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26/04/2017 22:54 CEST | Aktualisiert 27/04/2017 00:04 CEST

Mit dieser neuen Technologie sollen Chefs bald überflüssig werden

Geber86 via Getty Images
In der "Decentralized Autonomous Organization" soll es keine Chefs und Hierarchien mehr geben.

  • Eine neue Idee verspricht, mittels Technologie Hierarchien und Vorgesetzte obsolet zu machen

  • Die Kollegen sollen gemeinsam entscheiden, wer Arbeit erhält und wer nicht

  • Das soll faire Beurteilungen und Gemeinschaftssinn fördern

Kontrollsüchtige Vorgesetzte, mühsame Mitarbeitergespräche und unnötige Kabbeleien am Arbeitsplatz: All diese Scherereien vermiesen uns das Arbeitsleben. Doch sie könnten in Zukunft durch Technologie weggefegt werden. "Decentralized Autonomous Organization" (DAO) heißt das Wunderding.

Wie der Name bereits vermuten lässt, organisieren sich die Teilnehmer einer solchen Organisation selbst. Sie kennen keine Vorgesetzten und keine starren Strukturen. Das klingt nach Anarchie und Chaos.

Vor allem erinnert es uns an Gruppenarbeiten in der Schule oder an der Uni: Denn in Gruppen, die keine Hierarchie oder Chefs kennen, gibt es immer einige, die nur wenig beitragen, wichtige Termine verpassen, die die anderen mit blöden Sprüchen ablenken.

Trittbrettfahren als Problem in Gruppen ohne Chef

Und dann trotzdem von den Leistungen der übrigen profitieren und eine gute Note bekommen. Ökonomen sprechen vom Trittbrettfahrer-Problem: Wer etwas erhält, ohne dass er etwas dafür tun muss, hat keinen Anreiz, selbst beizutragen. Die anderen machen es ja sowieso.

In der DAO sollen Chaos und Trittbrettfahren verhindert werden. Das Ziel ist es zwar tatsächlich, einst alle Hierarchien abzuschaffen und die Chefs vor die Tür zu setzen. Wie bekommt man die Teilnehmer der Organisation trotzdem dazu, pünktlich gute Arbeit abzuliefern?

Jeder Teilnehmer einer solchen DAO bekommt sogenannte "Token", quasi Anteile an der Organisation. Der Token-Wert richtet sich danach, wie gut die gesamte DAO abschneidet.

Natürlich ist es im Sinn der Teilnehmer, dass ihre Token möglichst viel Wert gewinnen.

Keine Vorgesetzten mehr

Deshalb haben sie einen Anreiz, Entscheidungen so zu fällen, dass die Organisation möglichst gut funktioniert. Denn dann gewinnen die Token an Wert. So werden Chefs überflüssig, wenn es um eine Entscheidung geht. Die Verantwortung ist auf die gesamte Organisation verteilt.

Alle Teilnehmer der Organisation können abstimmen, ob sie für oder gegen einen Vorschlag sind. Da nur gute Entscheidungen dazu führen, dass die Organisation funktioniert und entsprechend der Wert der Token steigt, entscheiden die Teilnehmer natürlich im Sinne der DAO.

Organisation auf Basis der Blockchain

Damit das System funktioniert, braucht es eine sogenannte Blockchain, eine Datenbank, die dezentral aufgebaut ist, also über zahlreiche Computer arbeitet. Die Blockchain wird dabei stetig mit neuen Datensätzen erweitert.

Insbesondere der Finanzbranche wird attestiert, einst kräftig von der Blockchain-Technologie durchgeschüttelt zu werden, etwa durch die auf der Technologie basierenden Digital-Währung Bitcoin.

In einer DAO soll die Blockchain Daten über die Transaktionen speichern und verwalten. Da die Technologie als besonders sicher und effizient gilt, ist es wahrscheinlich, dass viele Teilnehmer der Organisation beitreten würden.

Auch keine Mitarbeiter mehr

In einer solchen DAO gäbe es also keine Vorgesetzten mehr - und keine Mitarbeiter. Denn anstatt angestellt zu werden und einen Lohn zu erhalten, stoßen Menschen zur Organisation, um spezifische Projekte zu erfüllen.

Die anderen Teilnehmer der Organisation entscheiden gemeinsam, wen sie aufnehmen und wen sie mit welcher Aufgabe betrauen, schreibt "Venturebeat".

Aber was passiert, wenn jemand seinen Anteil nicht liefert, Projekte nicht zügig durchführt, Termine verpasst?

Eine zweite Chance nicht für jeden

In der Decentralized Autonomous Organization entscheiden die Teilnehmer wieder gemeinsam, ob sie dem Teilnehmer eine zweite Chance geben wollen.

Wollen sie das nicht, dann entzieht die Organisation dem Teilnehmer die Token. Dieses "Misstrauensvotum" bedeutet, dass sich der Teilnehmer einen neuen Auftraggeber suchen muss - quasi eine Kündigung.

Faire Beurteilung durch alle

Das Elegante an der Idee ist, dass die anderen Teilnehmer ein echtes Interesse daran haben, Arbeit fair zu beurteilen. Denn wer nichts leistet, schädigt die ganze Organisation. Und der Wert aller Tokens beginnt zu sinken.

Das wollen sie natürlich verhindern - indem sie Teilnehmern, die keine Leistung bringen, Termine nicht einhalten oder unhöflich sind, einfach die Tokens entziehen.

Und das alles, ohne dass es Vorgesetzte und Hierarchien braucht.

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