NACHRICHTEN
25/04/2017 14:31 CEST | Aktualisiert 25/04/2017 14:51 CEST

Der Trump-Effekt: Amerikaner sind zufrieden mit der US-Wirtschaft - dabei hat sich kaum etwas verändert

Kevin Lamarque / Reuters
Der Trump-Effekt: Amerikaner sind zufrieden über US-Wirtschaft - dabei hat sich kaum etwas verändert

  • Die Amerikaner beurteilen die eigene Wirtschaft unter US-Präsident Trump positiv wie lange nicht

  • Dabei zeigen Zahlen: Die wirtschaftliche Lage hat sich kaum verändert seit Trumps Amtsantritt

US-Präsident Donald Trump hat vor seiner Wahl Großes versprochen. Nach knapp hundert Tagen bleibt Trump seinen Landsleuten aber immer noch wesentliche Punkte aus seinem Programm schuldig.

Die Gesundheitsreform: gescheitert. Das zig Milliarden US-Dollar starke Investitionsprogramm: nicht in Sicht. Die Steuerreform: nur angekündigt.

Eines aber hat sich verändert unter Trump: Die Amerikaner sind zufrieden mit der Wirtschaft. Sie blicken optimistischer in die Zukunft als unter Ex-Präsident Barack Obama.

Dabei hat sich die wirtschaftliche Lage seit der Amtseinführung Trumps kaum verändert. In den USA, scheint es, liegen die tatsächliche und die gefühlte Realität weiter auseinander denn je.

Die Amerikaner sind optimistisch

Zahlen und Statistiken belegen diese Kluft.

In einer Studie des US-Meinungsforschungsinstituts Pew Research Center sagten fast sechs von zehn Amerikanern (58 Prozent), der Wirtschaft ihres Landes gehe es gut oder einigermaßen gut. Unter Obama waren es zuletzt 44 Prozent.

Zum ersten Mal seit der Finanzkrise 2007 würden damit wieder mehr US-Bürger die Lage positiv statt negativ bewerten.

Die deutsche Tageszeitung “Die Welt” bezeichnet die USA daher auch als die “berauschte Nation”. 71 Prozent der Mieter könnten sich vorstellen, ein Haus zu kaufen. Die Bereitschaft für große Anschaffungen wie Computer oder Waschmaschinen sei so groß wie zuletzt im Dezember 2000.

Auch die Betriebe sind euphorisch. Laut einer Studie der National Association of Manufacturers, des Verbands der Fertigungsindustrie, beurteilen 93,3 Prozent der Firmen ihre eigene Zukunft positiv.

Ein Wirtschaftsboom ist nicht in Sicht

Allerdings ist der von Trump versprochene Wirtschaftsboom ausgeblieben. Zwar fiel die Arbeitslosigkeit im März auf 4,5 Prozent, der niedrigste Wert seit Mai 2007.

Andere wirtschaftliche Indikatoren deuten aber eher darauf hin, dass sich das Wirtschaftswachstum leicht abbremst.

Wie das US-Magazin “The New Yorker” berichtet, wird das Handelsministerium in seinem Bericht Ende der Woche melden, dass das Bruttosozialprodukt in den vergangenen Monaten nicht so stark wie angenommen angewachsen ist.

Die Wachstumsrate werde demnach von 2,3 Prozent auf solide, aber unspektakuläre 2,1 Prozent herabgesetzt.

Auch die Einzelhandelsumsätze sind im März zum zweiten Mal in Folge gefallen.

Nur Gerede, keine Taten

Es scheint, als ob es in den USA einen “Trump-Effekt” gibt, glaubt daher die “Welt” - in Anlehnung an den berüchtigten "Schulz-Effekt" der SPD. Die Amerikaner sind hoffnungsvoll. Auch wenn Trump erst noch liefern muss, die Menschen vertrauen wohl darauf, dass die großen Projekte des US-Präsidenten noch kommen werden.

Ob Steuererleichterungen und Investitionen in marode Straßen und Brücken allerdings wirklich einen wirtschaftlichen Boom auslösen werden, ist noch offen. Auch Experten streiten sich über dieses Thema.

Paul Welfens, Volkswirt der Bergischen Universität Wuppertal, sagte der HuffPost vor Trumps Amtseinführung: "Es ist klar: Wenn Trump so große Infrastrukturpläne und Steuersenkungen durchsetzt, wird die amerikanische Wirtschaft expandieren."

Doch langfristig könnten durch die hohen Staatsausgaben die Inflation und die Schulden anwachsen. Trump hat die USA mit einem massiven Schuldenberg von 19 Billionen Dollar übernommen. 18 Billionen Dollar darf das Defizit eigentlich nicht überschreiten, Obama hatte die Schuldengrenze allerdings ausgesetzt.

Für neue Schulden wird Trump also tricksen müssen.

Zunächst muss Trump aber seine Versprechen wahrmachen, die in seinen knapp ersten hundert Tagen unerfüllt geblieben sind. Bisher gleicht seine Präsidentschaft so dem Politiker-Bild, dem er nie entsprechen wollte: “All talk, no action.” Nur Gerede, keine Taten.

Mehr zum Thema: Liebe Trump-Versteher: Aus diesem Mann wird kein guter Präsident mehr - auch wenn ihr euch das noch so sehr wünscht

Leserumfrage: Wie fandet ihr uns heute?

2017-03-08-1488965563-6721107-iStock482232067.jpg

(mf)

Sponsored by Trentino