Wer verstehen will, was in der AfD passiert, sollte Hajo Schumacher bei "Lanz" zuhören

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SCHUMACHER
Wer verstehen will, was gerade in der AfD passiert, sollte Hajo Schumacher bei "Lanz" zuhören | ZDF
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Was war die Aufregung groß, als sich die AfD am vergangenen Wochenende im Kölner Martitim Hotel zum Bundesparteitag traf.

Draußen fluteten tausende Demonstranten die Kölner Straßen, drinnen sorgte die Ablehnung des "Zukunftsantrags“ von Parteichefin Frauke Petry für ein politisches Beben. Und die Presse überschlug sich.

Am Mittwochabend versuchte Journalist Hajo Schumacher in der Talkshow von Markus Lanz, das Geschehene nun etwas nüchterner einzuordnen. Wer verstehen will, was gerade in der AfD passiert, sollte den Auftritt des Politexperten kennen.

Schumacher sprach…

… über die Ausrichtung der Partei


Die AfD seien an sich mindestens zwei oder drei Parteien in einer, befand Schumacher. "Eine Partei in der Selbstfindungsphase“, nannte der Journalist das.

Deshalb sei es falsch, der Partei mit einem ständigen "Nazi-Gebrüll“ entgegenzutreten. Ideologisch gebe es in der AfD nämlich völlig unterschiedliche Strömungen. Schumacher plädierte für mehr Gelassenheit im Umgang mit den Rechtspopulisten.

"Lasst sie machen, sie haben sicherlich die Fähigkeit, sich in Zukunft noch weiter selbst zu zerlegen – und dabei sollte man ihnen ganz entspannt zusehen“, sagte der Publizist.

…über Parteichefin Petry


"Ich finde es ein bisschen eigenartig, dass das jetzt die arme Opfer-Frauke ist“, sagte Schumacher über die politische Niederlage der Parteichefin Frauke Petry, deren Versuch, die Partei ideologisch neu auszurichten, gescheitert war. "Die ist glas- und stahlhart“, erklärte der Journalist.

Es sei zwar ein hartes Wochenende für Petry gewesen, gab Schumacher auf Nachfrage von Lanz zu. "Aber das ist Politik.“

Petry habe die AfD koalitionsfähig machen wollen, Alexander Gauland jedoch habe den "ganzen Laden ein Stück in Richtung rechts gerückt“, so der Journalist. Das sei der Machtkampf gewesen, der in Köln entschieden worden sei.

Nun heiße die Option für die Rechtspopulisten "Fundamentalopposition“, also der Kampf gegen das Establishment.

… über Spitzenkandidat Gauland:


In Gauland sieht Schumacher den "heimlichen Chef“ der AfD.

"Alexander Gauland, das ist so ein bisschen der Steve Bannon Light der AfD“, erklärte Schuhmacher in Anspielung auf den Chefstrategen Donald Trumps im Weißen Haus.

Den Ex-CDU-Politiker könne man nicht in eine Nazi-Ecke stellen. Eher habe der Spitzenkandidat der AfD "einen England-Fimmel“. "Der findet zum Beispiel Edmund Burke ganz toll. Das ist ein ultrakonservativer Denker aus dem 18. Jahrhundert. Der fand die Aufklärung (…) ein totales Missverständnis“, erklärte Schumacher.

Gaulands größtes Trauma sei Angela Merkel, legte der Journalist dar. "Eine Frau, die Protestantin ist und aus dem Osten, das findet er ganz unerträglich“, sagte Schumacher. "In Führungspositionen sieht er dann doch eher einen gestandenen Mann im Tweet-Jackett“.

So könnte sich auch Gaulands andauernder Krach mit seiner Kollegin Petry erklären.

… über die unbekannte Alice Weidel


Über Gaulands Co-Spitzenkandidatin Alice Weidel ist bislang kaum etwas bekannt. "Eine sehr interessante Frau“, findet Schumacher.

Als lesbische Frau, die in einer Partnerschaft mit zwei Kindern lebe, verkörpere Weidel die "scheinbare“ Weltoffenheit der AfD, sagte der Journalist. "Ein kluger Schachzug“, sei das. Man müsse nun jedoch sehen, "wie sie sich mit dem Höcke verträgt“ – dem Thüringer Anführer des rechten AfD-Flügels.

Auf die Frage von Moderator Lanz, wie eine Lesbe in die AfD passe, antwortete Schumacher zynisch: "Das mögen sie nicht gerne, aber die Frau hat keinen Migrationshintergrund. Lesbisch ist okay, Migrationshintergrund ist nicht okay.“

… über Björn Höcke


Nur einer machte Schumacher ratlos: Der Thüringer AfD-Sprecher Björn Höcke. "Ja… Höcke.. Ich finde, wir sollten da gar nicht so viel drüber sprechen“, gab sich der Journalist ungewöhnlich wortkarg.

"Zum Fremdschämen“ sei der nur. Höcke habe eine klare Agenda, auch viele in der AfD fänden das "unappetitlich“ – vor allem die enttäuschten CDU-Wähler, die im Zuge der Flüchtlingskrise zur AfD abgewandert seien.

Jetzt könnte sich auch an dem Skandalpolitiker die Zukunft der Partei entscheiden. "Gerangel in Parteien wirkt sich immer negativ auf die Stimmung aus“, erklärte der Politexperte.

Und wenn Höcke für etwas gut ist, dann wohl für Gerangel.

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(bp)

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