Seit kurzem gilt Trier als die kriminellste Stadt Deutschlands - die Statistik dahinter ist Unsinn

Veröffentlicht: Aktualisiert:
TRIER
Seit kurzem gilt Trier als die kriminellste Stadt Deutschlands - dabei ist die Statistik dahinter Unsinn | aleks0649 via Getty Images
Drucken
  • Laut einem Medienbericht soll Trier die kriminellste Großstadt Deutschlands sein
  • Mittlerweile ist jedoch klar: Das stimmt so nicht

Am Montag hat Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) die Polizeiliche Kriminalstatistik 2016 vorgestellt. Seitdem soll Deutschland auch einen neuen Spitzenreiter haben, was die Zahl der Verbrechen angeht.

Trier soll die Hauptstadt Berlin als kriminellste Stadt der Bundesrepublik abgelöst haben. Das hatte das "Handelsblatt" berichtet und wurde von verschiedenen Medien aufgenommen.

2016 wurden in Trier exakt 18.653 Straftaten erfasst. Das entspricht 16.232 Fällen pro 100.000 Einwohnern - mehr als in jeder anderen Stadt. Doch etwas ist faul an dieser Behauptung.

So hat Trier Berlin abgelöst

Am Freitag noch hatte die Tageszeitung "Die Welt" Berlin als unrühmliche Nummer Eins der Kriminalstatistik ausgerufen. Dort registrierte die Polizei 2016 insgesamt 568.860 Straftaten.

Die kriminellste Stadt wird Trier nur, wenn man, wie das "Handelsblatt", die Polizeiliche Kriminalstatistik selbst ausgewertet und mit den Einwohnerzahlen abgleicht. Erst, wenn man die Straftaten im Verhältnis zur Einwohnerzahl setzt, führt Trier mit 16.232 Fällen vor Berlin mit 16.161 Fällen pro 100.000 Einwohnern.

Wie das "Handelsblatt" weiter berichtet, ergeben sich bei einer solchen Auswertung noch viele weitere Kriminalitäts-Hochburgen in der Provinz. Saarbrücken taucht dann vor Hamburg auf, und Regensburg vor Duisburg.

Hat Deutschland also ein bisher unbekanntes Kriminalitätsproblem in der Provinz?

Mehr zum Thema: "Keine Tür ist sicher": Ein ehemaliger Einbrecher hat uns auf den Straßen Berlins gezeigt, wie sein Handwerk funktioniert

So hat Trier Berlin abgelöst

In Trier selbst sorgten die Nachrichten für Irritation. "Ich habe keine offiziellen Informationen dazu", sagte Sprecher Hans-Günther Lanfer zunächst auf Anfrage des "Handelsblatts".

Inzwischen ist geklärt, was der Grund für die skurrile Statistik im Fall von Trier ist. Das "Handelsblatt" hat dazu in einem weiteren Beitrag das Polizeipräsidium in Trier angefragt.

Dabei hat sich herausgestellt: Knapp die Hälfte aller Straftaten in Trier gehen auf das Konto von Asylsuchenden, die gegen das Asylgesetz verstoßen. Denn sie haben für gewöhnlich kein Visum beantragt, wenn sie nach Rheinland-Pfalz kommen.

In Trier wurde die einzige Aufnahmestelle für Flüchtlinge in dem Bundesland eingerichtet. Die tausendfachen Verstöße gegen das Asylgesetz sind also vorprogrammiert - und werden meist auch nicht strafrechtlich verfolgt, weil die Flüchtlinge dann einen Asylantrag stellen.

Das Fazit des Polizeisprechers Karl-Peter Jochem gegenüber dem "Handelsblatt": "Trier ist überhaupt nicht gefährlich."

Update: Wir hatten zunächst die ursprünglichen Zahlen des "Handelsblattes" übernommen. Der Text ist nun um die Infos des neuen Berichts des "Handelsblatts" aktualisiert.

Pointiert und meinungsstark: Der HuffPost-WhatsApp-Newsletter

2016-07-22-1469180154-5042522-trans.png

Korrektur anregen