US-Präsident Donald Trump gibt zu: "Ich hätte gedacht, der Job ist einfacher"

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DONALD TRUMP
Trump verblüfft mit ehrlichem Interview: So naiv war seine Vorstellung von der Präsidentschaft | Carlos Barria / Reuters
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Es war ein seltener Moment der Einsicht. US-Präsident Donald Trump hat sich nach fast 100 Tagen im Amt ehrlich wie nie über seine Arbeit im Weißen Haus geäußert.

"Das ist mehr Arbeit als ich in meinem Leben vor der Präsidentschaft hatte. Ich hätte gedacht, dass es einfacher wäre“, sagte Trump im Interview mit der Nachrichtenagentur Reuters über seine Zeit an der Spitze der US-Regierung.

Fast wehmütig klingt Trump nun, wenn er über sein altes Leben spricht. "Ich habe es geliebt", sagte der US-Präsident und schob hinterher: "Ich fahre gerne Auto. Jetzt kann ich nicht mehr fahren.“ Er lebe als Präsident in einem kleinen Kokon, werde so gut bewacht, dass er nirgendwo hingehen könne.

Trumps Wehmut könnte auch mit der politischen Bilanz seiner ersten fast 100 Tage im Amt zu tun haben. Denn die ist, wie Kritiker des Republikaners immer wieder anmerken, bescheiden.

Trumps verfehlte Ziele


Einen "100-Tage-Aktionsplan" hatte Trump zum Amtsantritt angekündigt. Großspurig, wie es sein Stil ist. Doch unter dem Strich stehen vor allem Misserfolge.

Den angekündigten Bau einer Grenzmauer zu Mexiko hat Trump noch nicht auf den Weg gebracht. Immerhin gibt es bereits einen "Design-Wettbewerb" für das gigantische Abschottungsprojekt.

Auch eine Gesundheitsreform konnte der US-Präsident nicht durchsetzen. Sein Vorstoß, das unbeliebte Obamacare-Modell zu kippen, scheiterte im Kongress krachend. Seither wagt sich die US-Regierung nicht wieder an das Thema.

Die Milliarden-Investitionen in die amerikanische Infrastruktur, mit denen Trump immer wieder warb, stehen weiter auf der To-Do-Liste. Ebenso Trumps Einreiseverbot für Menschen aus muslimisch geprägten Ländern, das gerichtlich gestoppt wurde.

Ein anstrengender Job

Trumps Bemerkung, wie anstrengend sein Job sei, klingt angesichts dieser Bilanz wie eine vorzeitige Resignation. Für viele Kritiker klingt sie aber wohl auch nach Faulheit. "Ich werde keine Zeit haben, zu golfen", hatte Trump im Wahlkampf über seine mögliche Zeit im Weißen Haus gesagt.

Jetzt, da der Republikaner im Oval Office sitzt, scheint er seine Einstellung geändert zu haben. Laut "New York Times" ging Trump allein bis Mitte April an 19 Tagen zum Golf. Kein Präsident vor Trump verbrachte so viel Zeit in Ferienresidenzen.

► Die "Washington Post" errechnete kürzlich: Jede fünfte Minute hat Trump seit Amtsantritt in Palm Beach verbracht. Das bedeutet: Etwa 20 Prozent seiner Zeit als Präsident macht Trump Urlaub.

Schwierige Großprojekte

Angesichts der ambitionierten Pläne, die Trump verfolgt, könnte dieses Arbeitspensum zu einem Problem werden.

Die Steuerreform etwa, die die US-Regierung am Mittwoch vorstellte, wird alles andere als ein Selbstläufer. Die Republikaner sind zerstritten, die massiven Steuersenkungen, die Trump durch den Kongress bekommen will, wird viel kleinteilige Überzeugungsarbeit erfordern.

Auch außenpolitisch warten die US-Amerikaner noch auf klare Konzepte ihres Präsidenten. Luftschläge in Syrien und dem Jemen, das Versprechen eines Nahost-Deals aus der Feder des Trump-Schwiegersohns Jared Kushner und ein eher peinliches Hin-und-Her mit Russland und Wladimir Putin stehen bisher auf dem 100-Tage-Zeugnis.

Nach einem "starken Amerika", das Trump im Wahlkampf so vehement gefordert hatte, klingt das noch nicht.

Und Trump? Der schaut lieber zurück als nach vorne. Im Interview mit den Reuters-Reportern holt der US-Präsident eine Karte mit den Wahlergebnissen aus dem November heraus. "Hier, die könnt ihr nehmen, das ist die Karte mit den Ergebnissen. Ziemlich gut, oder?"

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(bp)

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