POLITIK
24/04/2017 07:00 CEST | Aktualisiert 24/04/2017 08:56 CEST

"Immenser Schlamassel": So beurteilt die internationale Presse die Frankreich-Wahl

Benoit Tessier / Reuters
Supporters of Emmanuel Macron, head of the political movement En Marche !, or Onwards !, and candidate for the 2017 French presidential election, react after early results in the first round of 2017 French presidential election in Paris, France, April 23, 2017. REUTERS/Benoit Tessier

Nach dem ersten Wahlgang in Frankreich betonen die europäischen Zeitungen die Tragweite der Entscheidung - für Frankreich wie für Europa.

Die französischen Zeitungen sind schockiert. "Le Monde" aus Paris sieht das traditionelle Zwei-Parteien-System am Ende: "Es ist historisch: Seit den Anfängen der Fünften Republik spielte sich das politische Leben Frankreichs um zwei große Parteien ab, eine links und eine rechts. (...) Das Jahr 2017 ist in dieser Hinsicht eine Ruptur: Niemals in der Geschichte haben die beiden Hauptformationen unseres politischen Lebens zusammengerechnet ein so schwaches Ergebnis eingefahren."

"Die Fünfte Republik ist dabei, unfähig zu werden"

Das rechtskonservative Blatt "Le Figaro" aus Paris ist erschüttert über das schlechte Abschneiden der Republikaner: "Ein immenser Schlamassel (...) Die Rechte, die fünf Jahre lang in den Umfragen haushoch vor den Sozialisten lag, (...) diese Rechte, der der Sieg nicht entgehen konnte, ist jäh eliminiert worden."

Auch die sozialdemokratische Zeitung "Liberation" aus Paris sieht eine Zeitenwende: "Fünfte Republik außer Atem (...) Diese erste Runde der Präsidentschaftswahl hat unserer Fünften Republik einen heftigen und vielleicht fatalen Schlag versetzt. (...) Sie ist dabei, unfähig zu werden."

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"The Guardian" aus London sieht die Präsidentschaftswahl schon als so gut wie entschieden an: "Emmanuel Macron wird fast sicher der nächste französische Präsident. Und die Erleichterung ist immens. Der viel beschworene Dominoeffekt nach dem Brexit-Referendum und Donald Trumps Wahlsieg ist bis jetzt nicht eingetreten. Und das europäische Projekt hat gewonnen - wenigstens für den Moment."

"Die rechtspopulistische Welle in Europa ist gebrochen"

Auch die deutsche "Süddeutsche Zeitung" aus München ist erleichtert. "Nach Le Pens Ergebnis gilt: Die rechtspopulistische Welle in Europa ist gebrochen. Wie bei der Präsidentschaftswahl in Österreich und der Parlamentswahl in den Niederlanden bleiben auch die französischen Rechtspopulisten hinter den eigenen Erwartungen zurück." Europa bleibt der Kollaps erspart.

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für "La Repubblica" aus Rom ist das Wahlergebnis ein Sieg für die Demokratie: "Jedenfalls ist das ein historisches Ergebnis: In die Stichwahl gehen zwei Kandidaten politischer Bewegungen, die noch nie zuvor regiert haben. (...) Die Wahlbeteiligung war gut, die Franzosen haben auf den Ruf der Demokratie geantwortet."

"Warnsignal für die steigende Gefahr durch Rechtspopulismus"

"El País" aus Madrid ist unglücklich über die Wahl der beiden Kandidaten. "Es handelt sich um zwei gegensätzliche Vorschläge für die Zukunft Frankreichs und Europas. Der nächste Präsident wird entweder ein Ex-Banker mit geringer Erfahrung und einer europäischen und liberalen Botschaft sein oder die Erbin der Ultrarechten, die einen Austritt aus der EU befürwortet."

Die US-amerikanische "New York Times" aus New York warnt davor, Le Pen zu unterschätzen: "Aber das gute Abschneiden von Frau Le Pen - die ein Referendum über das Verbleiben Frankreichs in der EU versprochen hat - ist ein weiteres Warnsignal für die steigende Gefahr durch populistische rechte Politiker, in Europa und auf der ganzen Welt."

Le Pen sei noch lange nicht geschlagen, urteilen die Amerikaner. "Ihre fremdenfeindliche Front National wird stark bleiben, solange die Arbeitslosenrate in Frankreich im zweistelligen Bereich bleibt, und die vielen Franzosen, die glauben, dass die globalen Eliten sie fallen gelassen haben, nirgendwo anders Hoffnung finden. (...)"

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