Die Generation Y ist zu einer Masse von Snobs mutiert - und das ist gut so

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J.A. Bracchi via Getty Images
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Als Student hieß es immer: "Ich mach Interrail, da sieht man mehr", "Im 12-Bett-Hostel lernt man am besten Leute kennen" und "Ich bastel alle meine Möbel selber, das ist umweltfreundlicher..." Heute heisst es: "5-Sterne-Hotel", "Pauschalreise", "Innenarchitekt".

Wir faseln zwar immer noch von Selbstverwirklichung, aber haben im Job für die Gehaltserhöhung unsere Ideale verraten.

Meine letzte große Anschaffung? Ein Staubsaugerroboter. Was für mich der Staubsaugerroboter ist, ist für andere der neue große Fernseher, eine Playstation 4 oder eine schicke Spiegelreflexkamera. Alles Dinge, die eigentlich niemand braucht.

Ich frage mich, warum sich diese Luxusgüter plötzlich in meinem Freundeskreis tummeln, der eigentlich gar nicht für besonderen Konsum bekannt ist?

Um mich herum befanden sich immer die kleinen Weltverbesserer, die ständig von Selbstverwirklichung und Minimalismus sprachen. Genau wie ich.

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Seitdem ich von Zuhause ausgezogen bin, lebte ich ein typisches Studentenleben. Mein Einkauf bestand aus Nudeln, Soße, günstigem Knabberkram und einigen Tüten Maggi. Mit Maggi schmeckte schließlich alles, auch wild zusammengeschmissene Reste des Vortags.

Ich erinnere mich an Zeiten, in denen ich mit nicht einmal 30 Euro die Woche, jeden Tag etwas zu Essen hatte. Auch wenn es manchmal nur Toast mit Käse war.

Genau das gleiche Bild zeichnete sich in den Kühlschränken meiner Freunde ab. Wer sich etwas leisten wollte, stellte neben Ketchup und Wiener eine Flasche Bier - das war aber schon das höchste der Gefühle.

Die Generation Y ist zu einer Masse von Snobs mutiert

Heute holen wir nicht mehr die billigste Flasche Bier aus dem Kühlschrank, sondern den eisgekühlten Premium-Wodka. Den trinkt man natürlich pur, alles andere wäre ja ein Verbrechen.

Seitdem meine Generation die Ausbildung oder das Studium abgeschlossen hat, mutiert sie zu einer Masse von Snobs, die altklug "Wir hatten ja nüscht" brabbeln, während der Champagner im Glas perlt.

Die Generation Z schüttelt vorwurfsvoll den Kopf. Unsere Ideale haben wir für sie bereits ab dem ersten Gehaltsscheck verraten. Ganz ehrlich, sie haben Recht. Was früher Weltentdecker waren, die mit Rucksack bewaffnet durch die Lande zogen, sind heute All-Inklusive-5-Sterne-Liebhaber.

Doch egal was die Anderen sagen, ich finde, wir haben uns das verdienst!

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Die Generation Y arbeitet nicht mehr nur acht Stunden am Tag, nein. Wir sind ständig und überall erreichbar, so dass wir das Wort "Feierabend" kaum noch buchstabieren können.

Wir haben unzählige schlecht bezahlte Praktika und Nebenjobs hinter uns, die am Monatsende gerade einmal das stille Wasser aus der Leitung ermöglichten.

Wir wissen, was es heisst zu verzichten

Wir wissen ganz genau, was es heißt, auf etwas zu verzichten und fünf Tage lang Nudeln mit Soße zu essen.

Wieso sollten wir jetzt nicht das Recht haben, das von uns erreichte zu genießen? Unsere Vergangenheit war eine entbehrungsreiche Zeit, doch sie hat uns auch etwas wichtiges beigebracht: Den Willen, etwas zu erreichen.

Es waren die Momente vor Nudeln mit Ketchup, in denen wir uns vornahmen, unsere Zukunft in die Hand zu nehmen. Doch was war eigentlich unser Ziel?

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Einen Staubsaugerroboter, einen großen Fernseher, die neueste Spielekonsole - das alles mag versnobt und „uncool" wirken, aber es ist unser Ausdruck dafür, dass wir es geschafft haben.

Wir haben das erreicht, wovon wir geträumt haben: Unabhängigkeit. Es ist eine andere Unabhängigkeit als die, die wir uns noch vor einigen Jahren vorgestellt haben.

Aber ganz ehrlich, war die Weltumrundung mit dem überfüllten Zug, die Übernachtungen in müffelnden 12-Betten-Hostels und die selbst zusammengezimmerten instabilen Möbel wirklich unser Ziel?

Ich glaube, das sollten wir nochmal bei einem Glas Wodka on Ice diskutieren!

Die Autorin betreibt den Blog Jule blogt - Der Liebes-Blog.

(jz)

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