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29/04/2017 18:33 CEST | Aktualisiert 30/04/2017 17:13 CEST

Die Alt-Right-Bewegung hat Donald Trump vergöttert - jetzt fühlt sie sich von ihm verraten

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Die rechtsextreme Alt-Right-Bewegung hat Donald Trump vergöttert - doch jetzt trifft ihn ihr Hass

  • Die rechtsextreme Alt-Right-Bewegung galt als fanatischster Teil von Donald Trumps Anhängerschaft

  • Sie erhoffte sich von ihm, dass er den Eilten in Washington das Handwerk legen würde

  • Jetzt empfindet Alt-Right Trump als Teil eben dieser Elite - und beginnt, ihn zu hassen

Sie haben ihn so sehr geliebt, haben ihn gefeiert und als Imperator vergöttert, haben "Lock her up!" ("Sperrt sie weg!") in Richtung seiner Gegnerin Hillary Clinton und "Drain the swamp!" ("Legt den Sumpf trocken!") in Richtung der verhassten Eliten in Washington geschrien.

Die rechtsextreme Alt-Right-Gruppierung war der Kern der Bewegung, die Donald Trump ins Weiße Haus gebracht hat. Trump war für sie mehr Führer als Präsident, eine Art patriotischer Heiland, angetreten, das verkrustete System aus raffgierigen Politikern und intriganten Wirtschaftsmagnaten zu zerstören, das ausgehend von Washington die USA ausbeutet.

Mehr zum Thema: Das ist der Mann, der die Alt-Right-Bewegung anführt - und er ist gefährlicher, als viele denken

Jetzt ist Donald Trump 100 Tage im Amt. Der US-Präsident hat mit seiner planlosen Instinktpolitik für Chaos, Angst und Entsetzen in der Welt gesorgt.

Politisch erreicht hat er so gut wie gar nichts. Auch nicht, das politische System in Washington zu stürzen, wie er und sein Alt-Right-Berater Stephen Bannon es im Wahlkampf vorlaut angekündigt hatten.

Bei seinen Jüngern aus der Alt-Right-Bewegung ist Trump deshalb nun zum Hassobjekt geworden.

"Seine Innenpolitik ist ein Haufen Scheiße nach dem anderen"

"Wir fühlen uns desillusioniert und sogar verbrannt von Trump", sagte Alt-Right-Anführer Richard Spencer Mitte April auf einer Konferenz.

"Wir dachten, die Alt-Right könnte Trumps Gehirn werden", doch jetzt habe der Präsident dafür seine Tochter Ivanka, ihren Ehemann Jared Kushner und den Kongresschef der Republikaner, Paul Ryan.

Trump sei ein normaler Präsident geworden, sagte Spencer. Die Alt-Right könne ihm nicht mehr trauen. "Seine Innenpolitik ist ein Haufen Scheiße nach dem anderen."

Auch Hunter Wallace, Betreiber des von abertausenden US-Amerikanern gelesenen Alt-Right-Blogs "Occidental Dissent", hat sich von Donald Trump abgewandt.

Schon im vergangen Dezember äußerte er Zweifel, ob Trump der richtige Kandidat für die Anhänger des "populistischen Nationalismus" sei. Trump hatte sich damals in in einem "New York Times"-Interview von der Alt-Right distanziert.

Scheidung zwischen Alt-Right und Trump

Anfang April verkündete Wallace dann die Scheidung zwischen Alt-Right und Donald Trump.

"Wir haben Trumps Amerika fast 100 Tage gegeben. Es hat nur 76 tage gedauert, bis es als falsches Paradies enttarnt wurde", schrieb er auf seinem Blog.

Für Wallace war die Attacke des US-Präsidenten auf Syrien der ausschlaggebende Grund, sich von Trump loszusagen: "Donald Trump hat seine 'America First'-Außenpolitik zerschreddert und in den Müll geworfen - nur, um das politische Establishment zufriedenzustellen."

Mehr zum Thema: "Wer hat meinen Präsidenten gestohlen?" - Mit dem Syrien-Angriff vergrätzt Trump seine größten Fans

Trumps Syrien-Angriff erzürnt rechtsextreme Anhänger

So extrem wie die Alt-Right-Bewegung auch sein mag, so fordern sie doch ein Ende jeglicher Einmischung der USA im Nahen Osten. "America First" bedeutet für sie ein Ende der Zeit, in der die USA den Weltpolizisten spielt.

Für die rechte Bewegung ist Trumps Vergeltungsangriff gegen den Giftgas einsetzenden Baschar al-Assad deshalb ein Schlag ins Gesicht.

So schriebt Paul Joseph Watson, einer der Redakteure der rechtsnationalen Verschwörungsseite "Infowars" auf Twitter: "Trump ist nur eine weitere Marionette des tiefen Staates und der Neocons. Ich bin offiziell raus aus dem Trump-Zug."

Auch die der Alt-Right nahestehende Radiomoderatorin Laura Ingraham verurteilte den Angriff als "komplette Änderung der Politik" Trumps - genau wie Alt-Right-Anführer Richard Spencer.

"Breitbart News" beginnt, Trump zu kritisieren

Selbst Trumps rechtes Haus-und-Hof-Magazin, dem Newsportal "Breitbart", wird ihm gegenüber immer kritischer. Noch feiert das Onlineportal zwar den US-Präsidenten als großartigen Amtsträger - doch zunehmend droht die Stimmung zu kippen.

"Wenn Trump seine Versprechen hält, dann loben wir ihn", erklärte "Breitbart"-Sprecher Chad Wilkinson dem Sender CNN. "Wenn er seine Versprechen bricht, machen wir ihn fertig."

Das Verhältnis zwischen Trump und "Breitbart" ist angespannt - wohl auch, weil er seinen "Schattenpräsidenten", den ehemaligen "Breitbart"-Chef Stephen Bannon, in die zweite Reihe verbannt hat.

Statt auf Bannon setzt Trump nun lieber auf seine Tochter Ivanka und Schwiegersohn Jared Kushner. Dieser Schritt weist darauf hin, dass sich der US-Präsident bewusst von seinen extremeren Anhängern distanzieren will.

Aus Liebe wird Hass

Wir gefährlich ist es für Trump, so mit der Alt-Right und dem harten und fanatischsten Kern seiner Anhänger zu brechen?

Die Antwort ist: Gar nicht.

Die Alt-Right-Bewegung hat ihren Zweck für Donald Trump mittlerweile erfüllt: Sie hat die Agenda gesetzt und verbreitet, die ihn ins Weiße Haus gebracht hat. Dort angekommen braucht Trump seine loyalen Aufpeitscher nicht mehr.

Denn, so zeigte es unlängst eine Umfrage, noch immer halten 93 Prozent der Trump-Wähler zu ihrem neuen Präsidenten - der miserablen Performance und den unglaublich schlechten Beliebtheitswerten zum Trotz.

So laut und wichtig die Minderheit der Alt-Right-Mitglieder in Trumps Gefolge auch war, so klar bleibt sie eben genau dies: Eine Minderheit. Eine, die ihren Nutzen für den Präsidenten verloren hat.

Jetzt fühlt sich die Alt-Right-Bewegung von Donald Trump verraten. Und aus Liebe wird Hass.

Leserumfrage: Wie fandet ihr uns heute?

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(mf)

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