Kanzlerin Merkel lehnt beim Besuch des saudischen Königs dessen strenge Kleidervorschriften ab

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  • Kanzlerin Merkel hat am Sonntag den saudischen König getroffen
  • Dabei ging es unter anderem um die wirtschaftlichen Beziehungen zwischen Deutschland und Saudi-Arabien
  • Doch Angela Merkel machte bei ihrem Besuch in Dschidda auch deutlich: Menschenrechte sind nicht verhandelbar - und einen Schleier wollte sie auch nicht tragen
  • Oben im Video: Golfstaat will Frauen mehr Mitspracherecht geben: „Merkel ist ein Vorbild für alle saudischen Frauen“

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) ist bei ihrem Besuch in Saudi-Arabien erstaunlich deutlich geworden. Neben künftigen gemeinsamen wirtschaftlichen Vorhaben sprach Merkel die schlechte Menschenrechtslage in Saudi-Arabien offen an.

Der saudische König Salman Abdelaziz al Saud hatte die Kanzlerin mit militärischen Ehren empfangen. Außerdem lud er zu einem Mittagessen im Königspalast mit Hunderten Gästen ein - darunter mehr als 90 Prozent Männer.

Merkel unverschleiert und in Hosenanzug

Doch wie bereits Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen im Dezember passte sich auch Merkel nicht der Kleiderordnung Saudi-Arabiens an. Sie erschien zum Treffen unverschleiert und im Hosenanzug.

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Bundeskanzler Angela Merkel und der saudische König Salman Abdelaziz al Saud

Auch die Frauen der mitreisenden Delegation kleideten sich wie Zuhause in Deutschland. Ohne Abaya, ohne Kopftuch, ohne Gesichtsschleier. In einem Land, in dem Frauen nicht einmal Auto fahren dürfen, ist das eine bedeutende Geste.

In Gesprächen mit Merkels Delegationsmitgliedern an den einzelnen Tischen entwickelten sich - trotz oder gerade deswegen -
schnell Diskussionen über Frauenrechte, die kulturelle Vielfalt im Land und den ambitionierten Wirtschaftsumbau "Vision 2030".

Vision der offeneren Gesellschaft

Die Vision sei dabei laut Merkel aber nicht nur ökonomisch ausgerichtet, "sondern bedeutet auch - bei allen Schwierigkeiten - eine gewisse Öffnung der Gesellschaft und hier gerade auch mehr Rechte und Möglichkeiten für Frauen". Dabei gehe es um einen höheren Anteil von weiblichen Beschäftigten und auch darum, mehr Frauen in Führungspositionen zu bringen, sagte Merkel.

Ob das Programm tatsächlich eine Modernisierung der ultrakonservativen saudischen Gesellschaft mit sich bringt, ist noch offen.
Jedenfalls hofften darauf die jungen, aufstrebenden saudischen Politiker der Runde beim Essen mit der Kanzlerin.

Doch viele haben nach wie vor Bedenken. So wie ein Vize-Gouverneur aus der Region Dschidda, der erklärte:

"Es wird noch Jahre brauchen, bis Frauen die gleichen Rechte wie Männer in Saudi-Arabien haben. Manche wollen das gar nicht erreichen, aber es wird immer mehr darüber gesprochen. Wir haben in den vergangenen 30 Jahren große Fortschritte gemacht. Wir werden sie auch in den nächsten 30 Jahren machen."

Eine der wichtigsten Botschaften vom Sonntag war deshalb auch, dass Berlin und Riad wirtschaftlich gut zusammenarbeiten könnten, ohne dass die strikten deutschen Exportrichtlinien für Rüstungsgeschäfte dabei "stören".

Mit Material der dpa

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(ll)

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