Trumps Steuerpläne basieren auf einer Wirtschaftstheorie, die schon vor Jahrzehnten gescheitert ist

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Trumps Steuerpläne basieren auf einer Wirtschaftstheorie, die schon vor Jahrzehnten gescheitert ist | Getty
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  • Donald Trump hat einen Plan für die größten Steuererleichterungen in der Geschichte der USA präsentiert
  • Die Reform basiert auf einer Jahrzehnte alten Theorie des Ökonomen Arthur Laffer
  • Seine Idee wurde berühmt, weil er sie auf einer Serviette skizzierte - und weil sie danach grandios scheiterte

Weniger Unternehmenssteuer, weniger Einkommenssteuer, eine Verdopplung des Steuerfreibetrags - US-Präsident Donald Trump bereitet die größte Steuerreform in der Geschichte der USA vor.

Trump will mit den massiven Steuersenkungen die US-Wirtschaft stärken und mehr Jobs schaffen.

Seine Reformpläne basieren dabei auf einer Theorie, die ein US-Ökonom vor mehr als vierzig Jahren in einem Restaurant auf eine Serviette gekritzelt hat. Die Idee dahinter: Niedrige Steuern bedeuten mehr Wirtschaftswachstum, mehr Jobs und mehr Geld für den Staat. Das Problem: In der Praxis ist diese Rechnung nie aufgegangen.

Mehr zum Thema: "Gewaltige Orgie an Steuersenkungen": Trumps Reformpläne in weniger als 500 Worten erklärt

Arthur Laffer und seine berühmte Kurve

Ein Abend im Dezember 1974 in Washington: Vier Männer treffen sich im Restaurant Two Continents für ein Steak-Dinner. Dick Cheney und Donald Rumsfeld sind damals Berater des Präsidenten Gerald Ford, sie werden eines Tages Vize-Präsident beziehungsweise Verteidigungsminister der USA unter George W. Bush sein.

Mit am Tisch sitzt der Ökonom Arthur Laffer. Er hält den Anwesenden einen Vortrag über die hohen Steuerbelastungen in den Vereinigten Staaten, und wie sie die Wirtschaft des Landes ausbremsen würden.

Dann beginnt er auf einer Serviette einen Graphen zu malen, der veranschaulichen soll, dass zu hohe Steuern die Arbeitsleistung von Unternehmen und Investitionen senken und so die Regierung Geld kosten.

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(Die Serviette, auf der Laffer seine Theorie skizzierte, liegt heute im Museum für amerikanische Geschichte.)

"Wir haben Arbeit, Erträge und Einkommen besteuert, während wir Nicht-Arbeit, Müßiggang und Arbeitslosigkeit gefördert haben", schreibt Laffer auf die Serviette. "Das Ergebnis ist eindeutig", fügt er hinzu - eine Anspielung auf die massive Rezession, in der sich die USA 1974 befindet.

Rumsfeld und Cheney sind ganz begeistert von den Ausführungen Laffers, berichtete der "Wall Street Journal"-Journalist Jude Wanniski berichtete vier Jahre später von dem Treffen.

Laffers hingekritzelte Graphik ging als "Laffer Kurve" in die Geschichte ein - auch, weil sie in ihrer Anwendung vollkommen versagte.

Laffers Theorem wird US-Politik - und scheitert grandios

Was beschreibt Laffers Kurve genau?

Im Prinzip geht es um die Auswirkungen staatlicher Besteuerung auf zwei Faktoren: Die Produktivität der Wirtschaft einerseits und die Höhe der Einnahmen der Regierung andererseits. Laffers Theorie beschreibt zunächst zwei extreme Szenarien - und versucht dann, einen ökonomisch sinnvollen Mittelweg aufzuzeigen.

► Im ersten Szenario geht Laffer von einer Besteuerung von 100 Prozent aus. Er glaubt, dass dadurch das Wirtschaftssystem zusammenbrechen würde. Schließlich würde niemand mehr arbeiten oder Geld investieren, wenn alles Einkommen an den Staat abgegeben werden muss. Zum Schluss hätte auch die Regierung kein Geld mehr - denn wo keine Wirtschaft, da auch keine Steuereinnahmen.

