Mit diesem riesigen Kamm will eine junge Architektin das Müllproblem in den Ozeanen lösen

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RIESENKAMM
Die Plattform soll die Meeresströmung beruhigen und dann Plastikpartikel filtern | Facebook/Pacific Garbage Screening
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  • Ein Team aus Aachen hat die Plattform “Pacific Garbage Screening” entwickelt, die Plastikmüll aus dem Meer filtern kann
  • Die Plattform filtert den Müll mithilfe der Wasserströmung, dadurch werden auch keine Tiere in Gefahr gebracht
  • ”Pacific Garbage Screening” sieht optisch aus wie ein riesiger Kamm und könnte auch als Forschungsstation dienen

Sie sieht aus wie ein riesiger Kamm und könnte eines der größten Umweltprobleme weltweit lösen: die schwimmende Plattform “Pacific Garbage Screening” soll mithilfe der Meeresströmung Plastikmüll aus dem Wasser filtern.

Entwickelt hat den Kamm die Architektin Marcella Hansch aus Aachen.

“Jährlich werden über 225 Millionen Tonnen Plastik hergestellt und rund zehn Prozent des Plastikmülls gelangt dann täglich in die Ozeane, das sind 350 Tonnen pro Tag”, sagt Hansch in einem Vorstellungsvideo zum Projekt.

Die Folgen dieser Verschmutzung sind fast täglich in den Medien zu sehen: Verendete Meerestiere mit Plastikteilen im Magen, Strände voller angespülter Plastikflaschen und Seevögel die sich in Plastiktüten verfangen.

sea bird with garbage

Erst kürzlich haben Wissenschaftler des Alfred-Wegener-Instituts die Plattform “Litterbase” gegründet, die mit grafischen Karten das Ausmaß der Plastikverschmutzung in den Ozeanen weltweit zeigt.

Ein Kanalsystem soll die Meeresströmung beruhigen

“Pacific Garbage Screening” bietet laut den Erfindern die optimale Lösung. Die Plattform soll die Meeresströmung beruhigen. Unter der Anlage bilden 35 Meter lange “Kiele” ein Kanalsystem von zirka 400 Metern Länge.

Gegenüber dem Umweltmagazin “Utopia” erklärte Hansch: “Das Wasser strömt dann durch das Kanalsystem, dabei werden die Bewegungen des Meeres punktuell beruhigt.” Fließt das langsamer treiben die Kunststoffpartikel von alleine nach oben.

Denn: Kunststoff hat eine geringere Dichte als Wasser. Sie werden an der Oberfläche von der Plattform abgeschöpft und gefiltert.

pacific garbage

Ingenieure sollen den riesigen Kamm mit Seilen am Meeresboden festbinden. Dabei wird er so flexibel fixiert, dass er sich von alleine der wechselnden Strömungsrichtung des Meeres anpassen kann.

Maschinen wandeln den Kunststoff in Biokunststoff um

Hansch ist zwar nicht die einzige, die das Plastikmüllproblem in den Meeren lösen will - aber ihre Entwicklung soll zahlreiche Vorteile im Vergleich mit anderen System haben. Netze, die den Müll aus dem Meer fischen, zum Beispiel, fangen auch zahlreiche Meerestiere. Außerdem müssen Arbeiter den Plastikmüll noch am Festland verbrennen.

Auch für diese Herausforderung haben Hansch und ihr Team eine Lösung. Denn dudurch, dass der Kamm nur an der Oberfläche arbeitet, verletzt er keine Meerestiere. Und auch der Plastikmüll wird beim “Pacific Garbage Screening” nicht einfach nur verbrannt.

Die Kunststoffpartikel sollen nämlich auf der Plattform in Energie und in weiteren Prozessen zu Biokunststoff umgewandelt werden.

"Mir sind die Plastiktüten vor der Taucherbrille geschwommen"

Die Idee für das Projekt hatte Hansch während eines Tauchurlaubs. “Mir sind die Plastiktüten vor der Taucherbrille herumgeschwommen”, sagt Hansch im Video. Erst in diesem Urlaub sei ihr bewusst geworden, dass sie dieses Problem bekämpfen möchte.

Damit hatte sie gleichzeitig das Thema ihrer Masterarbeit gefunden: Pacific Garbage Screening. Nun, vier Jahre später, will Hansch mit einem Team aus 15 Ehrenamtlichen die Plattform weiterentwickeln.

marcella hansch

Im Moment baut das Team an einem kleinen Modell des “Pacific Garbage Screening” für die Testläufe. “Wir würden erst einmal gerne kleinere Prototypen in Flussmündungen einsetzen”, sagte Hansch gegenüber “Utopia”.

Das Team hat einen gemeinnützigen Verein gegründet und versucht nun über Forschungsgelder, Spenden und ein Crowdfunding, genügend Geld zu sammeln, um den Prototypen finanzieren zu können.

“Damit könnten wir vielleicht mit unserem kleinen Team die Welt retten und das wäre schon cool”, sagt die junge Architektin.

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