Präsidentschaftskandidatin Le Pen schreibt Rede von ehemaligen Konkurrenten ab

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LE PEN VILLEPINTE
Präsidentschaftskandidatin Le Pen schreibt Rede von ehemaligen Konkurrenten ab | Charles Platiau / Reuters
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  • Die französische Präsidentschaftskandidatin Le Pen hat bei einer Wahlkampfrede von ihrem ehemaligen Konkurrenten Fillon abgekupfert
  • Damit hofft sie offenbar, Fillons Wähler für sich gewinnnen zu können
  • Ihr Wahlkampfdirektor sagte, es habe sich dabei nicht um ein Plagiat gehandelt

Die französische Präsidentschaftskandidatin Marine Le Pen hat bei einer Rede teilweise bei ihrem ehemaligen Konkurrenten François Fillon abgekupfert. Bei mindestens vier Passagen glich Le Pens Rede am Montag in Villepinte fast Wort für Wort einer Rede Fillons, die dieser Mitte April gehalten hatte.

Ein Video des Satire-Kanals Ridicule TV zeigt auf dem Kurznachrichtendienst Twitter Ausschnitte beider Reden simultan - wobei die Parallelen überdeutlich werden.

Fillon war bei der Präsidentschaftswahl für die konservativen Republikaner angetreten. Mit rund 20 Prozent landete er knapp hinter Le Pen auf dem dritten Rang und verpasste den Einzug in die Stichwahl am 7. Mai.

Hier wird Le Pen auf den unabhängigen Kandidaten Emmanuel Macron treffen.

Was steckt dahinter?

Was steckt hinter dem Plagiat der Rechtspopulistin? Wie die französische Tageszeitung "Le Monde" berichtet, soll Le Pen die Urheberschaft der fraglichen Passagen bei ihrer Rede nicht erwähnt haben.

Le Pens Wahlkampfdirektor David Rachline sagte der Zeitung linken Tageszeitung "Liberation" dagegen, die Rede sei kein Plagiat gewesen, die Kandidatin habe die Anleihen bei Fillon bewusst gemacht. Le Pen wolle zeigen, dass sie eine Kandidatin sei, die Menschen zusammenbringe, sagte er.

Le Pen liegt laut Umfragen für die Stichwahl am Sonntag zwanzig Prozentpunkte hinter ihrem Konkurrenten Macron. Um noch zu gewinnen, muss sie auch die Stimmen der Wähler Fillons von sich überzeugen. Dazu versucht die Rechtspopulistin offenbar, einfach wie Fillon zu klingen - und zwar teilweise Wort für Wort.

Bei vier Passagen glichen die Reden einander

Bei mindestens vier Passagen ähnelten die Reden der beiden Politiker einander stark, berichtet die HuffPost Frankreich. Fillon sprach am 15. April über die Geographie Frankreichs und seine Landesgrenzen - Le Pen übernahm die zwei Sätze fast wortgleich.

In einem weiteren Abschnitt lobten beide die Stärke der französischen Sprache:

"Wenn man unsere Sprache lernt, manchmal mit hohen Kosten, in Argentinien oder Polen, dann gibt es Wartelisten, um sich in Alliance française in Shanghai, in Tokyo, in Mexiko oder auch in einer französischen Schule in Rabat oder Rom einzuschreiben. Wenn Paris das erste Reiseziel von Touristen weltweit ist, dann heißt dass, das Frankreich mehr ist als eine industrielle, landwirtschaftliche oder militärische Größe."

Beide rühmten auch die französische Kultur. Hier gab es allerdings einen kleinen Unterschied: Für Fillon stand sie im Gegensatz zum Nationalsozialismus und Stalinismus, für Le Pen ist sie eine Alternative zur Globalisierung und der "islamistischen Ideologie".

Schließlich zitierten beide noch dieselben Aussagen des Journalisten Georges Clemenceau und des Schriftstellers André Malraux.

Als Fillon im vergangenen Jahr die Kandidatur der Konservativen gewann, waren sich Medien sicher, dass er mit seinem "Sound" Wähler des Front National für sich gewinnen könnte.

Nun scheint es, dass Le Pen direkt seinen Sound abkupfert, um sich Vorteile im Rennen um den Élysée-Palast zu verschaffen.

Mit Material der dpa

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(lp)

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