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24/04/2017 11:08 CEST | Aktualisiert 24/04/2017 11:34 CEST

AfD-Spitzenkandidat Gauland zeigt mit einer Aussage über seine Partei, dass er den Kontakt zur Realität verloren hat

Wolfgang Rattay / Reuters
Alexander Gauland of Germany's anti-immigration party Alternative for Germany (AFD) makes a phone call in Maritim hotel before the AFD's party congress in Cologne, Germany, April 21, 2017. REUTERS/Wolfgang Rattay

  • AfD-Spitzenkandidat Gauland hat seine Partei als "Partei der Mitte" bezeichnet

  • Die AfD wolle die "Stimme der Vernunft" im Bundestag sein - eine absurde Aussage

Alexander Gauland ist seit Sonntag frischgebackener Spitzenkandidat der AfD. Und natürlich sieht er seine Partei anders, als es die meisten Deutschen tun.

Was der stellvertretende Vorsitzende jetzt aber in einem Interview gesagt hat, erstaunt schon: "Wir sind Partei der Mitte und wollen alle mitnehmen", sagte Gauland der Tageszeitung "Passauer Neue Presse". "Im Bundestag werden wir die Stimme der Vernunft sein."

Was für eine absurde Aussage. Nur zur Erinnerung:

In der am meisten beklatschten Rede auf dem Parteitag der AfD am vergangenen Wochenende sagte Parteichef Jörg Meuthen Sätze wie: "Ich sage das wirklich ohne jede Übertreibung: Ich sehe noch vereinzelt Deutsche." Ziemlich mittig klingt das nicht.

Auch rechte Tweets sind bei der AfD an der Tagesordnung:

Und Gaulands neue Partnerin im Spitzenduo, Alice Weidel, glänzt mit rechten Posts und falschen Zahlen:

Damit die Partei die "Stimme der Vernunft" sein kann, müsste sie zusammenhalten - und alle Kämpfe in der Partei stoppen. Gauland weicht aber nicht von seiner Meinung ab, dass die AfD eine Oppositionspartei sei - zumindest im Moment noch. "Natürlich haben wir das langfristige Ziel, politisch die Verantwortung für unser Land zu übernehmen," sagte er der "PNP".

"Es gibt seit langem eine Abgrenzung"

Obwohl Gauland die AfD als "Partei der Mitte" sieht, verteidigt er, dass sie sich nicht offiziell von Rassisten, Neonazis und Rechtsradikalen abgegrenzt hat.

"Wir haben uns immer klar abgegrenzt. Ich habe mich nur deshalb gegen den entsprechenden Antrag gewehrt, weil er den Eindruck erweckt, dass es noch keine Abgrenzung gibt. Die haben wir seit langem“, sagte der Ex-CDUler.

Mehr zum Thema: Die große Unbekannte: Wer ist Alice Weidel, die neue Spitzenkandidatin der AfD?

Die AfD rückt nach dem Parteitag in Köln nach rechts. Die Abwendung von Parteichefin Frauke Petry, die einen Ausschluss von AfD-Rechtsaußen Björn Höcke gefordert hatte, ist ein klares Anzeichen dafür. Außerdem wurde Petrys Antrag auf einen realpolitischeren Kurs von den Delegierten abgelehnt.

Und zuletzt sind auch die beiden neuen Spitzenkandidaten ein eindeutiges Signal, in welche Richtung die AfD geht. Und zwar nicht in die Mitte - sondern nach rechts.

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(ll)