"Die Zeit" stellt eine provokante Frage - was ist, wenn die AfD doch Recht hat?

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"Die Zeit" stellt eine provokante Frage - was ist, wenn die AfD doch Recht hat? | Wolfgang Rattay / Reuters
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  • Die Wochenzeitung "Die Zeit" hat die Frage gestellt, ob die AfD mit ihren Positionen richtig liegt
  • Die Partei hat wichtige Fragen für Deutschland gestellt
  • Damit hat sie auch Diskussionen in Gang gebracht

Eigentlich ist die Sache klar: Die AfD ist eine rechte Partei. Und in dieser Partei finden sich Politiker wie Björn Höcke, die sogar rechtsextremistisches Gedankengut verbreiten.

Als Demokrat kann man sich nicht mit Leuten gemein machen, die rassistische Fortpflanzungstheorien über Menschen in Afrika verbreiten, den Holocaust für einen bedauernswerten Auffahrunfall der Geschichte halten und offen über einen möglichen Schießbefehl an den deutschen Außengrenzen spekulieren.

Die AfD will in diesem Jahr mit "Tabubrüchen" Wahlkampf machen. Sie ist eine Partei, die mit widerlichen Mitteln Politik macht und aktiv daran arbeitet, die Parteiendemokratie zu destabilisieren – allein schon deswegen, weil ihre Protagonisten immer wieder verächtlich über "die Altparteien“ reden, ganz so, als hätten die schon durch ihre längere Geschichte jegliche Relevanz verloren.

"Mit manchen Fragen hat sie Recht"

Gerade aber als Demokrat sollte man sich einer Frage nicht verweigern: Was wäre, wenn die AfD doch Recht hätte?

Die "Zeit"-Autorin Jana Hensel hat diese Frage in einem bemerkenswerten Essay besprochen. Eine wichtige Passage daraus: "Die AfD hat mit ihren Antworten nicht recht, aber mit manchen ihrer Fragen. Und sie spricht in Wahrheit zu jenen, die sie nicht wählen.“

Das sind wahrscheinlich zwei der wichtigsten Sätze, die in der vergangenen Zeit über die AfD geschrieben worden sind.

Radikale Parteien sind wichtig

Natürlich hört die AfD nicht gern, dass sie eine "rechtsradikale Partei“ ist. Das klingt, im Duktus der 1990er-Jahre, nach Springerstiefeln und Molotow-Cocktails. In Wahrheit aber sind radikale Parteien wichtig, so sehr man auch ihre Inhalte verachten mag.

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Die Unterscheidung zwischen Radikalen, die mit ihrer Kritik Debatten in Gang setzen können, und Extremisten, die den Kern der freiheitlich-demokratische Grundordnung angreifen, macht übrigens auch der Verfassungsschutz.

Natürlich haben viele Menschen in Deutschland über den Rechtsruck seit 2013 Werte wie Freiheit und Gleichheit neu entdeckt. Wir reden wieder über Demokratie. Aber der Verdienst der AfD geht viel weiter in die Debatte um politische Teilbereiche.

Wir haben Bruchlinien in Deutschland verstehen gelernt

Nehmen wir das Beispiel "soziale Ungleichheit“: Das ist seit Jahrzehnten unter Wahlkampfstrategen als Mobilisierungskiller bekannt. Noch nicht einmal die Armen in Deutschland selbst können sich dafür begeistern, wenn Parteien mit dem Thema "Gerechtigkeit“ Wahlkampf machen. Man frage mal die Verantwortlichen bei der SPD in den Bundestags-Wahlkämpfen 2009 und 2013.

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Mit dem Aufstieg der AfD haben wir verstehen lernen müssen, welche Bruchlinien es in diesem Land gibt. Ob sie nun sozialer, regionaler oder finanzieller Natur sind. Hätten wir jemals über die so genannten "Abgehängten" diskutiert, wenn es die AfD nicht gegeben hätte?

Die Debatten der AfD haben Deutschland vorangebracht

Man kann zum Beispiel auch Angela Merkels Asylpolitik richtig finden, aber gleichzeitig kritisieren, dass es in Deutschland kein vernünftiges Einwanderungsgesetz gibt, das Migration ordentlich regelt. Hätten wir darüber vor 2013 vernünftig reden können, ohne dass bald schon das halbe Land auf der Wohnzimmercouch eingeschlafen wäre?

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Es sind nicht die Lösungen und Positionen der AfD gewesen, die dieses Land voran gebracht haben. Wohl aber einige Debatten, welche die AfD mit ihrer radikalen Kritik angestoßen hat.

Wir müssen uns als Demokraten die Frage stellen, ob die AfD nicht doch Recht hat. Nur so kann man ihre falschen Antworten auf wichtige Fragen wirkungsvoll bekämpfen. Wenn wir uns die Frage nicht stellen, dann gehört den Rechtsradikalen die Zukunft.

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