Diese 3 Unternehmer wollen Deutschlands ersten Reste-Supermarkt aufmachen - ihr könnt ihnen helfen

Veröffentlicht: Aktualisiert:
Drucken
  • 20 Millionen Tonnen Lebensmittel werfen die Deutschen pro Jahr weg
  • Viel zu viel, sagt der Startup-Unternehmer Raphael Fellmer
  • Er will Berlins ersten Supermarkt für überschüssige Lebensmittel eröffnen

Vor acht Jahren stand Raphael Fellmer vor einer nahezu unmöglichen Mission.

"Ich wollte mich dafür einsetzen, dass keine genießbaren Lebensmittel mehr in der Tonne landen“, sagt er im Gespräch mit der HuffPost.

In einer Doku hörte er davon, dass in der EU die Hälfte aller Lebensmittel weggeworfen werden und Unternehmen sogar noch für die Entsorgung bezahlen. "Diesen Wahnsinn konnte ich nicht fassen.“

Mehr als fünf Jahre lebte er ohne Geld und fortan nur von Lebensmitteln, die andere wegwarfen. Darüber schrieb er ein Buch, das hunderttausendfach heruntergeladen wurde. Er gründete seine erste Organisation, die größte Plattform für Foodsharer. Und wird bald mit zwei Geschäftspartnern den ersten Supermarkt Berlins eröffnen, der Lebensmittel verkauft, die eigentlich im Müll gelandet wären.

sirplus

Die drei Sirplus-Gründer: Alexander Piutti, Raphael Fellmer und Martin Schott (v.l.)

Essen, das für den Abfall bestimmt war - ist das nicht irgendwie – igitt?

"Wir verkaufen bei Sirplus keine Lebensmittel, die in Berührung mit einer Mülltonne kamen“, sagt Fellmer. Sondern jene, die noch genießbar sind, obwohl sie abgelaufen sind oder äußerlich nicht der Norm entsprechen.

Nudeln, Süßwaren und Getränke sind oft noch Monate nach Ablauf haltbar, werden aber nicht mehr von großen Händlern wie Metro oder Real verkauft, mit denen Fellmer kooperiert.

Das gilt auch für Gemüse: Krumme Möhren oder Paprika mit Dellen sortieren Landwirte in der Regel aus, obwohl sie nicht anders schmecken. Fellmer hingegen verkauft sie.

"Das war Knochenarbeit"

20 Millionen Tonnen Essen werfen die Deutschen so jedes Jahr weg, das sind mehr als eine halbe Million Sattelschlepper voll. Diese zu retten, ist Knochenarbeit. Und das ist auch der Grund, warum eine Idee wie Sirplus vor acht Jahren noch so unmöglich schien.

Drei bis vier Mal in der Woche geht Fellmer am Anfang nachts durch Berlin, um an die Lebensmittel zu kommen. Dafür hängt er sich tief in die Tonnen von Supermärkten, öffnet Müllsäcke und trägt alles nach Hause, um es dort zu waschen.

"Ich hatte mehr Essen als jemals wieder danach“, sagt er, "doch es war ein Knochenjob". Dazu kommt, dass Fellmer Diebstahl und Hausfriedensbruch begehen muss, um an die abgelaufenen Lebensmittel zu kommen.

Dass er so nicht die Welt retten wird, ist Fellmer schnell klar.

Fellmer macht Geld aus Lebensmittel, die für andere Müll sind

Deswegen macht er sein Hobby zu einer Massenbewegung. Er spricht mit Supermärkten, die ihre Lebensmittel nicht mehr wegwarfen, sondern bereitstellten. Und gründet eine Plattform für Menschen wie ihn. 26.000 Menschen, um genau zu sein – aus Deutschland, Österreich und der Schweiz.

Mit Sirplus will er diese Bewegung professionalisieren, seinem Supermarkt für Lebensmittel, die eigentlich in der Tonne gelandet wären. Fellmer macht also Geld aus etwas, das für andere Müll ist. Wie das Konzept funktioniert, seht ihr in diesem Video:

Rein äußerlich wird der Supermarkt dabei kaum von anderen zu unterscheiden sein.

Dafür sollen die Lebensmittel bis zu 70 Prozent günstiger sein als in anderen Geschäften. Außerdem liefert das Startup das Essen auch in ganz Deutschland bis an die Haustür – in Berlin sogar innerhalb eines Tages. Er hat dafür schon die Großhändler Real und Metro im Boot, die Lebensmittel an Fellmer zum Weiterverkauf abgeben. Kostenlos.

Fellmer macht Geld aus Lebensmittel, die für andere Müll sind

Für ein Kassensystem, Kühlwagen und Angestellte brauchen Fellmer und seine beiden Partner 50.000 Euro, die das Trio über die Crowdfunding-Plattform Startnext gerade einsammelt. Noch etwas mehr als einen Monat läuft die Kampagne, mehr als 40.000 Euro hat das Team schon zusammen. Ein beachtlicher Erfolg.

Im zweiten Schritt will das Trio eine Plattform für überschüssige Lebensmittel an den Start bringen.

Wie das funktionieren soll? Ein Beispiel: Ein Landwirt wird 50 Tonnen Kartoffeln nicht mehr los. Dann bleibt ihm eigentlich nur noch übrig, sie in einer Biogasanlage zu verfeuern. Er kann sie aber auch über Fellmers Plattform anbieten – etwa einem Chipshersteller, der kurzfristig Kartoffeln benötigt. Gibt es einen Deal, verdient Sirplus mit.

Wann Fellmer glaubt, dass seine Mission erfüllt ist?

"Bis dahin ist es noch ein weiter Weg“, sagt er. "Und vielleicht werden wir es nie ganz schaffen, alle Lebensmittel vor der Entsorgung zu retten.“ Aber ist seinem Ziel schon ein gutes Stück weitergekommen.

Pointiert und meinungsstark: Der HuffPost-WhatsApp-Newsletter

2016-07-22-1469180154-5042522-trans.png

Flüchtlingskrise: Helft den Helfern!

Die Flüchtlingskrise bewegt die Deutschen wie kein anderes Thema. Viele blicken fassungslos auf das, was sich an Europas Grenzen abspielt. Auf das Leiden und die Nöte der Hilfesuchenden.

Dabei gibt es zahlreiche Menschen und Organisationen, die vor Ort helfen, die Probleme zu lösen. Wie ihr selbst aktiv werden könnt, erfahrt ihr bei unserem Kooperationspartner Betterplace..

(lp)

Korrektur anregen