POLITIK
02/05/2017 10:23 CEST | Aktualisiert 02/05/2017 10:30 CEST

Kurdische Gemeinde kritisiert wiederaufgenommene Ditib-Förderung: "Schlag ins Gesicht aller Migranten"

HUSEYIN ALDEMIR / Reuters
Kurdische Gemeinde kritisiert wiederaufgenommene Ditib-Förderung: "Schlag ins Gesicht aller Migranten"

  • Die Kurdische Gemeinde hat die Entscheidung des Familienministeriums scharf kritisiert, die umstrittene Ditib-Förderung wieder aufzunehmen

  • Ditib ist der größte Islam-Dachverband in Deutschland, er ist wegen ihrer Nähe zur türkischen Führung politisch umstritten

Die Entscheidung des Familienministeriums, die umstrittene Förderung des türkisch-islamischen Dachverbands Ditib wieder aufzunehmen, stößt auf massive Kritik.

"Sie ist ein Schlag ins Gesicht aller Migranten, die dieses Land und seine Werte ernst genommen haben“, sagte der Vorsitzende der Kurdisch Deutschen Gemeinde, Ali Ertan Toprak, der HuffPost.

Es sei grotesk, wie die Bundesregierung Integrationswillige demotiviere, "weil dieses Land nicht sie in Schutz nimmt und würdigt, sondern sich um die kümmert, die sich wie Ditib immer nur zum Opfer stilisieren und dieses Land und seine Werte verachten."

"Bundesregierung gibt widersprüchliche Signale in der Integrationspolitik"

Die Wählerstimmen der Ditib-Türken seien dem SPD-geführten Familienministerium wichtiger als der Schutz der Erdogan-kritischen integrierten Menschen.

Mit Blick auf die von Bundesinnenminister Thomas de Maizière angestoßene Debatte über eine Leitkultur sagte Toprak: "Die Bundesregierung gibt widersprüchliche Signale in der Integrationspolitik."

Wenn nur ein Tag nach der Leitkultur-Definition des Bundesinnenministers bekannt wird, dass das Bundesfamilienministerium eine Organisation weiter finanziell unterstützen will, die allen demokratischen Aspekten diametral widerspreche, sei das nicht nachvollziehbar, sagte Toprak.

"Ditib hat sich als Integrationspartner endgültig disqualifiziert"

Ditib habe sich als "Integrationspartner endgültig disqualifiziert." Der Dachverband sei vom Erdogan-Regime als eine Art "türkische Stasi" auf deutschem Boden eingesetzt, um hier Andersdenkende und Regimekritiker auszuspionieren.

Bei der wiederaufgenommenen Ditib-Förderung geht es um Mittel in Höhe von fast einer Million Euro bis Jahresende. Sie waren unterbrochen worden, nachdem der Verdacht aufgekommen war, Ditib-Imame hätten im Auftrag der türkischen Religionsbehörde in deutschen Moscheegemeinden Informationen über Anhänger der Gülen-Bewegung gesammelt.

Bei den drei nun wieder geförderten Ditib-Projekten handelt es sich laut Ministerium um zwei Initiativen im Rahmen des Bundesprogramms "Demokratie leben! Aktiv gegen Rechtsextremismus, Gewalt und Menschenfeindlichkeit" und ein Projekt im Rahmen der Flüchtlingshilfe.

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(ll)

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