POLITIK
30/04/2017 11:49 CEST | Aktualisiert 30/04/2017 12:02 CEST

Moskaus Wahlkämpfer prahlen mit ihren Erfolgen – in Deutschland

Ilya Naymushin / Reuters
Moskaus Wahlkämpfer prahlen mit ihren Erfolgen – in Deutschland

  • Mit Hackern, Einflussagenten oder Schwarzer PR macht der Kreml in Deutschland Stimmung

  • Was dabei Russlands Ziele sind, zeigt ein Film von HuffPost-Autor Boris Reitschuster im BR Fernsehen

Köln am vergangenen Samstag. Etwa 10.000 Bürger demonstrieren friedlich gegen den AFD-Parteitag. Am Rande der Demo ist ein Kamerateam von "Ruptly TV" unterwegs – einer Nachrichtenagentur und Tochter des russischen Auslandssenders RT.

Einer der Mitarbeiter bekommt eine Nachricht – dass es eine zerbrochene Glasscheibe gibt. Er bricht eilig auf. Er läuft fast durch die halbe Innenstadt - um die kaputte Glasscheibe aufzunehmen.

Sein Film, der wenig später auf "Ruptly TV" zu sehen ist, zeigt vorwiegend Krawalle. Zu diesen Filmaufnahmen gibt es keinen Text, der die Situation einordnen würde. In Wirklichkeit gab es in Köln keine Krawalle, nur kleinere Zwischenfälle.

"Wir werden von der Berliner Zentrale meist dahin geschickt, wo es Krawalle gibt. Das kaufen dann auch andere Fernsehsender bei uns", berichtet der Kameramann, der für den Moskauer Propaganda-Apparat arbeitet."

Russlands Einflussnahme im Westen

"Ruptly TV" und RT sind einer der Schwerpunkte in einem Filmbeitrag für das Magazin "Euroblick", den ich gemeinsam mit dem Kollegen Thomas Kießling gedreht habe (zu sehen am Sonntag, 30. April, ab 16.45 Uhr im BR Fernsehen).

Das Thema: Russlands Einflussnahme im Westen, insbesondere in Deutschland. Was die Recherchen zu Tage fördern, ist beunruhigend.

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Grünen-Politikerin Marieluise Beck im Interview

Die Bundestagsabgeordnete Marieluise Beck (Grüne) erzählt im Film, wie ihr Computer im Bundestag gehackt wurde.

Erst zwei Jahre, nachdem der "Einbruch" in ihren PC entdeckt wurde, konnte man die Täter orten: Es sind die gleichen, die in den USA auf Hilary Clinton angesetzt waren - und ganz offensichtlich aus Russland stammen.

Die gebürtige Russin Olga Sokolova, Kultur- und Religionswissenschaftlerin in Berlin, berichtet von einem Anwerbeversuch für Putins Propagandamaschine:

Sie sollte im Vorfeld der Bundestagswahl im Dezember Gruppen im Internet, speziell auf Facebook, gründen, und darin auf Russisch Stimmung gegen die Regierung machen. Insbesondere gegen Angela Merkel. Mit Themen wie Flüchtlinge und Migranten soll die Bundeskanzlerin beschädigt werden.

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Der Autor beim Schneiden des Film

Igor Eidman, Soziologe im Berliner Exil und früher selbst Wahlkämpfer in Moskau und bei Auslandseinsätzen, erzählt in dem Film, wie er in Deutschland nicht nur die alten Methoden aus Moskau wiedererkennt – sondern auch alte Kollegen aus Russland wiedertrifft:

"Sie reisen hierher und erzählen mir, als altem Bekanntem, über ihre Erfolge beim Beeinflussen der öffentlichen Meinung in Deutschland, darunter auch mit Schwarzer PR."

Wie erfolgreich die Meinungsmache zeigt die Haltung gegenüber den Sanktionen gegen Russland: In Deutschland glaubten viele, diese seien ein großes Problem für die Wirtschaft der Bundesrepublik, erklärt Russlands Ex-Vizepremier Alfred Koch.

Doch diese Vorstellung, so Koch, habe mit der Realität nichts gemein.

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(mf)

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