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27/04/2017 18:38 CEST | Aktualisiert 27/04/2017 19:11 CEST

Macron gilt als nächster Präsident Frankreichs - doch seine Überheblichkeit könnte ihm noch große Probleme bereiten

Bloomberg via Getty Images
Macron gilt sicher als nächster Präsident Frankreichs - seine Überheblichkeit könnte ihm große Probleme bereiten

  • In Umfragen vor dem entscheidenden Wahlgang gilt der französische Präsidentschaftskandidat Macron als klarer Favorit

  • Um zu gewinnen, muss er aber neue Wähler mobilisieren

  • Dabei könnte ihm seine Überheblichkeit im Weg stehen - wie drei seiner Auftritte deutlich zeigen

Für viele Beobachter ist das Rennen bereits gelaufen: Am 7. Mai wird der sozialliberale Kandidat Emmanuel Macron gegen die rechtspopulistische Marine Le Pen in der Stichwahl antreten - und wahrscheinlich gewinnen.

Umfragen sehen Macron 20 Prozentpunkte vor seiner Kontrahentin.

So wahrscheinlich sein Wahlsieg also ist, eine kleine Chance besteht, dass Macron doch unterliegt. Denn gerade linke Wähler und Geringverdiener trauen dem ehemaligen Banker nicht recht.

Das zeigen auch die Ergebnisse aus dem ersten Wahlgang.

► Bei Wählern mit einem monatlichen Einkommen über 3500 Euro erreichte Macron 36 Prozent, Marine Le Pen aber nur 12 Prozent der Stimmen.

► Bei einem monatlichen Einkommen unter 1500 Euro bietet sich das umgekehrte Bild: Macron bekam nur 13 Prozent der Stimmen, die Rechtspopulistin Le Pen bekam 30 Prozent. Der Linke Mélenchon bekam 29 Prozent der Stimmen.

Gerade die Wähler des ultra-linken und anti-elitären Kandidaten Jean-Luc Mélenchon muss Macron von sich überzeugen. Jeder linke Wähler, der am 7. Mai zu Hause bleibt, hilft Le Pen. Denn ihre Wählerschaft steht bereit, ihr Kreuz bei der rechten Politikerin zu machen.

Macron hat derweil mit dem Image eines elitären Vertreters der Aktionäre und Unternehmer zu kämpfen.

Drei Auftritte seit dem ersten Wahlgang zeigen, wie schwer es ihm fällt, sich von diesem negativen Bild zu distanzieren. Im Weg steht ihm dabei vor allem eines: seine eigene Überheblichkeit.

"Ey Manu, kommst du mal wieder runter?"

Zusammen mit Mitarbeitern und Unterstützern feierte Macron am Sonntagabend nach Verkündung der Ergebnisse in der Brasserie La Rotonde im schicken sechsten Bezirk von Paris.

Ein Skandal für die französische Öffentlichkeit. “Ey, Manu, kommst du mal wieder runter?”, titelte die linke Tageszeitung “Liberation”. Schließlich hat Macron noch nicht gewonnen - feierte sich aber schon als nächsten Präsidenten.

Die Bilder aus La Rotonde erinnern viele Franzosen außerdem an eine berüchtigte Feier des ehemaligen und äußerst unbeliebten Präsidenten Nicolas Sarkozy. Seinen Wahlsieg feierte der 2007 in dem Nobel-Restaurant Fouquet’s auf dem Prachtboulevard Champs-Élysées - mit reichen und berühmten Gästen. Kurz: dem elitären Establishment.

Macron machte am Sonntagabend mit einer Aussage alles noch schlimmer. Ein Journalist fragte ihn, ob diese Feier in La Rotonde sein “Fouquet’s” sei.

Macron war sichtlich erzürnt. Der Journalist habe nichts vom Leben verstanden, sagte er, wenn er nicht einsehe, dass Macron hier mit allen feiern wolle, die ihm vom ersten Tag an unterstützt hätten.

Soweit so gut. Aber am Ende seines wütenden Redeschwalls ließ sich Macron zu einer Beleidigung hinreißen: “Ich brauche keine Lektionen aus dem kleinen Pariser Milieu.”

"Nur ein selbstgerechter Trostloser"

In einem Interview mit mit dem Fernsehsender France 2 verteidigte Macron am Dienstag seine Feier. Er bedaure nichts. Er gehorche nicht “dem Diktat eines selbstgerechten Trostlosen”, der ihm sagen wolle, wo er hinzugehen habe.

Auch über die Wähler Mélenchons sprach Macron dann in einem abfälligen Ton: “Ich bin betrübt über seine Wähler”, sagte er, “Ich denke, sie sind besser als das, was sie am Sonntag gesagt haben.” Viele enttäuschte Mélenchon-Anhänger hatten erklärt, weder für Macron noch für Le Pen zu stimmen.

Dieser Fernsehauftritt dürfte ihnen Macron nicht sympathischer werden lassen.

Mehr zum Thema: Eine Umfrage zeigt in nur 6 dramatischen Zahlen, wie verzweifelt die Franzosen sind

In seiner Heimatstadt wird Macron von Arbeitern ausgebuht

Am Mittwoch war Macron dann in Amiens, seiner Heimatstadt. Dort ist ein Werk des US-Konzerns Whirlpool von der Schließung bedroht. Während Macron mit Vertretern der Industrie- und Handelskammern sprach, tauchte unerwartet seine Kontrahentin vor den Toren des Werks auf.

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Front-National-Chefin Marine Le Pen in Amiens. Quelle: Getty

Marine Le Pen genoss sichtlich das Bad in der Menge - und düpierte den unabhängigen Kandidaten. “Hier bin ich an der richtige Stelle, ich bin unter den Arbeitern, die der wilden Globalisierung trotzen. Ich gebe mich nicht mit den Repräsentanten ab, die Kuchen essen”, sagte sie mit Blick auf Macron.

Als Le Pen dann weg war, kam Macron zum Werk. Die Arbeiter empfingen ihn mit Pfiffen und Buhrufen. “Das Werk muss verstaatlicht werden, retten Sie unsere Jobs”, zitiert die “Süddeutsche Zeitung” einen Arbeiter. “Nein, das wäre keine Lösung”, erwiderte Macron.

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Emmanuel Macron in Amiens. Quelle: Getty

Nur ein Skandal kann Macron noch aufhalten

An diesem Tag hat die Rechtspopulistin Le Pen bedeutend besser um die Anhänger des Linken Mélenchon geworben. Trotzdem: Ihr Potential an Wählern dürfte Le Pen mit 20 bis 25 Prozent ausgeschöpft haben.

Nur eines könnte Macron noch aufhalten, sagen Meinungsforscher gegenüber der britischen Tageszeitung “The Independent”: ein Skandal bedeutenden Ausmaßes.

Den hat Macron bisher nicht geliefert. Doch Le Pen wird die Szenen der vergangenen Tage im TV-Duell am 3. Mai gnadenlos ausnutzen - und Macron als arroganten Schnösel darstellen.

Der 39-Jährige wird dagegen ein wirkungsvolles Mittel finden müssen. Momentan versucht er mit Attacken auf die Rechtspopulistin von seinen Verfehlungen abzulenken.

Sie sei in einem Schloss geboren, sagte er am Mittwochabend bei einer Wahlkampfveranstaltung im nordfranzösischen Arras. "Sie gibt vor, aus dem Volk zu kommen, aber sie ist eine Erbin", sagte Macron vor seinen Anhängern.

Die Wut über den verpatzten Auftritt in Amiens dürfte da noch mitgeschwungen haben.

Mit Material der dpa

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(jg)

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