POLITIK
28/04/2017 18:14 CEST | Aktualisiert 28/04/2017 21:41 CEST

"Wir verlieren eine ganze Generation": Der Partei-Nachwuchs stirbt aus - was tun?

piola666 via Getty Images
"Wir verlieren eine ganze Generation": Der Partei-Nachwuchs stirbt aus - was tun?

  • Während sich die Jugend immer stärker für Politik interessiert, bleibt sie Parteien fern

  • Wie passt das zusammen? Ein neuer Bericht gibt Antworten

Es sind zwei Statistiken, die auf den ersten Blick nicht zusammenpassen.

Jugendliche interessieren sich so sehr für Politik wie seit 20 Jahren nicht mehr, ergab kürzlich die Shell-Studie. Fast jeder zweite junge Deutsche gibt an, sich politisch zu interessieren.

Auf der anderen Seite ist die Jugend in Parteien eine absolute Minderheit. Im Schnitt sind Deutschlands Parteimitglieder 60 Jahre alt. Nur acht Prozent sind unter 30.

pulse of europe

Pulse of Europe

Politik ja, Parteien nein.

Statt ihre politische Energie in Parteiapparate zu stecken, schließen sich junge Deutsche lieber NGOs oder Bewegungen wie dem "Pulse of Europe" an. Auf die Straße statt zur Kreisverbandssitzung ist das Motto - und es wird langsam zu einem ersten Problem für die Parteien.

Ändert sich daran nichts, können CDU, SPD und andere bald dichtmachen – die einen früher, die anderen später. Die jüngsten Mitglieder haben die Grünen, hier sind 13,5 Prozent unter 30. Die CSU hingegen hat mit nur 5,3 Prozent Jugendanteil die ältesten Mitglieder.

Politik ja, Parteien nein

Was tun? Die Frage drängt, es geht für die Parteien ums Überleben. Studenten der Berliner Hertie School of Governance gingen dieser Frage für einen Bericht nach. "Partypeople – Junges Engagement in politischen Parteien“ heißt er. Und die Lektüre lohnt sich.

Der Autor Julian Zuber brachte für das Papier Parteienvertreter, junge Wissenschaftler, Aktivisten und junge Studenten an einen Tisch, um das Problem zu diskutieren – mit überraschendem Ergebnis.

► Zuber schlägt in seinem Bericht allerhand konkrete Maßnahmen vor. Etwa eine Image-Kampagne, weil viele junge Menschen bei Parteien oft an "unehrliche, intransparente Altherrenvereine denken, in denen Veränderungen nicht möglich ist“, sagt er.

► Er schlägt auch einen "Join-O-Mat“ nach dem Vorbild des "Wahl-O-Maten“ vor, der bei der Entscheidung hilft, welcher Partei man beitreten könnte.

► Außerdem schlägt er eine Bundesmitgliedschaft vor, weil Jugendliche sich nicht über Jahre an einen Kreisverband binden wollen, sondern im Zweifel zwischen mehreren Städten pendeln und sich von überall einbringen wollen.

Es ist nicht so, dass den Parteien ihr Nachwuchs-Problem nicht bewusst sei.

In der CDU-Parteizentrale arbeitet man schon seit Jahren in einer Zukunftskommission daran, für junge Mitglieder attraktiver zu werden. Außerdem gibt es seit kurzem mit Hennig Otte einen Mitgliederbeauftragten.

"Party und Politik"

"Dass sich junge Menschen projektbasiert und digital einbringen wollen, darauf muss eine attraktive Partei reagieren“, sagt er etwa im Gespräch mit der HuffPost. „Sonst laufen wir Gefahr, eine ganze Generation zu verlieren.“

Otte ist auch Chef seines Kreisverbandes in Celle – und auch „hier bestätigt sich die Statistik, dass wir noch mehr junge Menschen und Frauen erreichen und gewinnen müssen“. Das sei kein Spaziergang, gibt er zu – manches habe sich über Jahrzehnte verkrustet.

"Vielleicht braucht es deswegen Politik und etwas mehr Party, um die Jugend wieder besser zu erreichen.", sagt er.

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