Flüchtling wohnt im Keller einer Kieler Kita - dann gehen die Eltern auf die Barrikaden

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In einer Kita gab es heftige Diskussionen, weil ein Flüchtling in einer Kellerwohnung untergebracht war (Symbolbild) | kali9 via Getty Images
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  • In Schleswig-Holstein gibt es Wirbel um die Unterbringung eines Flüchtlings
  • Im Keller einer Kita der Gemeinde Flintbek war bis vor kurzem ein Mann aus Eritrea untergebracht
  • Die Eltern fürchteten um das Wohl ihrer Kinder - und forderten seinen Auszug

Ein Flüchtling aus Eritrea findet in der Gemeinde Flintbek bei Kiel Zuflucht und wird in einer Wohnung untergebracht. Dank des so genannten Kirchenasyls, das die Gemeinde gewährt, darf der junge Flüchtling dort auch bleiben.

Es ist eine Geschichte, wie sie in den vergangenen Monaten in Deutschland wohl tausendfach vorkam. Also eigentlich nichts besonders. Würde die Wohnung des Flüchtlings nicht unter einer Kita liegen, die von der evangelischen Kirche betrieben wird.

Aber genau deshalb gibt es derzeit Flintbek heftige Diskussionen. Denn einige der Eltern sorgten sich um das Wohl ihrer Kinder und forderten, dass der Flüchtling auszieht. Der hat die Wohnung vor einiger Zeit tatsächlich verlassen.

Warum, ist in der kleinen Gemeinde umstritten.

"Wir akzeptieren nicht, dass das schwächste Glied unserer Gesellschaft als Terrorist verunglimpft wird"

“Niemand, auch kein Pastor, kann uns garantieren, dass es bei einem womöglich traumatisierten Flüchtling, der sich wochenlang in einem Kellerraum ohne Tageslicht aufhält, nicht zu einer Kurzschlussreaktion kommen kann, sagte eine Mutter gegenüber der Lokalzeitung "Flensburger Tagblatt".

Auch andere Eltern scheinen die Furcht geteilt zu haben.

Der örtliche Pastor Manfred Schade hält diese Furcht für unbegründet. Er steht hinter dem Kirchenasyl. “Wir akzeptieren nicht, dass die schwächsten Glieder dieser Gesellschaft als potenzielle Gefährder oder Terroristen öffentlich verunglimpft werden. Dem wollen und werden wir uns entgegenstellen”, sagte Schade dem Blatt.

"Kein Fremder darf Zugang zur Kita haben"

Und auch über die Wohnbedingungen in der Kellerwohnung äußert sich der Pastor: “Weder Brandschutz noch Heimaufsicht hätten Einwände gegen die Nutzung des Kellers in der Kita geäußert”, schreibt Schade in einem Brief an die Eltern.

An ihm lag es also nicht, ob der Flüchtling auszog.

Zwischenzeitlich hatte sich auch die Heimaufsicht der Kitas und Kindergärten des Kreises eingeschaltet. Auch sie sieht den Aufenthalt des Flüchtlings in der Wohnung kritisch und verweist auf die allgemeinen Kriterien für einen Kita-Träger.

“Kein Fremder darf Zugang zur Kita haben. Dieses Zugangsverbot gilt für alle, egal ob es sich um den Landrat oder einen Flüchtling handelt. Das hat mit Diskriminierung nichts zu tun”, sagte Mönke im Gespräch mit dem Tagblatt.

Der Flüchtling wohnt bereits nicht mehr in der Kellerwohnung

Der Kita-Streit schaffte es auch bis auf den Schreibtisch des Landrats Rolf-Oliver Schwemer. Er habe sofort die Zuständigen des Kirchenkreises gebeten, eine anderweitige Unterbringung für den Flüchtling zu finden.

“Das Kirchenasyl wird nur innerhalb von Kirchenräumen gewährt, nicht aber in den Räumen von Kitas und den dazugehörigen Kellerräumen”, sagte er der Tageszeitung “Die Welt”.

Auch deshalb wohnt der Flüchtling bereits seit längerer Zeit nicht mehr in der Wohnung. Doch die heftige Reaktion der Eltern und die anschließende Diskussion mit der Kirche wird in Flintbek wohl noch länger ein Gesprächsthema sein.

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(ben)

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