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25/04/2017 14:24 CEST

Diese Karte zeigt, was in unseren Weltmeeren falsch läuft

Screenshot/AWI Litterbase
Auf dem Online-Portal "Litterbase" wird mit grafischen Karten die Müllverschmutzung im Meer sichtbar

  • Das Online-Portal “Litterbase” zeigt auf Karten die Müllverteilung im Ozean

  • Damit wollen Wissenschaftler zeigen, welche bedrohlichen Ausmaße die Verschmutzung erreicht hat

Fische schnappen kleine Plastikteile auf, Wale schlucken ganze Plastiktüten und Seevögel haben Handyteile im Bauch: Diesen Plastikmüll finden Forscher, wenn sie die Mägen verendeter Meerestiere untersuchen.

Grund dafür ist die enorme Verschmutzung der Weltmeere durch den Menschen. Die gemeinnützige Umweltorganisation “Oceancare” berichtete erst kürzlich, dass jedes Jahr rund neun Millionen Tonnen an Kunststoffabfällen in die Weltmeere gelangen.

Das Ausmaß der Verschmutzung ist jedoch schwer vorstellbar. Zahlen und Statistiken vermitteln kein deutliches Bild davon, wie viel Plastik tatsächlich in den Ozeanen treibt.

Nun haben Wissenschaftler des deutschen Alfred-Wegener-Instituts (AWI) eine Datenbank entwickelt, die genau das schaffen soll: das Ausmaß der Verschmutzung und die Auswirkung auf die Tierwelt anschaulich machen.

Auf dem Online-Portal "Litterbase" kann man nun auf Karten der Ozeane detailliert die Müllverschmutzung sehen. Die Wissenschaftler vom Institut aus Bremerhaven haben die Datenbank so konzipiert, dass die täglichen Daten immer gleich in den grafischen Karten auswertet.

"Wo ist alles Plastikmüll in den Weltmeeren?"

Die Wissenschaftler vom AWI wollen mit "Litterbase" vor allem aufzeigen, wie die globalen Verbreitungsmusters des Mülls in den Ozeanen verlaufen, wie sich der Müll zusammensetzt und welche Organismen-Gruppen besonders unter den Auswirkungen der Verschmutzung leiden.

Ihre Schätzungen über die Menge an Plastikmüll in den Weltmeeren fällt dabei fast zehn- bis tausendfach höher aus als weltweite Ergebnisse von empirischen Studien. Das zeige auch, dass einige Faktoren wie unerforschte Gebiete in den Analysen noch nicht genügend berücksichtigt werden.

Das Ausmaß der Verschmutzung ist unklar

Die Forscher sind sich noch unsicher, wie groß das Ausmaß der Verschmutzung wirklich ist und wie sich die Unmengen an Plastikmüll auf alle Organismen und das Ökosystem auswirkt.

Die Biologin Melanie Bergmann betont in einem Bericht: "Die Karten zeigen, wo Wissenschaftler bereits Müll gefunden haben. Wichtig ist jedoch, dass man bei den freien Flächen nicht von unverschmutzten Regionen ausgehen kann, es sind vielmehr blinde Flecken."

Außerdem schreibt sie, dass “Litterbase” aber noch wenig Daten zu unerforschten Meeresregionen wie den Polargebieten oder besonders tiefe Gebiete zur Verfügung haben. Dennoch sind diese Gebiete auch auf den grafischen Karten für den Nutzer zugänglich.

Seevögel sind am meisten vom Müll betroffen

Wie sich die Verschmutzung auf die Tierwelt auswirkt, zeigen aktuelle Analysen auf der Homepage. "In Litterbase haben wir erstmals alle im Zusammenhang mit Meeresmüll untersuchten Gruppen von Organismen gemeinsam analysiert und in einer Karte dargestellt", schreibt Bergmann.

Mit anschaulichen Grafiken wird ersichtlich, dass insbesondere Seevögel (23,6 %) und Fische (22,8%) vom Müll betroffen sind. Wenn die Tiere den Müll fressen oder sich in ihm verknäueln, kann das dramatische Folgen haben: Die meisten Tiere sterben (17,4%) und verteilen nach ihrem Tod den Müll weiter im Meer (30,3%).

Aktuell sind insgesamt 1.317 Tierarten von der Müllverschmutzung im Meer betroffen. Der Vorreiter im Müll ist nach wie vor der Plastikmüll, denn der ist nicht natürlich abbaubar.

awi litterbase

Jeder kann mithelfen

Rund 1.300 Analysen und visuelle Daten sind in der Datenbank. Laut Bergmann hilft dieses Portal insbesondere auch dabei, weltweit Aktionen gegen die Müllverschmutzung beginnen zu können.

Um Daten für das enorme Projekt zu bekommen, beziehen die Wissenschaftler auch Erkenntnisse aus alten Studien mit ein.

“Es wurde bereits in den 1980er Jahren der Verzehr von Mikroplastik am Anfang der Nahrungskette bei verschiedenen Planktongruppen und Einzellern untersucht. Litterbase rückt also auch 'altes', teilweise vergessenes Wissen wieder ins Licht", sagt Bergmann.

Für aktuelle Daten rufen die Wissenschaftler vom AWI auch die Bevölkerung auf, Daten zu liefern. Ob Urlauber oder Fischer - alle sollen mithelfen die Daten von Litterbase immer auf den neuesten Stand zu halten.

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