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01/05/2017 14:21 CEST | Aktualisiert 01/05/2017 16:09 CEST

Facebook-Chef Mark Zuckerberg will das Smartphone abschaffen - das steckt hinter seinem Plan

Mariana Bazo / Reuters
Facebook-Chef Mark Zuckerberg will das Smartphone abschaffen

  • Das soziale Netzwerk Facebook dominiert bereits jetzt unsere Kommunikation

  • Um auch die Technik dahinter zu revolutionieren, will Firmenchef Zuckerberg nun das Smartphone abschaffen

  • Er will eine gänzlich neue Plattform schaffen - mit einer Mischung aus künstlicher Intelligenz sowie Augmented- und Virtual Reality

Mark Zuckerberg hat eine Vision: Er will die Welt zu einem besseren Ort machen - für seine Tochter, wie der Facebook-Gründer immer wieder betont.

Dabei geht es Zuckerberg offenbar vor allem um eins: Er will sein soziales Netzwerk Facebook zum Taktgeber des Alltags der Menschen machen.

Dazu will der Unternehmer eine Revolution in Gang setzen, die auf den ersten Blick völlig widersinnig scheint: Zuckerberg will offenbar das Smartphone überflüssig machen.

Wie bitte?

Auf der Facebook-Konferenz F8 vor zwei Wochen sagte Zuckerberg einen verheißungsvollen Satz, der erklären könnte, was der Unternehmer vorhat:

"Es ist ziemlich erstaunlich, wenn man darüber nachdenkt, wie viele der physischen Dinge, die wir verwenden, gar nicht physisch sein müssen."

Das klingt zunächst paradox. Denn Zuckerbergs Apps sind die am meisten genutzten mobilen Anwendungen des Planeten.

Jetzt will der Tech-Milliardär das Gerät abschaffen, über das weltweit die meisten Menschen im Internet surfen? Das Gerät, das für viele Menschen in Afrika oder Asien die einzige Möglichkeit ist, online zu gehen?

Der Gedanken dahinter ist eine Kampfansage an die Konkurrenz: Wenn Zuckerberg das Ende der Smartphones mitbestimmt, kann er kontrollieren, was danach kommt.

Zuckerberg hat Facebook 2004 gegründet. Zu einer Zeit, in der Google und Apple die Entwicklung des Smartphones vorangetrieben haben. Facebook blieb dabei außen vor.

Das wurmt Zuckerberg schon lange, berichten Insider.

“Facebook war nicht involviert ins Design der Betriebssysteme und Telefone”, sagte der Milliardär 2014. Er erklärte weiter:

"Unternehmen wie Google und Apple haben das getan. Und das bedeutet, dass wir nicht in der Lage waren, die Erfahrungen für unsere Community zu kreieren, die wir schaffen wollten."

Mehr zum Thema: Mark Zuckerberg veröffentlicht Facebook-Manifest

Das soll sich ändern. Zuckerberg ist auf der Suche, nach “dem nächsten großen Ding”, das er gestalten und designen kann. Und dafür muss, auf lange Sicht, das Smartphone, das die Konkurrenten kontrollieren, sterben.

Sein Plan fußt dabei im Wesentlichen auf drei Säulen:

► 1. Die ganze Welt mit Internet zu versorgen. Das soll über seine Initiative Internet.org geschehen.

► 2. Die führende Plattform für Augmented- und Virtual Reality (VR), also gemischter und virtueller Realität, zu entwickeln. Dafür hat er schon vor einigen Jahren die Firma Oculus gekauft, welche die derzeit führende VR-Brille herstellt.

► 3. Eine künstliche Intelligenz zu kreieren. Diese soll Basis für sämtliche Kommunikation mit Maschinen und Menschen werden.

Das Internet für die ganze Welt

Mit Internet.org will Zuckerberg das Internet überall auf die Welt bringen.

Überall sollen Menschen Zugang zum World Wide Web bekommen - finanziert von Zuckerberg. Dazu sollen vor allem Drohnen und Satelliten eingesetzt werden.

Der Internet-Zugang soll durch die Währung des 21. Jahrhunderts refinanziert werden: Daten. Für Facebook sind Informationen über Menschen so gut wie Bares.

Mehr zum Thema: Weltweit arbeiten Forscher an der Abschaffung des Smartphones - was danach kommen könnte, ist ziemlich verrückt

Die Menschen können mit Zuckerbergs Programm nur bestimmte Webseiten ansteuern, etwa aus den Bereichen News, Gesundheit und Erziehung. Und die Daten, die dort über das Surf-Verhalten der Menschen gesammelt werden, dürften wohl direkt an Zuckerberg gehen.

