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25/04/2017 12:26 CEST | Aktualisiert 25/04/2017 13:02 CEST

Jan Böhmermann ist zu Gast in US-Talkshow - und verhält sich einfach nur peinlich und geschmacklos

ullstein bild via Getty Images
Jan Böhmermann war zu Gast im US-Fernsehen

Eigentlich sollte Jan Böhmermann bereits vor rund einem Jahr im US-Fernsehen in einer Talk-Show auftreten. Damals kamen ihm jedoch das Erdogan-Schmähgedicht und seine selbst verordnete kurze TV-Pause dazwischen. Jetzt war es allerdings soweit: Am Montagabend war der 36-Jährige in der US-Late-Night-Show von Seth Meyers zu Gast. Er war der erste deutsche Comedian, der in der Show auftrat - und verhielt sich dort einfach nur peinlich.

"Ich mache in Deutschland quasi das gleiche, was du hier machst", die Begrüßung seines US-Kollegen sollte einer der wenigen sinnvollen Sätze bleiben, die der "Neo Magazin Royal"-Moderator an diesem Abend von sich gab.

Im Fortlauf der Sendung begnügte sich der Satiriker platter Witze über Deutschland wie "Comedy haben sie erst vor zwei Jahren legalisiert. Ironie ist immer noch illegal", deswegen dürfe es ihn selbst in seiner Heimat überhaupt nicht geben.

Solche Vorurteile in Szene zu setzen wirkt gerade bei Amerikanern, von denen ein Großteil immer noch denkt, dass in Deutschland alle den ganzen Tag in Lederhosen und Dirndl rumlaufen und ab nachmittags trinkend im Biergarten sitzen, etwas zu gewollt.

Anspielung auf Hitler: Check

Doch damit sollte das Herziehen über Deutschland-Klischees noch keinen Abbruch finden. "Als Deutscher will ich lieber nicht über die Staatschefs anderer Länder urteilen. Da muss ich sehr diplomatisch sein, immerhin kann Trump mit dem nächsten Tweet einen Weltkrieg anzetteln", antwortete er auf die Frage hin, was die Deutschen eigentlich von Donald Trump halten würden.

Die obligatorische Hitler-Anspielung? Check. Originalität? Fehlanzeige.

Auch die Bundeskanzlerin war nicht vor Böhmermann sicher, als ihn Seth Meyers nach dem ersten Aufeinandertreffen von Trump und Merkel ansprach. "Die Medien haben sich vorher gefragt: 'Oh Gott. Wird er sie an die Pussy fassen?' Am Ende waren wir überrascht, dass er nicht mal ihre Hand angefasst hat."

So wurde Merkel Opfer von Böhmermanns platter Anspielung auf den "Grab the pussy"-Skandal um den US-Präsidenten. Geschmacklosigkeit par excellence.

Erst Klischees, dann Schimpfwörter

Und was darf in keiner US-Talk-Show fehlen? Ein übles Schimpfwort auspacken und sich dafür mit einem "Piep" zensieren lassen. Auch diesen angeblichen "Kindheitstraum" hat sich Böhmermann prompt erfüllt.

Mit seinen Haudrauf-Parolen wurde Böhmermann berühmt und berüchtigt. Trotzdem hätten wir uns gewünscht, dass er als "Botschafter des Humors" wenigstens versucht, ein positives Bild von Deutschland zu transportieren. Und zeigt, dass sogar die als humorlos verrufenen Deutschen auf intelligente Art und Weise lustig sein können - ohne sich fast ausschließlich Klischees zu bedienen.

Immerhin spielte er mit seinem Tweet von der Show auf die Verbundenheit der Bundesrepublik mit der Europäischen Union an: Über seine Augen legte er einen deutsche und europäische Flagge - seinem Kollegen wurden zwei US-Flaggen verpasst.

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(ks)