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01/05/2017 15:28 CEST

Diskriminierung auf dem Einkommensteuer-Bogen: Da kann man sich als Frau nur veräppelt fühlen

Paul Bradbury via Getty Images
Diskriminierung auf dem Einkommensteuer-Bogen: Da kann man sich als Frau nur veräppelt fühlen

Was bin ich froh. Und gleichzeitig sauer. So als Frau.

Der Bund der Steuerzahler und die Grünen haben einen wirklich eklatanten Fall von Diskriminierung aufgedeckt. Und ich hätte das nicht einmal bemerkt, wenn sie mir nicht die Augen geöffnet hätten:

Auf dem Hauptvordruck zur Einkommensteuererklärung wird stets der Mann zuerst genannt, wenn beide ihr Einkommen zusammen besteuern lassen.

Das ist nun wirklich die Höhe.

Uncharmant, inkorrekt

Nicht nur, dass das uncharmant ist, von wegen Ladies first. Es ist schon streng neutral-alphabetisch gesehen inkorrekt. Schließlich kommt "Ehefrau“ vor "Ehemann“. Und all das gilt selbst für in gesellschaftlichen Mittel äußerst unwahrscheinlichen Fall, dass die Dame mehr verdient als der Herr.

"Es wird Zeit, dass Frauen auch in den Köpfen von Steuerbeamten gleichgestellt werden“, sagte Lisa Paus, Sprecherin für Steuerpolitik der Grünen-Bundestagsfraktion, der Zeitung "Tagesspiegel“ vom Dienstag.

Die Lösung: A und B

Und die findigen Gender-Gerechten habe auch schon einen Vorschlag: "Statt Ehemann beziehungsweise Ehefrau könnte einfach Ehepartner A beziehungsweise B abgefragt werden, damit die Eheleute selbst entscheiden können, wer zuerst und wer als zweiter Partner eingetragen wird“, sagte Verbandspräsident Reiner Holznagel der Zeitung.

Abseits allen Kopfschüttelns könnte man sagen, gute Idee, längst überfällig, ändern wir, fertig. Das System funktioniert für gleichgeschlechtliche Paare ja auch, da gibt es auch A und B.

Nächstes Thema. Vielleicht ein wichtiges.

Die Arbeitsgruppe zum Thema

Aber jetzt wird die „Tagesspiegel“-Meldung so richtig spannend. "Nach 'Tagesspiegel'-Informationen ist bereits seit 2015 eine Arbeitsgruppe auf Länderebene damit befasst, eine Lösung zu finden.“

Weil die Sache laut Finanzverwaltung ja doch sehr vertrackt sei. Es würde nämlich eine Änderung der Software nötig machen. Allein für die Analyse, so erfuhr die Zeitung, setze die Arbeitsgruppe 2800 Personentage an (man beachte, man rechnet natürlich nicht in Manntagen, denn wann immer möglich, werden Frauen natürlich nicht diskriminiert).

Wäre ja auch noch schöner, wenn man neben den Novellen im Steuergesetz auch noch sowas ändern müsste. Ja, wenn man schon im Computer-Zeitalter wäre. Aber so ...

Was bin ich sauer - und froh

Was bin ich sauer. Und gleichzeitig froh. So als Frau.

Aber letztlich bin ich auch ein bisschen froh. Als Frau. So werde ich vielleicht noch einige Jahre schmerzlichst diskriminiert. Aber wenigstens der Ehefriede bleibt gewahrt.

Denn was mache ich nur, wenn wir beide entscheiden, wer jetzt A und wer B ist?

Leserumfrage: Wie fandet ihr uns heute?

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(mf)

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