► Das zweite von Laffers Szenarien beschreibt ein System ohne jegliche Besteuerung. Alle durch Arbeit oder Investitionen gewonnen Einkommen können behalten werden. Doch weil es keine Steuereinnahmen gibt, könne es auch keinen Staat geben, glaubt Laffers. Die Menschheit - und mit ihr die Wirtschaft - würden in der Anarchie versinken.

► Zwischen diesen beiden Extrempunkten verläuft Laffers berühmte Kurve - und irgendwo auf dieser Kurve soll der Punkt liegen, an dem die Höhe der Besteuerung das perfekte Gleichgewicht von wirtschaftlicher Produktivität und den Einnahmen des Staates erlaubt. Wo dieser Punkt genau liegt, ist von Fall zu Fall umstritten.

Unter US-Präsident Ronald Reagan wird Laffers Theorie von 1981 bis 1989 Teil der neoliberalen Wirtschaftspolitik in den USA. Im Sinne des US-Ökonomen senkt die US-Regierung dramatisch alle Steuern.

Für eine Weile geht das gut, die Wirtschaft wächst. Doch die Steuereinnahmen des Staates schrumpfen dramatisch, der Sozialstaat in den Vereinigten Staaten verkümmert - und die Schulden des Landes explodieren.

Dank Donald Trumps Steuerplänen drohen den USA nun die gleichen Konsequenzen.

"Ökonomisches Analphabetentum gepaart mit gesetzgeberischer Ignoranz"

Trumps Finanzminister Steven Mnuchin war sich bei der Vorstellung der neuen Steuerreform sicher: "Die Pläne bezahlen sich durch wirtschaftliches Wachstum wie von selbst."

Ein Denkfehler, dem auch schon die Ökonomen unter Reagan unterlagen.

Am Ende der Amtszeit des Republikaners hat sich die Staatsverschuldung der USA von 900 Milliarden Dollar auf 2,7 Milliarden Dollar verdreifacht. Die sogenannten "Reagonomics" wurden von Wirtschaftsexperten seither als von "Scharlatanen und Spinnern" betriebene "Vodoo Economics" verunglimpft.

"Es gibt nicht den Hauch eines Beweises dafür, dass sich die Steuerpläne des Ministers von selbst bezahlen, wie er es behauptet," sagte deshalb Jared Bernstein, einer der Chefberater der Obama-Regierung in Wirtschaftsfragen, der "New York Times".

"Sicher, signifikant schnelleres Wachstum würde auch mehr Staatseinnahmen bedeuten. Aber es gibt schlichtweg keinen wissenschaftlich gesicherten Zusammenhang zwischen Steuerkürzungen und schnellerem und nachhaltigem Wachstum."

Wirtschaftsnobelpreisträger Paul Krugman reagierte auf seine typisch bissige Art und Weise auf Trumps Steuerankündigungen. "Trumps Steuerpläne: Ökonomisches Analphabetentum gepaart mit gesetzgeberischer Ignoranz. Das wird super, glaubt mir."

Arthur Laffer steht zu seinen Ideen

Arthur Laffer hingegen ist weiter von sich und seiner Kurve überzeugt.

In der "New York Times" spricht er so auch positiv über Donald Trumps Steuerreformen und die geplanten Steuersenkungen. "Wir würden die Menschen zurückholen, wir würden Jobs schaffen, ganz ohne Zölle und Protektionismus", sagte er der Zeitung.

"Ich glaube, es wäre eine ganz Flut an Unternehmen, die schnell wieder zurückkommen würden."

Er macht sich auch um den Staatshaushalt und die Schulden der USA keine Sorgen. Eine bessere Wirtschaft würde mehr Steuern einbringen, mehr Jobs würden weniger Kosten für den Sozialstaat bedeuten.

Trumps Steuerpläne seien ein Volltreffer, "ein No-Brainer".

Das Problem: Mit dieser Überzeugung steht Laffer mittlerweile ziemlich alleine da.

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