Wissenschaftler haben eine neue Methode gefunden, um Frühchen zu retten

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PREMATURE BABYS
Wissenschaftler haben eine neue Methode gefunden, um Frühgeburten zu retten | Ondrooo via Getty Images
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Amerikanische Wissenschaftler haben eine künstliche Gebärmutter hergestellt, in der sich Frühchen wie im Mutterleib entwickeln können. Auf den ersten Blick sieht die Konstruktion aus wie ein Plastiksack, aber sie könnte tausenden Babys das Leben retten. Noch dauert die Forschung zu dem Thema an, doch die ersten Ergebnisse sind vielversprechend.

Ärzte des Children's Hospital in Philadelphia haben die künstliche Gebärmutter innerhalb einer Studie mit Lämmchen getestet und ihre Erkenntnisse in dem Wissensmagazin "Nature Communications" veröffentlicht.

Zunächst wurden fünf Lämmchen zwischen der 23. und 25. Schwangerschaftswoche mit einem Kaiserschnitt auf die Welt geholt. Kommt ein Baby vor der 25. Schwangerschaftswoche auf die Welt, spricht man bei Menschen von einer sehr riskanten Frühgeburt.

Die Lämmchen entwickelten sich wie im Mutterleib

Die Forscher legten die Lämmchen nach dem Kaiserschnitt in einen selbst hergestellten Plastik-Beutel. Dieser war mit einer Flüssigkeit gefüllt, die dem Fruchtwasser nachempfunden ist. Die Forscher haben diese amniotische Flüssigkeit im Labor hergestellt. An dem Beutel befestigten sie außerdem eine Art mechanische Plazenta, die das Blut des Lämmchens wie eine echte Plazenta mit Sauerstoff versorgt.

Bei dem Tierversuch zeigte sich, dass sich die Lamm-Frühgeburten in dem Beutel für drei bis vier Wochen tatsächlich wie im Mutterleib entwickelten.

"Wir haben den ersten Versuch mit einem kleinen Lämmchen gestartet, das sich noch fast nicht bewegt hat und die meiste Zeit geschlafen hat", sagte Emily Partridge, die Autorin der Studie, in einem Video des Philadelphia Children's Hospital. "Es ist unbeschreiblich, wie Ehrfurcht gebietend es ist, die Entwicklung mit anzusehen."

Eine Frühgeburt kann für Babys lebensgefährlich sein. In Deutschland kommen insgesamt etwa 20 Prozent aller Kinder zu früh auf die Welt, wie das "Ärzteblatt" berichtet. Dadurch tragen sie laut des Blatts ein erhöhtes Risiko, nachhaltige Schäden davonzutragen.

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Frühgeborene seien die größten Patientengruppe innerhalb der Kinderheilkunde. Die Ursache der meisten Todesfälle seien bei Babys die Folgen einer Frühgeburt.

Die Ärzte sind optimistisch

"Das neue Projekt ist ein innovativer, vielversprechender erster Schritt", sagte Catherine Spong, Spezialistin am National Institute of Health.

Eine der größten Gefahren für Frühgeburten ist es laut Spong, dass sie nicht genug Luft bekommen können. Denn ihre Lungen seien noch nicht genug ausgebildet, um Luft einzuatmen - und genau das kann in der künstlichen Gebärmutter verhindert werden.

Babys in der Gebärmutter haben für gewöhnlich noch die amniotische Flüssigkeit in der Lunge, die ihnen bei ihrer körperlichen Entwicklung hilft. Sauerstoff erhalten die Babys über die Nabelschnur. Direkt nach der Geburt werden Frühgeburten allerdings an Beatmungsmaschinen angeschlossen, wodurch die Lunge Schaden davontragen kann.

In der künstlichen Gebärmutter wäre dieses Risiko geringer. Auch dort können die Babys den benötigten Sauerstoff über die Nabelschnur erhalten, die wiederum mit einem Sauerstoffgerät verbunden ist.

Die künstliche Gebärmutter wird nun noch weiter optimiert

Allerdings konnten die Forscher innerhalb der Studie noch nicht untersuchen, wie sich die Lämmchen über einen längeren Zeitraum hinweg entwickeln. Bevor sie die künstliche Gebärmutter an Menschen testen, wollen sie diese erst noch weiter optimieren. So planen sie beispielsweise auch das Herzschlag-Geräusch der Mutter nachzustellen.

Die meisten der Schäfchen haben die Wissenschaftler anschließend eingeschläfert, um auch ihre Organe untersuchen zu können. Doch immerhin eines sei anschließend mit dem Fläschchen aufgezogen worden und lebe nun glücklich auf einer Farm in Pennsylvania.

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(bah)

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