Der Scheinriese: Wie Trumps Schwiegersohn an seinen Aufgaben im Weißen Haus scheitert

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KUSHNER
Der Scheinriese: Wie Trumps Schwiegersohn an seinen Aufgaben im Weißen Haus scheitert | Getty
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Charles Kushner wurde im Jahr 2005 wegen illegaler Parteispenden, Steuerhinterziehung und Zeugenbeeinflussung verhaftet.

Howard Rubenstein, der Spezialist für Schadensbegrenzung in New York, sollte für die Familie die Eisen aus dem Feuer holen. Rubenstein beriet Kushners Sohn Jared, wie man den Familiennamen wieder rehabilitieren konnte.

► Erster Schritt: Eine New Yorker Zeitung kaufen. Dabei nicht zu wählerisch sein, so lautete Rubensteins Rat an Jared Kushner. Das weiß der Freund der Familie zu erzählen, als er sich an sein Gespräch mit Charles Kushner zurückerinnert. Jede Zeitung würde gehen.

► Zweiter Schritt: Kaufe ein großes Gebäude in Manhattan. Jedes Gebäude geht.

► Dritter Schritt: Heirate die Tochter einer reichen New Yorker Familie. Jede Familie geht.

Seit 2009 ist Kushner Trumps Schwiegersohn

Und der junge Jared Kushner tat genau das. Im Jahr 2006 kaufte er den "New York Observer", 2007 kaufte er ein Gebäude mit der Adresse 666 Fifth Avenue für 1,8 Milliarden Dollar – fast vollständig durch Kredite finanziert. Und im Jahr 2009 heiratete er schließlich Ivanka Trump. Seitdem ist er Donald Trumps Schwiegersohn.

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Ein Sprecher der Kushner-Unternehmen wies die Erzählungen des Familienfreundes zurück. Rubenstein bezeichnete sie als „lächerlich“, so etwas habe er nie gesagt.

Ob Jared Kushner nun eine Checkliste abgehakt hat oder nicht. Fakt ist: Seine Aktivitäten in diesen Jahren haben sich stark zu Kushners Vorteil ausgewirkt. Sie bilden außerdem das Fundament für eine klug ausgetüftelte PR-Strategie, die Kushners paradoxe Rolle als ein makelloses und dabei ungleich mächtiges Mitglied der Trump-Regierung erst möglich gemacht hat.

Kushner und seine PR-Berater

Schon immer haben sich die Kushners mit einer Armee von PR-Strategen umgeben, die hinter den Kulissen das Image der Familie aufpolieren.

Da waren Rubenstein und sein Sohn und Protegé Steven, die bis Ende 2011 für die Kushners gearbeitet. Dann übergaben die Kushners ihre PR an Matthew Hiltzik. Der hat Hillary Clinton während ihres ersten Senatswahlkampfes beraten, war aber unter anderem auch für Justin Bieber und Alec Baldwin tätig.

Nach zig Wechseln engagierte Kushner im November schließlich Risa Heller, eine frühere Presse-Assistentin des allbekannt medienversierten Senators Chuck Schumer, eines Demokraten aus New York.

Bis zum offziellen Eintritt Kushners in die Trump-Regierung, vertrat Heller Kushner persönlich. Sie vertritt auch weiterhin das Familienunternehmen.

Kushner hat seine Firmenbeteiligungen abgestoßen

Inzwischen hat Kushner jedoch die Leitung des Unternehmens niedergelegt und einige seiner Firmen, die Teil des Unternehmens waren, abgestoßen.

Doch als Top-Berater von Trump ist Kushner nun mit seiner größten PR-Herausforderung konfrontiert.

Als Schwiegersohn des unbeliebtesten US-Präsidenten der Geschichte und gleichzeitig einer seiner wichtigsten Berater, gehörte zu seinen wichtigsten Aufgaben bisher, Millionen von Amerikanern ihre Krankenversicherung wegzunehmen und dubiose Einwanderungsverbote zu verhängen.

Trump hat Jared Kushner geradezu lächerlich viel Verantwortung übertragen – von der amerikanischen Außenpolitik über die Nahostpolitik bis hin zu der Beseitigung des Drogenproblems in den USA und der Reform der Arbeitsweise der US-Regierung.

