Dominic Raacke: So ist er privat als Vater

Veröffentlicht: Aktualisiert:
Drucken

Dominic Raacke versucht, seiner Tochter ein Ratgeber zu sein

Von 1999 bis 2014 schlüpfte er in die Rolle des mutigen Berliner "Tatort"-Kommissars Till Ritter, nun ist der Schauspieler und Drehbuchautor Dominic Raacke (58) im Dreiteiler "Honigfrauen" (23.4., 30.4, 7.5., 20:15 Uhr, ZDF/Mediathek) zu sehen. Darin spielt er den - zumindest zu Beginn - eher weniger mutigen Vater aus dem Westen, der seine schwangere Freundin im Osten hatte sitzen lassen und 25 Jahre später endlich seine Tochter, Catrin (Cornelia Gröschel), sehen möchte.

Auch im wahren Leben ist Raacke Vater einer Tochter (*1991). Über sein Verständnis der Vaterrolle spricht er im Interview mit spot on news. Dabei verrät er auch, welche Erfahrungen er mit der Liebe in der DDR gemacht hat und wie groß seine Leidenschaft für Motorsport ist.

Von 1999 bis 2014 spielte Dominic Raacke den Berliner "Tatort"-Kommissar Till Ritter - hier können Sie die "Tatort: Berlin-Box" bestellen

Kannten Sie den Begriff "Honigfrauen"?

Dominic Raacke: Nein, ich kannte den Begriff nicht, aber man hat ihn mir erklärt: Westmänner haben Ostfrauen so genannt, wenn sie sich hübsch gemacht haben, um mit Westlern anzubändeln. Ich bin mir aber gar nicht sicher, ob es den Spruch wirklich gab. Auf jeden Fall sind 'Honig' und 'Frauen' in einem Filmtitel immer gut - das könnte ein Publikumserfolg werden!

Welche Erfahrungen mit Frauen aus der DDR haben Sie damals gemacht?

Raacke: Damals hatte ich keinerlei Erfahrung, aber später war ich mit einer Frau zusammen, die in der DDR geboren wurde und so kam ich mit ihr dem Osten Deutschlands näher. Wenn wir Familie und Verwandtschaft besuchten, war das immer sehr warm und herzlich und eine wichtige Erfahrung, mir ein eigenes Bild vom Osten zu machen.

Kennen Sie eine echte dramatische Ost-West-Liebe? Wie ging die aus?

Raacke: Alle großen dramatischen Liebesgeschichten sind Geschichten einer Trennung. Ob sozial oder real. Romeo und Julia, Titanic - sie konnten nicht zueinander kommen - das sind Klassiker. Und je tödlicher diese Lieben enden, desto größer bleiben sie im Gedächtnis.

Im Dreiteiler sieht Ihre Rolle seine damalige Freundin, die Mutter seiner ersten Tochter, wieder. Was halten Sie von dem Spruch "Alte Liebe rostet nicht"?

Raacke: Ich glaube, das Schöne an einer alten Liebe ist doch, dass sie vorbei ist. Man kann sich einer gewissen Schwärmerei hingeben, weil man sich ja nur an die schönen Momente erinnern braucht. Aber abendfüllend ist das nicht. Das Leben ist hier und jetzt und da gehört auch die Liebe hin.

Waren Sie damals mal am Balaton?

Raacke: Die Welt in der ich groß geworden bin war komplett westwärts gewandt. Alles was hinter dem sogenannten Eisernen Vorhang lag, war in unserer Vorstellung eine graue trübe Welt. Das war schon ziemlich ignorant, zeigt aber auch, was für einen Einfluss Popkultur und Medien haben.

Wie haben Sie es damals mit dem "Kontakt zum Klassenfeind" gehalten? Waren Sie mal in der DDR und haben eine brenzlige Situation an der Grenze erlebt?

Raacke: Ich glaube, im Westen hat man weniger vom Klassenfeind als von den Brüdern und Schwestern geredet. Nur hatte ich im Osten weder Brüder noch Schwestern und auch keine Onkeln und Tanten und damit keinerlei Berührungspunkte. In der DDR war ich nie, die Transitstrecke habe ich ein paarmal per Zug und Auto bereist. Ich erinnere mich an den Geruch der roten Bezüge in den Zugabteilen und die stets unfreundlichen DDR-Grenzer in ihren grün-grauen Uniformen.

Haben Sie im Nachhinein von jemandem erfahren, dass er/sie ein Spitzel war?

Raacke: Ja, einem Schauspielkollegen von mir wurde IM-Tätigkeit vorgeworfen. Es war eine verquere Situation. In der Zeitung stand, dass er über Jahre hinweg für die Stasi tätig war, er selber meinte, dass sei nicht wahr und eben auch schon ewig her. Ich war ja nicht dabei aber es fiel mir schwer, ihm zu glauben.

In einer kleinen Szene geht es auch um Bernie Ecclestone und wie er die Formel 1 nach Ungarn bringt. Interessieren Sie sich für Motorsport?

Raacke: Schon als Kind hatte ich ein Faible für Autos. Als kleine Jungs haben wir uns die Nasen an den Autoscheiben platt gedrückt um die Höchstgeschwindigkeit auf den Tachos abzulesen - wir glaubten natürlich das Auto fahre tatsächlich so schnell, wie auf dem Tacho angezeigt, 180, 220, 240... das waren magische Zahlen! Und ähnlich wie Astronauten waren auch Rennfahrer Helden meiner Kindheit. Mann und Maschine, weiße Overalls und den Tod immer im Nacken. Ich erinnere mich noch an Jim Clarkes tödlichen Unfall auf dem Hockenheimring. Das hat mich sehr beeindruckt.

Im Film heißt es an einer Stelle "Wer weiß schon, was ein guter Vater ist?" Sie haben selbst eine Tochter. Was macht einen guten Vater für Sie aus?

Raacke: Ja, wer weiß das schon. Es gibt so viele verschiedene Vätertypen und sie verändern sich mit jeder Generation. Mein Großvater war ein sehr strenger Vater, mein Vater ein sehr abwesender Vater und ich ein sehr anwesender und wenig strenger Vater. Ich war verspielt, habe gern vorgelesen und mit meiner Tochter zusammen immer viel gebastelt und gemalt. Jetzt wo sie erwachsen ist, reden wir viel und ich versuche ihr ein Ratgeber zu sein. Es ist spannend ein Leben zu begleiten, das einem so nahe ist.

Korrektur anregen