die deutsche Presse lobt die Kanzlerin für ihren Auftritt

  • Eine zumindest sachliche Atmosphäre zwischen den Ländern sei nötig

Angela Merkel war am Dienstag zu Gast bei Russlands Präsident Wladimir Putin. Es war der erste Besuch seit zwei Jahren. Auf der Agenda standen so ungemütliche Themen wie der Ukraine-Konflikt, der Krieg in Syrien oder die Sanktionen gegen Russland.

Themen mit Sprengkraft - so viel ist sicher. Doch Merkel hat den Besuch souverän gemeistert. Der Meinung ist zumindest die Mehrheit der deutschen Presse.

"Routiniert absolvierte die deutsche Regierungschefin ihr Treffen mit Kremlchef Wladimir Putin", heißt es bei der "Frankfurter Rundschau". Und das, obwohl der Besuch angesichts der aktuellen Lage "weit von jeder Normalität entfernt" hätte sein müssen.

Merkel habe begriffen, dass ein Wandel in Russland nur dann denkbar sei, wenn "Politik auf Augenhöhe mit dem Kreml" betrieben werde und sei deshalb weiter auf Putin zugegangen. Die "Frankfurter Rundschau" kommt zu dem Schluss: "Das liefert keine wahlkampftauglichen Nachrichten, aber es ist richtig."

"Gute Gelegenheit, Gesprächsbereitschaft zu zeigen"

Auch die "Bild"-Zeitung lobt Merkels Gelassenheit. Wenn Putin zu Vorträgen aushole, lasse die Kanzlerin ihn reden. "Unterbrechen bringt nichts, macht den Monolog nur noch länger. Trotzdem macht sie anschließend klar, dass sie seine Sicht nicht teilt." Der Besuch zur Vorbereitung des G20-Gipfels sei vor allem eine gute Gelegenheit gewesen, ihre Gesprächsbereitschaft zu zeigen.

Mehr zum Thema: 12 Dinge, die Merkel Putin ins Gesicht sagen sollte - aber sich verkneifen wird

"Eine echte Freundschaft wird zwischen den beiden nicht mehr entstehen", urteilt das "Handelsblatt". Eine sachliche Atmosphäre zwischen Merkel und Putin sei aber durchaus möglich. Und in der könnten dann für alle Seiten vorteilhafte Vereinbarungen getroffen werden. Dei sei auch nötig, denn: "Ohne Russland lässt sich eine Vielzahl von Problemen nicht lösen."

"Ertrag ist ernüchternd"

Der "Spiegel" ist sich ebenfalls sicher, "dass es mit Putin zwar oft schwer ist - ohne ihn aber gar nichts vorangeht."

Dennoch sei der "Ertrag der Reise ans Schwarze Meer eher ernüchternd" gewesen. Das gelte sowohl für die großen internationalen Krisen wie auch das Thema Menschenrechte in Russland. Denn Putin lasse sich, auch wenn Merkel zum Beispiel die Verfolgung von Homosexuellen in Tschetschenien ansprach, von Deutschland da eher weniger beeindrucken.

"Die Aussichten bleiben düster"

Die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" ist wenig optimistisch, was das Verhältnis zu Russland betrifft. "Es gibt deutsch-russische Gemeinsamkeiten; aber bei den Großkonflikten gibt es keine Übereinstimmung: Es gibt keine Fortschritte." Putin bleibe Putin, nach innen wie nach außen. "Die Aussichten bleiben düster."

"Merkel kann nichts anderes tun, als die Sanktionsschraube angezogen zu lassen und zu hoffen, dass der neue US-Präsident zu einem Ukraine-Kurs findet", schreibt der "Südkurier". Denn auch wenn Barack Obama klare Stellung bezogen habe, scheine sich der neue US-Präsident Donald Trump nicht ganz sicher zu sein, "ob er der Regierung in Kiew den Rücken stärken oder seinen abgekühlten Draht nach Moskau neu beleben soll."

Merkel habe aber in Sotschi zäh ein dickes Brett gebohrt, indem sie Putin unangenehme Wahrheiten gesagt habe. "Dafür verdient die Kanzlerin Respekt."

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(jg)

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