Ein Gedanke Zuckerbergs hinter Internet.org: Wer den Internetzugang von vielen Menschen auf der Welt kontrolliert, kann auch Einfluss darauf nehmen, auf welchen Geräten sie im Internet surfen.

So dürfte es Facebook leichter fallen, neue Geräte auf dem Markt zu etablieren.

Ein Augmented-Reality-Ökosystem

Facebook will sich künftig massiv Augmented Reality (AR) widmen.

Augmented Reality ist die gemischte Realität, bei der virtuelle, vom Computer erzeugte Elemente in die tatsächliche Umgebung projiziert werden. Auf der jährlichen Entwicklerkonferenz F8 vergangene Woche hat Zuckerberg die neue Kamera der Facebook App vorgestellt.

Die ermöglicht es Programmierern auf der ganzen Welt, Bilder nur für Facebook zu entwickeln. Im Moment ist diese Technologie natürlich noch an ein Smartphone gebunden. Aber Zuckerberg sagte auch, wohin die AR-Reise gehen soll.

Nämlich zu stylischen Brillen, die es ermöglichen, dass die virtuellen Bilder direkt in das, was wir in der wirklichen Welt sehen, eingebunden sind. Das Smartphone der Zukunft könnten wir so direkt im Gesicht tragen.

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Die Grundlage dafür ist die Plattform, die Zuckerberg gerade schafft. Wenn Facebook eine AR-Plattform entwickeln kann, die “State of the art” ist, müssten sich alle anderen Tech-Giganten nach Facebook richten. Facebooks AR-System wäre dann quasi die Basis, von der alle weiteren Entwicklungen ausgehen.

Wenn es um Augmented Reality geht, würde das Zuckerberg-Imperium die Rolle einnehmen, die Google und Apple bei Smartphones haben.

Und wieder würde es auch um Daten gehen: Zuckerberg könnte sein Wissen darüber, mit was die User in der realen Welt interagieren, um ein Vielfaches vergrößern können.

Einfach wird der Kampf um die AR-Vormacht nicht. Denn auch Microsoft, mit der AR-Brille HoloLens und Apple sind im Rennen. Mittlerweile sind sich die Experten einig: Apple wird in diesem Jahr einen großen Vorstoß in Richtung AR machen. Das Kernelement werden dabei Kamera und Software des neuen iPhone sein.

Mehr zum Thema: Wieso das neue iPhone die Welt genauso revolutionieren könnte wie das erste iPhone

Eine Welt ohne Displays

Deshalb setzt Zuckerberg nicht nur auf Augmented Reality. Im vergangenen Jahr stellte er auf der F8 einen Zehn-Jahres-Plan vor, wie sich die Technologie entwickeln wird.

In Zuckerbergs Vision, wird es im Jahr 2026 eine Welt ohne Displays geben. Wir werden weder über Smartphones, noch über Laptops oder Wearables online gehen. Sondern mit einer Datenbrille oder Linse, die uns die Bilder direkt in unser Auge projiziert.

Basis dieser Technologie soll eine künstliche Intelligenz werden - natürlich entwickelt von Facebook. Die soll laut Zuckerberg so gut werden, dass sie genauso leicht und effektiv mit Computern wie mit Menschen kommunizieren kann.

Um das dann auch ohne Smartphone zu ermöglichen, sollen direkt in unser Gehirn Elektroden verpflanzt werden, die unsere Gedanken “aufschreiben” können. Wir würden dann quasi mit unserem Hirn tippen, anstatt mit unseren Fingern auf einer Tastatur.

Wenn wir eine Nachricht erhalten, bekommen wir den Inhalt also direkt in unser Ohr gesagt oder auf unser Auge projiziert - und antworten nur mit einem Gedanken.

Facebook ist schon dabei, diese Technologie zu entwickeln.

Und, sollte es so weit kommen, sollte Facebook tatsächlich führend bei diesen Entwicklungen werden, dann bräuchte wirklich niemand mehr ein Smartphone.

Dann hätte Facebook sogar die Macht über unsere Gedanken - und Mark Zuckerberg könnte die Welt wirklich so gestalten, wie er sie sich vorstellt.

Ob sie das zu einem besseren Ort für seine Tochter macht oder nicht.

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(sk/lp/mf)

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