POLITIK
26/04/2017 04:32 CEST | Aktualisiert 26/04/2017 09:46 CEST

Entzaubert - wie die Machtoptionen von Martin Schulz schwinden

NurPhoto via Getty Images
SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz

Es schien, als habe Martin Schulz magische Kräfte. Nachdem der ehemalige Präsident des Europarlaments im Januar ankündigte, als Kanzlerkandidat für die SPD anzutreten, sprangen die Umfragewerte der Sozialdemokraten auf über 30 Prozent. In einigen Erhebungen im Februar lag die Partei sogar vor der Union.

Die Wähler schienen sich nach frischem Wind zu sehnen - bloß nicht noch einmal vier Jahre Groko unter Merkel.

Und jetzt? Schulz ist entzaubert. Zwar hat die SPD unter seiner Führung Stimmen hinzugewonnen - aber nicht genug,

um wirklich eine Regierungsoption zu haben.

Sicher zur Bundestagswahl ist es noch ein paar Monate hin. Derzeit spricht aber vieles dagegen, dass Schulz am Ende ins Kanzleramt einzieht.

Jede neue Umfrage bringt eine neue Enttäuschung für ihn.

► In der heute veröffentlichten Umfrage des Instituts für Demoskopie Allensbach im Auftrag der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" legen die Unionsparteien CDU/CSU um zwei Punkte auf 36 Prozent zu, während die SPD gegenüber ihrem Höchststand bei der Umfrage im März zwei Punkte verliert und nun bei 31 Prozent liegt.

► In der letzten Sonntagfrage von Emnid liegt die CDU bei 36 Prozent und damit fünf Prozentpunkte vor der SPD, die mit 31 Prozent folgt.

► Besorgniserregend für die SPD: Im fast traditionell SPD-regierten Nordrhein-Westfalen liegen SPD und CDU in der letzten Umfrage von Infratest dimap gleichauf bei 34 Prozent. In bisherigen Umfragen hatten die Sozialdemokraten stets vor der CDU gelegen.

Fast noch schlimmer als die fallenden Werte der eigenen Partei ist für Schulz aber das schlechte Abschneiden des traditionellen Koalitionspartners der SPD, der Grünen. Die steuern gerade auf einen Fall unter die Fünf-Prozent-Hürde zu.

Eines scheint schon jetzt sicher zu sein: Die Koalitionsbildung wird kompliziert. Es werden mehr kleine Parteien einziehen, die SPD und CDU Stimmen klauen. Die AfD wird erstmals vertreten sein. Auch Christian Lindners FDP wird es über die 5-Prozent-Hürde schaffen.

Mehr kleinen Parteien, die den großen Stimmen klauen, bedeutet aber auch, dass sich die beiden Volksparteien miteinander arrangieren müssen, um eine Regierung zu bilden.

Eine Neuauflage der Groko wird immer wahrscheinlicher - und zwar eine unter Führung der CDU.

"Die Forderung aus der Politik, die Fortsetzung der GroKo auszuschließen, macht keinen Sinn. Es ist auch nach dem 24. September das derzeit realistischste Regierungsbündnis", sagt der Chef des Umfrageinstituts Insa, Hermann Binkert in einem Beitrag für die "Bild".

Schulz hat sich aber derart aggressiv gegen Merkel positioniert, dass eine Beteiligung an einer CDU-geführten Regierung unmöglich erscheint.

Die Geschichte scheint sich zu wiederholen. Ex-Finanzminister Peer Steinbrück war für die Bundestagswahl 2013 als Herausforderer Merkels angetreten. Großspurig kündigte er vor der Wahl an, dass er sich nicht an einer Regierung unter Führung Merkels als Kanzlerin beteiligen würde.

Und so kam es dann auch.

Nach der Bundestagswahl ging die SPD eine große Koalition mit der Union ein, bei der Merkel Kanzlerin blieb. Steinbrück kündigte daraufhin seinen Rückzug von der Spitze der SPD an. Die Kanzlerkandidatur bezeichnete er später als Fehler.

Heute berät er eine Bank.

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(lp)

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