Warum Macrons schwerste Aufgabe nach dem 2. Wahlgang auf ihn wartet

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MACRON
Emmanuel Macron feiert seinen Sieg im ersten Wahlgang | Philippe Wojazer / Reuters
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  • Emmanuel Macron hat die erste Runde der französischen Präsidentschaftswahl gewonnen
  • Er gilt auch als haushoher Favorit für den zweiten Wahlgang
  • Doch wie mächtig Macron als Präsident wird, entscheidet sich erst im Juni

Als Emmanuel Macron, Gewinner des ersten Wahlgangs in Frankreichs Präsidentschaftswahl, spät in der Nacht in Paris vor seine Anhänger trat, gab er sich siegessicher:

“Innerhalb nur eines Jahres haben wir die Politik in Frankreich vollkommen verändert. Das tiefe Gefühl des Engagements für unser Vaterland und für die Einheit des Landes haben den Sieg heute ermöglicht”, jubelte Macron.

Und weiter versprach er: “Ab heute Abend werde ich es mir zur Aufgabe machen, alle Franzosen hinter mir zu versammeln.”

Sprecherin will Euphorie dämpfen

Hinter den Kulissen versuchte Macrons Sprecherin Laurence Haïm mehr schlecht als recht die Euphorie zu dämpfen, indem sie davon sprach, die Aufgabe im zweiten Wahlgang “verantwortungsvoll” anzugehen.

Sie sagte: “Unsere Strategie ist jetzt erst einmal, keine Flasche Champagner zu öffnen. Wir sind am Abend nach dem ersten Wahlgang und nicht nach dem zweiten.”

Diese zurückhaltenden Aussagen machte Macron sofort wieder zunichte als er mit euphorischen Mitarbeitern seinen Sieg in einer bekannten Pariser Brasserie feierte. Das hat noch kein Kandidat nach einem ersten Wahlgang gemacht.

Macron kann mit einem deutlichen Sieg rechnen

Sicher, der ehemalige Wirtschaftsminister hat allen Grund, euphorisch zu sein. Er, der vor rund einem Jahr quasi im Alleingang seine Bewegung “En Marche!” gegründet hat, die weder links noch rechts sein will, steht kurz vor seinem größten Erfolg.

Macron inszenierte sich im Wahlkampf als republikanisches Bollwerk gegen die Rechtspopulistin Le Pen - genau deshalb kann er am 7. Mai im zweiten Wahlgang mit einem deutlichen Sieg rechnen. Zwei Umfragen sehen ihn jetzt schon mit einem komfortablen Vorsprung als Gewinner.

Aber es gibt keinen Grund für Macron, sich zu früh zu freuen. Denn der 39-Jährige wird sich mit der aktuell stattfindenden fundamentalen Umwälzung der politischen Landschaft in Frankreich auch noch nach dem zweiten Wahlgang befassen müssen.

“Die Präsidentschaftswahl hat nämlich nicht nur zwei Wahlgänge, sondern vier”, sagt der konservative Politiker Laurent Wauquiez.

Er hofft auf eine “Revanche-Abstimmung” in den Parlamentswahlen. Denn schon im Juni wählen die Franzosen in zwei Runden ein neues Parlament - und erst dann wird sich wirklich entscheiden, wie mächtig Macron als Präsident werden wird.

Macron hat 577 weitere Wahlen vor sich

Die Regel ist einfach: Ohne Mehrheit im Parlament wird Macron auf eine sogenannte Kohabitation angewiesen sein. Also ein Machtgefüge, in der er im Parlament keine Mehrheit für seine Politik hat. Das würde Macron deutlich schwächen und seinen Reformeifer ausbremsen.

“Die Franzosen haben ihren Willen zur politischen Erneuerung ausgedrückt - genau dafür werden wir auch bis zu den Parlamentswahlen kämpfen”, sagte Macron der Nachrichtenagentur AFP noch in der Wahlnacht.

Viel Arbeit steht bevor: Im Juni müssen er und sein Team 577 weitere Wahlen in den Regionen gewinnen. Bisher stellt Macrons Bewegung “En Marche!” aber nur rund 15 Kandidaten in den Departements.

Zwar werden in den nächsten Wochen noch einige Politiker von den Sozialisten und den Konservativen zu seinem Team hinzustoßen. Dennoch wird es eine Herkulesaufgabe für Macron, in allen Regionen Kandidaten aufzustellen.

Macron braucht eine breite Allianz von Unterstützern

Dass Macron versprochen hat, die meisten Plätze bei den Parlamentswahlen mit Kandidaten aus der Zivilgesellschaft und nicht mit Politikern zu besetzen, macht die Aufgabe nicht einfacher.

Aber erst einmal wird sich Macron in den kommenden 48 Stunden mit den wichtigsten Politikern Frankreichs treffen, um ihre Unterstützung zu gewinnen und einen “bloc presidentielle” für den zweiten Wahlgang zu bilden.

Bei den Treffen dürfte es auch um eine zukünftige Regierung und die Unterstützung während der Präsidentschaft gehen. Die Rechtspopulistin Le Pen wird das ausnutzen, um Macron als Kandidat des Systems darzustellen und gegen ihn zu polemisieren.

Le Pens Angriffe werden am Ende aber für Macron nicht entscheidend sein. Viel entscheidender ist, ob er eine breite Allianz der Unterstützer für seine politischen Ideen formen kann.

Dieser Artikel erschien zuerst bei der französischen Ausgabe der Huffington Post und wurde von Benjamin Reuter übersetzt.

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