Die meisten Briten bereuen die Brexit-Entscheidung bereits - die liegt noch kein Jahr zurück

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MAY JOHNSON
LONDON, ENGLAND - FEBRUARY 23: British Foreign Secretary Boris Johnson has his tie straightened by his Australian counterpart Foreign Minister Julie Bishop in his office at the Foreign and Commonwealth Office in Westminster on February 23, 2017 in London, England. Mr Johnson meets with Ms Bishop for the second time since he was promoted to Foreign Secretary in Prime Minister Theresa May's post- Brexit cabinet. Mr Johnson has been keen to commend the U.K.- Australia close friendship and sees the | Jack Taylor via Getty Images
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  • Die Zweifel der Briten am Brexit wachsen
  • Zum ersten Mal gaben in einer Umfrage mehr UK-Bürger an, den EU-Austritt zu bedauern, als ihn zu begrüßen

Fast mechanisch hat die britische Premierministerin Theresa May es in den vergangenen Monaten wiederholt: "Brexit heißt Brexit“. Die Mehrheit der Briten wird sagen: "Ja, leider."

Denn zum ersten Mal seit der Volksabstimmung vor zehn Monaten sind über die Hälfte der Bürger Großbritanniens gegen den EU-Austritt. Das ergab eine Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov für die Zeitung "The Times“.

45 Prozent der Befragten bedauerten demnach den Brexit, 43 Prozent begrüßten ihn, alle anderen zeigten sich unentschlossen. 36 Prozent der Befragten befürchteten, dass ihr Land nach dem EU-Austritt über weniger Einfluss in der Welt verfügen werde, nur 19 Prozent halten das für unwahrscheinlich.

Fast 40 Prozent der Briten glauben, der Wirtschaft des Landes werde ein EU-Austritt schaden.

Merkel: "Briten brauchen sich keine Illusionen machen"

Im vergangenen Jahr hatten 52 Prozent der Briten für den Austritt aus der EU gestimmt, den Theresa May dann im März einleitete.

Es werden harte Verhandlungen. Das machte auch Bundeskanzlerin Angela Merkel in ihrer Regierungserklärung am Donnerstag klar.

Darin gab Merkel den Kurs der Bundesregierung in den Brexit-Verhandlungen bekannt. Sie betonte, die Briten sollten sich "keine Illusionen“ machen, weiter genau wie ein EU-Staat behandelt zu werden.

"Ein Drittstaat, und das wird Großbritannien künftig sein, kann nicht über die gleichen oder gar noch bessere Rechte verfügen wie ein Mitglied der EU", sagte Merkel.

May attackiert Opposition: "Koalition des Chaos"

Die Brexit-Skepsis wird nun auch im britischen Wahlkampf zu einem zentralen Thema. Am 8. Juni wählen die Briten ein neues Parlament.

Theresa May appelliert an die Bevölkerung, die Konservativen bräuchten angesichts der schwierigen Verhandlungsposition großen Rückhalt beim Volk. Sie wirft der oppositionellen Labour-Party vor, die Brexit-Gespräche "stören" zu wollen.

Besonders scharf attackierte May den Labour-Chef Jeremy Corbyn: "Jede Stimme für ihn ist eine Stimme für einen chaotischen Brexit. Jede Stimme für mich ist eine Stimme für eine starke Hand bei den Verhandlungen". Sie stehe für eine stabile und starke Regierung. Corbyn dagegen könne nur eine "Koalition des Chaos" anführen.

Der Labour-Chef hingegen vermied es, auf den geplanten EU-Ausstieg Großbritanniens einzugehen. Er warf May vor, Politik für eine kleine Gruppe Privilegierter zu machen. Sie vernachlässige dabei das Gesundheitssystem und den sozialen Wohnungsbau. Mays Regierung sei "stark gegen die Schwachen und schwach gegen die Starken", sagte Corbyn.

Mit Material der dpa.

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(bp)

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