Wir erklären Trumps Steuerpläne in weniger als 500 Worten

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DONALD TRUMP MNUCHIN
"Gewaltige Orgie an Steuersenkungen": Das sind Trumps Reformpläne in weniger als 500 Worten | Aaron Bernstein / Reuters
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Donald Trump war angetreten, das politische System der USA umzukrempeln. Ein Eckpfeiler seines ambitionierten Vorhabens: Eine groß angelegte Steuerreform. Jetzt stellten US-Finanzminister Steven Mnuchin und Trumps Wirtschaftsberater Gary Cohn die Pläne vor.

Nicht nur inhaltlich sind sie die Vorhaben höchst umstritten.

Das US-Magazin "Slate“ befand gar: "Trumps so hoch angepriesener Plan sind eigentlich nur die Wörter 'Ich will die Steuern senken’ auf ein Papier geschrieben“.

Aber stimmt das? Wie sieht Trumps Reform aus?

► Der Spitzensteuersatz soll von 39,6 auf 35 Prozent sinken.

► Statt 7 Steuerklassen soll es in Zukunft 3 geben: Die Einkommensteuersätze sollen bei 10, 25 und 35 Prozent liegen.

► Der im internationalen Vergleich sehr hohe Unternehmenssteuersatz in den USA soll von 35 auf 15 Prozent reduziert werden.

► Das Steuersystem soll – vage formuliert – vereinfacht werden, Schlupflöcher sollen geschlossen werden.

► Der Steuerfreibetrag soll verdoppelt werden - für Ehepaare auf 24.000 Dollar.

► Es soll weniger Abschreibungsmöglichkeiten geben, nur noch für Spenden und Hypothekenzinsen.

► Die Erbschaftssteuer soll wegfallen.

Wie ist das zu beurteilen?

Trumps Ziel ist klar: Der US-Präsident will die Wirtschaft ankurbeln und neue Jobs schaffen.

Trumps unternehmerfreundliche Politik bringt ihm dabei massive Kritik ein. Besonders da auch sein eigenes Unternehmen von den Reformen profitieren würde. Das linksliberale Magazin "Mic“ etwa titelte: "Trumps Plan würde Steuern für Konzerne und Milliardäre kürzen – also für ihn selbst“.

Mehr zum Thema: Trump plant mit seiner Steuerreform den großen Wurf - doch das Vorhaben ist hoch umstritten und hätte Folgen für Deutschland

Die drastische Kürzung der Unternehmenssteuer ist jedoch weniger bemerkenswert, als viele Kritiker derzeit suggerieren. So waren die USA im internationalen Vergleich bisher ganz klar ein Hochsteuerland. Zum Vergleich: deutsche Unternehmen zahlen 25 Prozent Körperschaftsteuer, US-Firmen bisher 35 Prozent.

Friedrich Heinemann, Leiter des Forschungsbereichs Unternehmensbesteuerung am Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) in Mannheim sagte der dpa, die meisten EU-Staaten könnten mit dem Wettbewerbsdruck im Falle eines stark verringerten US-Steuersatzes gut leben.

Auch die "Süddeutsche Zeitung“ befindet: "Die Reform der Unternehmensteuern in den USA ist überfällig.“

Zudem könnte auch Deutschland profitieren. Denn der US-Präsident "scheint auf den Umbau des Steuersystems mit einer Grenzabgabe auf Importe verzichten zu wollen", wie die "SZ“ analysiert. Für Exportnationen sicherlich ein Grund aufzuatmen.

Wie die zu erwartenden Steuerausfälle im ohnehin klammen US-Haushalt kompensiert werden sollen, ist jedoch völlig offen. Mnuchins Annahme, durch eine starke Wirtschaft trotz niedrigerer Sätze höhere Einnahmen zu generieren, wirkt utopisch.

Und so könnte die "gewaltige Orgie an Steuersenkungen“, von der das "Handelsblatt“ spricht, zu einer gewaltigen Zusatzbelastung werden.

Wie geht es nun weiter?

Die Umsetzung der Reform dürfte Monate in Anspruch nehmen, und sie muss durch den Kongress. Die Gegenfinanzierung der Reform dürfte zum Streitpunkt werden.

Die geplanten Steuerentlastungen würden den ohnehin strapazierten US-Haushalt enorm belasten - das Institut "Tax Policy Center" prognostiziert Mindereinnahmen von vier Billionen Dollar über 20 Jahre.

Mit Material der dpa.

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(bp)

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