Kushner ist nicht telegen

Während Trump seine Politik per Twitter diktiert und die meiste Zeit damit verbringt, utopische Versprechungen zu machen, wird Kushner dazu relativ selten zitiert. Seine wenigen öffentlichen Stellungnahmen bestehen aus blutleeren Verallgemeinerungen und der uneingeschränkten Unterstützung für seinen Schwiegervater.

Kushner spricht kaum vor der Kamera. Die TV-Show „Saturday Night Live“ machte sich daher kürzlich über Jared Kushner lustig, in dem Jimmy Kimmel einen ganzen Sketch lang in Kushners Rolle schlüpfte und dabei kein Wort sagte.

Eine Kushner-nahe Quelle kommentierte, es sei einfach Kushners Art, seine Taten für sich sprechen zu lassen.

Die wenigen Videoaufnahmen, die es von Kushner gibt, legen einen Grund für Kushners kamerascheue Art nahe: Er ist einfach nicht besonders telegen.

Zwei kurze Videos aus dem Jahr 2014, eines von einer Immobilien-Konferenz und eines für die Zeugen Jehovas, in dem Kushners 700-Millionen-Dollar-Kauf der früheren Zentrale in Brooklyn thematisiert wird, zeigen Kushner in seiner altbekannten Uniform: grauer Anzug, dunkle Krawatte und eine nichtssagende Sprache ohne jegliche Überzeugungskraft. Mit seiner sanften Stimme und seinem Tri-State-Akzent klingt er fast wie sein Schwager Eric Trump.

„Ich rede nicht mit der Presse“, sagte Kushner im Dezember zu Forbes.

Aber irgendjemand formt ganz offensichtlich sein Image in den Medien als ein Meister der Mäßigung; der Mann, der daran arbeitet, Trump in Richtung sozial-liberale und konsens-orientierte Politik zu drängen.

Kushner und Ivanka „haben geholfen, ein geplantes Dekret abzuwenden, das die Gesetze aus der Obama-Ära zum Schutz der LGBT-Gemeinde zunichte gemacht hätte“, berichtete die "New York Times" im Februar. Der Bericht stützte sich auf Personen, die mit dem Thema vertraut sind.

Außerdem hätten beide darauf gedrängt, Kritik an dem Welt-Klimaabkommen aus einem Entwurf für ein neues Regierungsdekret streichen zu lassen, das Donald Trump zur Unterschrift vorgelegt werden sollte. Das berichtet das "Wall Street Journal" einige Wochen später. Die Zeitung berief sich auf mehrere Personen, die von diesem Schritt wussten.

Ivanka habe sich außerdem für den Bombeneinsatz in Syrien ausgesprochen, so ihr Bruder Eric. Auch Jared Kushner hat diesen Schritt unterstützt, so bestätigen es nicht-genannte Quellen.

Unklar, für was Kushner politisch steht

Die gleichen Wundermittel, die scheinbar einzig dafür entwickelt wurden, der Öffentlichkeit Sympathien für Jared und Ivanka zu entlocken, sind es auch, die andere Insider des Weißen Hauses dazu verleiten, Späße über sie zu machen.

Sie bezeichnen Jared und Ivanka als „Globalisten“, die praktisch Demokraten sind – bis auf den Namen. Hervorzuheben ist, dass der Begriff „Globalist“ antisemitisch konnotiert ist - das Paar ist jüdisch, vor der Hochzeit konvertierte Ivanka zum jüdischen Glauben.

Die Presse-Anekdoten erklären jedoch nicht Jared Kushners politische Überzeugungen. Er behält seine Meinung für sich – es ist nicht einmal klar, ob er überhaupt eine Meinung hat.

Protokolle aus dem Weißen Haus sind auch keine große Hilfe dabei, herauszufinden, was Kushner denkt.

Die Nachrichtenagentur "Associated Press" brachte am Ende März eine Reportage über Kushner. Darin merkte sie an, dass sich Kushner bald nicht mehr so heimlich, still und leise aus der Affäre würde ziehen können.

Hope Hicks, die Direktorin der Strategischen Kommunikation im Weißen Haus, lieferte daraufhin folgende Antwort:

„Jared ist ein Visionär mit einem unstillbaren Appetit nach strategischen, innovativen Lösungen, die das Leben aller Amerikaner qualitativ verbessern werden.“

Damit ist alles gesagt - oder nichts.

Dieser Artikel erschien zuerst bei der HuffPost USA und wurde von Cornelia Lüttmann aus dem Englischen übersetzt.

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(mf)

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