Grünen-Ministerpräsident Kretschmann: "Die Aufgabe von Politikern ist es nicht, Menschen zu erziehen"

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Grünen-Ministerpräsident Kretschmann: "Die Aufgabe von Politikern ist nicht, Menschen zu erziehen" | PATRIK STOLLARZ via Getty Images
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  • Grünen-Ministerpräsident Kretschmann kritisiert deutsche Politiker für ihren Versuch, Menschen "zu erziehen"
  • Zudem kritisiert er, dass Eliten eine Sprache nutzen, die ein Großteil der Menschen nicht versteht

Die Grünen stecken in der Krise. Eine Allensbach-Umfrage kam zuletzt zu dem Ergebnis, dass Wählerinnen und Wähler vor allem von den vielen Ideen der Partei für immer neue Vorschriften genervt sind. Und das, so analysieren die Meinungsforscher, sei der Grund für ihren Absturz.

Jetzt reagiert der baden-württembergische Ministerpräsident, Winfried Kretschmann: Politiker dürften es nicht als ihre Aufgabe ansehen, die Bürger zu erziehen, sagte der Grünen-Politiker in einem Interview mit der "Zeit". "In der Politik darf man nicht pädagogisieren. Das muss man sich strikt abgewöhnen."

Es klingt wie eine sehr deutliche Botschaft an die eigene Partei.

Kretschmann gab jedoch zu: "Den Hang kriegt man wahrscheinlich nicht ganz aus einem raus. Aus dem Lehrer einer Naturwissenschaft sowieso nicht. Die Welt zu erklären ist ein wichtiges Ziel", sagte Kretschmann, der vor seinem Politikerleben als Lehrer gearbeitet hat.

"Die Eliten reden so, dass der Großteil sie nicht versteht"


Zudem sei die Sprache von Politikern problematisch, findet Kretschmann: "Wenn man Begriffe wie 'Gendermainstreaming’ in die Welt setzt, bei denen man zehn Minuten braucht, bis man sie erklärt hat, muss man sich aber nicht wundern, dass sie kaum jemand versteht.“

Das sei ein Problem. "Eliten reden so, dass der Großteil der Menschheit sie nicht versteht. Politik hat die Aufgabe, so zu reden und zu formulieren, dass man sie versteht." Sonst hat das dramatische Auswirkungen, sagte Kretschmann.

Eine neue Forsa-Umfrage im "Stern" zeigt derweil, wie tief die Grünen auf Bundesebene mittlerweile in der Krise stecken. Demnach würde die Hälfte der Deutschen es nicht bedauern, wenn es die Grünen nicht mehr gäbe. Eine schlimme Ohrfeige für eine Partei, die immerhin in zehn Bundesländern an der Regierung beteiligt ist.

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