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27/04/2017 11:01 CEST

Gesundheitsministerium schlägt Alarm: "Was haben uns Turkmenistan, Aiserbaidschan und Weißrussland voraus?"

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Die Folgen von Masern fordern jedes Jahr tausende Tote.

Es ist eine besorgniserregende Entwicklung: In Deutschland haben sich in den ersten Monaten des Jahres 2017 bereits mehr Menschen mit Masern infiziert als im gesamten vergangenen Jahr.

Die Zahl der beim Robert Koch-Institut (RKI) in Berlin gemeldeten Fälle liegt inzwischen bei mehr als 400.

Der Grund: Die Zahl der Eltern, die ihre Kinder nicht gegen die Infektionskrankheit impfen lassen, steigt mit jedem Jahr. Schuld daran sind absurde Horrorgeschichten und Panikmache von Impfgegnern.

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Ärzte und Wissenschaftler rufen dringend dazu auf, Kinder impfen zu lassen. Besonders eindringliche Worte findet jetzt auch das Bundesministerium für Gesundheit.

“Wenn wir nachziehen wollen, hilft nur eins: Impfen!”

“Was haben uns Turkmenistan, Aiserbaidschan und Weißrussland voraus?”, heißt es in einem Post auf der Facebook-Seite des Ministeriums. “Hier gelten die Masern als ausgerottet.”

Und weiter: “Wenn wir nachziehen wollen, hilft nur eins: Impfen!”

Wer Masern harmlos finde, solle sich auch mit den möglichen Spätfolgen einer Erkrankung auseinandersetzen.

Etwa 10 bis 20 Prozent der Betroffenen sterben an den Folgen von Masern

“Masern schwächen vorübergehend das Immunsystem, zusätzliche Erreger können Komplikationen wie Mittelohrentzündung, Bronchitis oder Lungenentzündung verursachen.” Bei etwa einem von 1000 Erkrankten komme es zu einer Gehirnentzündung.

“Etwa 10 bis 20 Prozent der Betroffenen sterben daran, das entspricht etwa einem Toten auf 10.000 an Masern Erkrankten”, schreibt das Ministerium.

Zum Start der Europäischen Impfwoche am Montag schlugen gleich mehrere Organisationen Alarm: Gegen Masern hätten sich im vergangenen Jahr wieder weniger Menschen impfen lassen, teilte die Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände (ABDA) mit.

Es seien 1,9 Millionen Impfdosen von Apotheken an Ärzte abgegeben worden - ein Minus von 18 Prozent im Vergleich zum Vorjahr, hieß es unter Berufung auf Berechnungen des Deutschen Arzneiprüfungsinstituts.

"Masernausbruch vor zwei Jahren hatte nur eine kurzfristige Wirkung auf die Impfbereitschaft"

Im vergangenen Jahr wurden bundesweit 325 Fälle erfasst. Für die angestrebte Ausrottung der Masern hätte es weniger als einen Fall pro eine Million Einwohner geben dürfen, also nur rund 80 Fälle oder weniger.

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2015 war der Absatz nach einem großen Masern-Ausbruch in Berlin laut Angaben auf 2,3 Millionen Impfdosen angewachsen - damals ein Zuwachs um 46 Prozent im Vergleich zu 2014.

"Der Masernausbruch vor zwei Jahren hatte offenbar nur eine kurzfristige positive Wirkung auf die Impfbereitschaft", sagte ABDA-Vizepräsident Mathias Arnold der dpa. "Ziel muss es jedoch sein, eine dauerhaft hohe Impfquote in allen Altersgruppen zu erreichen."

mit Material von dpa

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(ame)

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