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25/04/2017 14:14 CEST | Aktualisiert 25/04/2017 14:15 CEST

"Verrohung journalistischer Sitten": SPD-Vize Stegner attackiert "Die Welt"

Getty/Welt
"Verrohung journalistischer Sitten": SPD-Vize Stegner attackiert "Die Welt"

  • SPD-Vize Ralf Stegner hat auf Twitter die Tageszeitung "Welt" scharf attackiert

  • Hintergrund ist ein Artikel des Blatts, der die AfD mit der SPD vergleicht

SPD-Vize Ralf Stegner hat am Dienstag gegen die Tageszeitung "Die Welt" gekeilt. Einen "unverschämten" Artikel habe er da lesen müssen, schreibt der Politiker auf dem Kurznachrichtendienst Twitter.

Hintergrund ist ein Text der "Welt"-Journalistin Dorothea Siems. Die hatte für die Zeitung über das Wirtschaftsprogramm der AfD geschrieben, das laut ihr linker sei als die Wahlversprechen der SPD.

Ihre Überschrift in der Printausgabe der "Welt" daher auch: "Die Sozialdemokratisierung der AfD".

Der Vergleich der AfD mit seiner SPD empörte Stegner. In mehreren Tweets giftete er gegen die Zeitung und die Journalistin.

Vier Tweets gegen die "Welt"

"Immer wieder verblüffend, wie offen manche erkennen lassen, dass sie lieber selbst Politik machen würden, statt seriös darüber zu berichten", schrieb Stegner zuerst, ohne noch das Ziel seiner Attacke zu nennen.

Auf wen sich der Satz bezog, machte er in einem weiteren Tweet klar: "Unverschämte 'Welt'-Artikel von Dorothee (sic) Siems ("Die Sozialdemokratisierung der AfD"). Diese Demokratiefeinde sind das Gegenteil von SPD!"

In einem weiteren Tweet schrieb Stegner: "Beleidigung der deutschen Sozialdemokratie durch eine solche Überschrift wie in der 'Welt' heute ist eine Verrohung journalistischer Sitten."

Und einmal noch trat Stegner nach:

"AfD steht für alles, wogegen Sozialdemokratie seit 154 Jahren kämpft und manches ertragen und erlitten hat. 'Welt'-Vergleich ist unerträglich."

"Maßstäbe und Geschichtsbewusstsein verloren"

Die "Welt"-Journalistin hatte in ihrem Artikel das Wirtschaftsprogramm der AfD untersucht, das die Rechtspopulisten auf dem Bundesparteitag in Köln mit ihrem Wahlprogramm verabschiedet hatten.

Darin wird etwa die Verlängerung der Bezugsdauer des Arbeitslosengeldes und die Erhöhung der Hartz-IV-Forderung gefordert.

Eine Relativierung baut Siems in ihren Text nicht ein. Kein Wort darüber, dass die Partei mit ihrem neuen Spitzenduo und ihrem Wahlprogramm am Sonntag in Köln nach rechts gerückt ist - und noch immer teils rechtsradikale Positionen vertritt.

Ihre einseitige Deutung des Wahlprogramms der AfD hat deswegen nicht nur Stegner erzürnt.

Auf Twitter schrieb Tobias Dünow, Leiter der Kommunikation der SPD im Willy-Brandt-Haus: "Rechtsruck? Nein, 'Sozialdemokratisierung'. Bei 'Welt' gehen Maßstäbe & Geschichtsbewusstsein verloren. Erschütternd."

Die "Welt" hat bisher auf die Tweets nicht geantwortet.

Mehr zum Thema: 68 Seiten Empörung: Das sind die wichtigsten Aussagen des AfD-Parteiprogramms

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(ben)

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