Zwischen Kanada und den USA kündigt sich ein schwerer Handelsstreit an - der zeigt, was Europa droht

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TRUDEAU TRUMP
Eisige Stimmung herrscht zwischen Kanada und den USA | Reuters
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  • Der Handelsstreit zwischen den USA und Kanada spitzt sich zu
  • Die US-Regierung erhebt Strafzölle auf kanadisches Holz und wirft dem Nachbarn vor, Handelsvereinbarungen verletzt zu haben
  • Die Spannungen in Amerika zeigen, was auch Europa droht

Mit der Ankündigung von Strafzöllen auf Holzimporte verschärfen US-Präsident Donald Trump und sein Handelsminister Wilbur Ross einen brisanten Konflikt mit dem zweitwichtigsten Handelspartner der USA, dem Nachbarland Kanada.

Die Handelsstreitigkeiten zwischen den beiden Ländern haben nach heftigen Vorwürfen der Regierung von US-Präsident Donald Trump eine neue Eskalationsstufe erreicht.

Sie zeigt, was durch Trumps rigide Wirtschaftspolitik bald auch in Europa blühen könnte.

Die USA werfen Kanada vor, Handelsvereinbarungen verletzt zu haben

Wie die US-amerikanische Ausgabe der HuffPost berichtet, ließ Trump bei der Unterzeichnung eines Dekrets zur Agrarpolitik am Dienstag in Washington verlauten: "Wir wollen nicht von anderen Ländern ausgenutzt werden, das werden wir stoppen und zwar schnell" und ergänzte im selben Atemzug: "Kanada ist sehr grob zu den USA."

Auf die Frage, ob er sich vor einem "Handelskrieg" mit Kanada fürchte, sagte Trump: "Nein." Die USA hatten zuvor angekündigt, auf kanadische Weichholz-Importe einen Strafzoll von 20 Prozent zu erheben.

US-Handelsminister Wilbur Ross warf Kanada vor, Handelsvereinbarungen verletzt zu haben. Dabei geht es um den Vorwurf unzulässiger Subventionen für die kanadische Holzwirtschaft. Wie die kanadische Ausgabe der HuffPost berichtet, antwortete Ross auf Nachfragen von US-Journalisten, warum er Kanada so angehe: "Im Allgemeinen sind sie ein guter Nachbar. Das heißt nicht, dass sie sich nicht an die Regeln halten müssen."

Die kanadische Regierung reagierte entrüstet und widersprach den Vorwürfen scharf. Sie seien grundlos und der Strafzoll ungerecht, sagte Premierminister Justin Trudeau einer Mitteilung zufolge in einem Telefonat mit Trump.

Er kündigte demnach im Gespräch mit dem US-Präsidenten zudem an, seine Regierung werde die Interessen der kanadischen Weichholz-Industrie energisch verteidigen. Die US-Regierung sprach später von einem "freundschaftlichen" Telefonat.

In den USA drohen massive Lohneinbußen und der Verlust von über 8000 Arbeitsplätzen

In einer Mitteilung gab die kanadische Regierung zu verstehen, dass die Strafzölle der USA die Kosten für US-Familien erhöhen würden, wenn sie Häuser bauen oder renovieren wollten.

Auch die US-Baubranche übte deutliche Kritik. "Protektionistische Maßnahmen zur Stützung einheimischer Holzproduzenten gehen klar zulasten von Millionen an US-Hauskäufern", sagte Granger MacDonald, der Vorsitzende der National Association of Home Builders (NAHB). Der Weg sei nicht geeignet, "die Handelsstreitigkeiten mit Kanada zu lösen oder die US-Wirtschaft anzukurbeln."

Die NAHB rechnet damit, dass amerikanischen Arbeitern allein 2017 rund 500 Millionen Dollar an Lohneinbußen durch die Maßnahme drohen und den USA 350 Millionen Dollar (umgerechnet 322 Millionen Euro) an Staatseinnahmen sowie über 8200 Vollzeitjobs verloren gehen würden.

Die Holzpreise seien seit Jahresbeginn bereits um 22 Prozent gestiegen, was den Preis pro neuem Einfamilienhaus um fast 3600 Dollar erhöht habe. Der Handelsstreit würde auf dem Rücken der US-Eigenheimer ausgetragen, die so zu den eigentlichen Leidtragenden des Streits würden.

Der Streit zeigt, was auch Europa droht

Jahrzehntelang standen die USA für freien Handel und haben sich gegen Protektionismus stark gemacht. Und dann kam Donald Trump.

Im Wahlkampf wetterte er damit, die Abschottung der US-Wirtschaft würde das Land stärken und neue Jobs zurück ins Land bringen. Fährt der US-Präsident aber weiter so rigoros auf seiner Protektionismuswelle, wird das die US-Bürger teuer zu stehen kommen. Strafzölle, die Trump auf importierte Produkte erheben lassen will, werden die Kaufpreise in die Höhe treiben.

Und das hätte nicht nur gravierende Folgen für die Vereinigten Staaten.

"Der Protektionismus ist wie eine ansteckende Krankheit", sagte Gustav Horn, Leiter des Instituts für Makroökonomie der Hans-Böckler-Stiftung dem "Tagesspiegel" bereits im vergangenen Herbst über die drohende Abwärtsspirale, die der Weltwirtschaft drohen könnte.

Denn wenn sich die US-Wirtschaft abschottet, könnte das einen Domino-Effekt auslösen und die handelspolitische Abschottung zahlreicher anderer Länder zur Folge haben.

Die aggressive US-Handelspolitik gegenüber Kanada ist somit auch ein Vorbote dessen, was Europa droht. Die US-Regierung hat angesichts eines riesigen Handelsdefizits auch anderen wichtigen Wirtschaftspartnern wie etwa China und Deutschland schon unfaire Handelspraktiken vorgeworfen.

Freien Handel sieht der US-Präsident nur dann als gerecht und erstrebenswert an, wenn die Handelsbilanz zwischen den betroffenen Ländern ausgeglichen ist. Eine Exportnation wie Deutschland passt da nicht ins Bild.

Mit Material von dpa

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(jg)

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