"Wir brauchen Deutschland": Türkischer Vize-Regierungschef Simsek bittet Berlin um Wirtschaftshilfe

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  • Wenige Wochen nach den Nazi-Vorwürfen wirbt der türkische Vize-Regierungschef Simsek für deutsche Wirtschaftshilfen
  • Die deutsch-türkischen Beziehungen müssten zur Normalität zurückkehren, sagt er

Über Wochen haben türkische Politiker vor dem Verfassungsreferendum Europa mit Beleidigungen überzogen. Die Nazi-Vorwürfe von Präsident Recep Tayyip Erdogan belasteten die Beziehungen zuletzt schwer.

Nun, zwei Wochen nach der Abstimmung, wirbt der türkische Vize-Regierungschef und Finanzminister Mehmet Simsek, um deutsche Wirtschaftshilfe. "Ich denke, dass die Zeit kommen muss, zu einer Normalität der Beziehungen zurückzukehren", sagte Simsek der "Bild"-Zeitung (auch oben im Video).

Mit dem Geld möchte der türkische Finanzminister die angeschlagene Wirtschaft seines Landes wieder ankurbeln. Das einst rasante Wirtschaftswachstum hat sich mittlerweile stark abgeschwächt.

Die politischen Turbulenzen haben bei Investoren für Unsicherheit gesorgt, der Tourismus ist eingebrochen. Der Türkei droht eine schwere Wirtschaftskrise.

Wie Simsek weiter sagte, sei beim Treffen der G20-Finanzminister in Washington bereits wieder über Möglichkeiten diskutiert worden, wie der türkischen Wirtschaft geholfen werden könne. "Dafür brauchen wir Deutschland", sagte der Minister gegenüber der "Bild".

"Wie wäre es mit #FreeDeniz?"

Simseks Forderung nach Wirtschaftshilfe stießen auf Kritik. Schließlich sind die Beziehungen zwischen der Bundesrepublik und der Türkei noch weit davon entfernt, wieder harmonisch zu sein. Nach der Einführung des umstrittenen Präsidialsystems droht nun ein Abbruch der EU-Betrittsverhandlungen mit der Türkei.

Mehr zum Thema: Türkischer Europaminister erteilt EU-Beitritt eine Absage - weil er Europa für undemokratisch hält

Der Grünen-Politiker Özcan Mutlu machte daher auf dem Kurznachrichtendienst Twitter Simsek einen Vorschlag, wie sich doch über Wirtschaftshilfen reden ließe: "Wie wäre es mit #FreeDeniz".

Noch immer sitzt "Welt"-Journalist Deniz Yücel in einem türkischen Gefängnis.

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