Wieso Erdogan und Trump jetzt zu erbitterten Gegnern im Nahen Osten werden

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Wieso Erdogan und Trump jetzt zu erbitterten Gegnern im Nahen Osten werden | REUTERS / GETTY
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Es hätte eine innige Freundschaft werden sollen. "Eine neue Ära“ der türkisch-amerikanischen Beziehungen hatte Recep Tayyip Erdogan im November vergangenen Jahres am Tag nach Donald Trumps Wahlsieg in den USA angekündigt.

Doch die neue Liebe zwischen der Türkei und den USA, zwischen den populistischen Hitzköpfen Trump und Erdogan, steht schon ein halbes Jahr später vor dem Aus.

Jetzt werden die beiden Nationen sogar zu erbitterten Feinden.

In Syrien droht der Streit zwischen den USA und der Türkei zu eskalieren. Sogar mit Russland paktiert Washington jetzt – um Erdogans Kampf gegen die Kurden im Norden des Landes zu stoppen.

Was ist passiert?

Mehr als zwanzig Menschen starben allein in der vergangenen Woche bei türkischen Luftangriffen auf Kurden-Stellungen im Norden Syriens und des Iraks.

Jets hätten die mit den USA verbündete Kurden-Miliz YPG sowie die verbotene kurdische Arbeiterpartei PKK bombardiert, meldeten Beobachter. Die USA verurteilten das türkische Vorgehen scharf.

Die Angriffe seien weder mit den USA noch mit der Anti-IS-Koalition in Syrien und im Irak abgesprochen gewesen, sagte ein Sprecher des US-Außenministeriums in Washington.

Er rief Ankara dazu auf, alle militärischen Schritte mit den Partnern zu koordinieren.

► Die kurdische YPG ist in Syrien wichtigster Partner des Westens im Kampf gegen die Terrormiliz Islamischer Staat (IS). Jets der US-geführten internationalen Koalition unterstützen eine von der YPG angeführte Offensive auf die IS-Hochburg Al-Rakka.

Doch auch Erdogan will Rakka befreien. Er rief Trump in der Vergangenheit immer wieder auf, mit den türkischen Soldaten und ihren verbündeten sunnitischen Milizen zu kooperieren.

Doch die USA halten bislang an ihrem verlässlichsten Partner in Syrien fest: den Kurden.

Wie ist der Konflikt einzuschätzen?

Die Angriffe der Türkei waren eine bewusste Provokation, glaubt Nahostexperte Metin Gurcan. Im Online-Magazin "Al-Monitor“ schreibt er:

“Ankara wollte vor dem mit Spannung erwarteten Treffen zwischen Donald Trump und Recep Tayyip Erdogan am 16. Mai testen, wie weit es gehen kann. Die Türkei wird anhand der Reaktion der USA auf die Luftangriffe entscheiden, was sie bei dem Treffen erreichen will.“

Wie reagieren die USA?

Die USA antworteten mit einer symbolischen Solidaritätsbekundung mit den Kurden. US-Kommandeure besuchten die Schauplätze des türkischen Bombardements im Nordosten Syriens.

Ein Bild, das Medien rund um die Welt am Montag publizierten, zeigte US-Soldaten mit dem hochrangigen PKK-Kämpfer Abdi Ferhad Sahin, einem der meistgesuchten Terroristen in der Türkei.

Ein klarer Affront gegen Erdogan.

Wie wichtig Washington das Aufrechterhalten des Bündnisses mit den Kurden ist, zeigt eine andere Entwicklung: Im Norden Syriens arbeiten die USA und Russland nun sogar zusammen, um Angriffe auf die YPG zu verhindern.

In Afrin etwa hat Russland eine Militärbasis errichtet, um die kurdischen Kämpfer zu unterstützen, berichtet die Nachrichtenagentur Reuters.

Fotos aus den kurdischen Gebieten zeigen sowohl US-amerikanische als auch russische Soldaten.

Wie geht es weiter?

Die türkischen Angriffe behindern die Offensive auf die IS-Hochburg Rakka. Die USA werden sich das nicht dauerhaft gefallen lassen. Trump muss sich an seinem Versprechen an die Bevölkerung, den IS-Terror zu besiegen, messen lassen.

Wenn es am 16. Mai, beim Treffen Erdogans mit dem US-Präsident, nicht zu einer Lösung kommt, droht der Konflikt sich zu verfestigen.

Dann könnten die Türkei sogar Russland als Hauptgegenspieler der USA in Syrien ablösen – und das als eigentlicher Nato-Verbündeter. Es hätte wohl eine weitere Destabilisierung der Region zur Folge.

Mit Material der dpa

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(ll)


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