POLITIK
02/05/2017 08:32 CEST | Aktualisiert 02/05/2017 08:53 CEST

Trotz massiver Kritik: Bundesregierung setzt Zusammenarbeit mit türkischem Verband Ditib fort

Ralph Orlowski / Reuters
Trotz massiver Kritik: Bundesregierung setzt Zusammenarbeit mit türkischem Verband Ditib fort

  • Der türkische Islam-Dachverband Ditib wird weiter von der Bundesregierung mit Fördergeldern unterstützt

  • Eine Million Euro sollen bis Jahresende fließen – ungeachtet der massiven Kritik an dem Verband

Die Bundesregierung hat die seit Januar wegen der Spitzel- und Spionageaffäre unterbrochene staatliche Förderung für den türkisch-islamischen Dachverband Ditib wieder aufgenommen.

"Unter Abwägung aller relevanten Aspekte wurde entschieden, dass die Mittelauszahlung für bereits bewilligte Projekte wieder fortgesetzt wird", teilte das Innenministerium am Montag der Deutschen Presse-Agentur mit. Es gehe um Mittel in Höhe von fast einer Million Euro bis Jahresende.

Ditib ist der größte Islam-Dachverband in Deutschland, er ist wegen seiner Nähe zur türkischen Führung aber politisch umstritten. Zuerst hatten die "Süddeutsche Zeitung" und der WDR über die Freigabe der Gelder berichtet.

Mehr zum Thema: Ermittlungen gegen Ditib-Imame: Zehn Beschuldigte verschwunden

Ditib-Imame spionierten für Ankara

Die Zahlungen waren unterbrochen worden, nachdem der Verdacht aufgekommen war, Ditib-Imame hätten im Auftrag der türkischen Religionsbehörde Diyanet in deutschen Moscheegemeinden Informationen über Anhänger der Gülen-Bewegung gesammelt.

Die türkische Regierung macht den in den USA lebenden Prediger Fethullah Gülen für den gescheiterten Putsch vom 15. Juli 2016 verantwortlich. Der Generalbundesanwalt beantragte im Januar Haftbefehle gegen sechs Imame. Der Ermittlungsrichter beim Bundesgerichtshof lehnte dies aber ab.

Bei den drei nun wieder geförderten Ditib-Projekten handelt es sich laut Innenministerium um zwei Initiativen im Rahmen des Bundesprogramms "Demokratie leben! Aktiv gegen Rechtsextremismus, Gewalt und Menschenfeindlichkeit" und ein Projekt im Rahmen der Flüchtlingshilfe.

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(ll)

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