Wie die Wahl in Frankreich eine neue Wirtschaftskrise in Europa auslösen könnte

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A share trader checks share prices as she sits behind her trading terminals at the trading floor of the German stock exchange in Frankfurt, October 20, 2008. REUTERS/Kai Pfaffenbach(GERMANY) | Kai Pfaffenbach / Reuters
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  • Frankreichs Wirtschaft geht es sehr, sehr schlecht
  • Ökonomen und Wirtschaftsexperten fürchten jetzt, dass dem Land nach der Präsidentschaftswahl eine Krise droht
  • Im schlimmsten Fall könnte diese auf ganz Europa übergreifen

Es steht viel auf dem Spiel bei der Wahl in Frankreich, sehr viel: Die Zukunft des Landes, die Zukunft Europas - und auch die Zukunft der französischen Wirtschaft.

Ökonomen, Analysten und Experten zittern vor dem Wahlergebnis. Sie befürchten: Ein Wahlsieg der Rechtspopulistin Marine Le Pen könnte der eh schon stark belasteten Wirtschaft das Genick brechen.

Le Pen will Frankreich aus der EU führen und den Euro abschaffen. Das könnte katastrophale Folgen für die Franzosen haben - aber auch für die gesamte EU-Wirtschaft.

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”Schlimmer als Trump oder der Brexit”

“Es wäre ein Erdbeben für die Märkte, schlimmer noch als bei Trump oder dem Brexit, sollte Le Pen Präsidentin werden und den Euro in Frage stellen”, sagte Paul Griffiths, Chef-Investor beim Fond First State Investment dem “Wall Street Journal”.

Philippe Waechter, Chef-Ökonom beim auf Frankreich spezialisierten Fond Natixis Asset Management sagte der Zeitung, sollte Le Pen gewählt werden, “können Sie nicht davon ausgehen, dass deutsche oder italienische Versicherungen ihr Geld noch in Frankreich lassen würden.”

Soll heißen: Siegt Le Pen, nehmen die internationalen Investoren Reißaus. Laut dem “WSJ” halten diese aber 60 Prozent der französischen Staatsanleihen. Ein Exodus der Investoren aus Frankreich hätte deshalb dramatische Konsequenzen: Die Kosten für Anleihen und Kredite würden explodieren, was französische Unternehmen schwer belasten würde, glaubt der Analyst Waechter.

Die französische Wirtschaft könnte das möglicherweise nicht überleben. Sie ist ohnehin äußerst marode.

In den letzten beiden Quartalen wuchs das Bruttoinlandsprodukt Frankreichs nur minimal, um 0,2 bzw. 0,4 Prozent. Im Quartal zuvor schrumpfte die Wirtschaft sogar, um 0,1 Prozent.

Die Schuldenquote des Landes, also das Verhältnis von Frankreichs Schuldenstand zu seinem Bruttoinlandsprodukt, stieg im vergangenen Jahr auf ein Rekordniveau von 96 Prozent.

Seit Jahren liegt die Arbeitslosigkeit in Frankreich bei 10 Prozent - unter jungen Menschen liegt sie mit 23,6 Prozent sogar noch weit höher.

Ein Zusammenbruch der französischen Wirtschaft hätte darüber hinaus auch außerhalb der Landesgrenzen dramatische Folgen. Die Befürchtung der Ökonomen: Gewinnt Le Pen, gerät auch die EU in eine neue Wirtschaftskrise.

EU-weite Verluste von bis zu zehn Prozent

So argumentiert etwa der Direktor für Marktforschung bei der Rating-Agentur Standard and Poors, Michael Thompson. Bei einem Sieg des Front National würden Investoren ihr Kapital nicht nur aus Frankreich abziehen, sondern wohl auch aus der EU. Für den gesamten Euroraum würde dadurch ein großes strukturelles Risiko entstehen - “und eine Menge Investoren werden versuche, das zu umgehen.”

Für die europäische Wirtschaftszone wäre das ein Rückschlag zu einem fatalen Zeitpunkt. “Nie seit der Finanzkrise sind die Menschen optimistischer über europäische Aktionen gewesen”, sagt Pravit Chintawongvanich. Er ist Chefstratege zu Derivaten für das Finanzunternehmen Macro Risk Advisors.

Ein unerwarteter Sieg der Rechtspopulisten in Frankreich “würde das Marktempfinden komplett verändern”, sagt er. Die negative Reaktion der Anleger und Investoren auf den Ausgang der Frankreich-Wahl könnte laut dem “Wall Street Journal” dann verheerende Ausmaßen annehmen. Analysten erwarten demnach einen Wertverfall europäischer Aktien zwischen 5 und 10 Prozent, sollte Le Pen die Wahl gewinnen.

Wahlausgang in Frankreich bietet auch große Chancen

Gewinnt sie nicht, bietet sich ein ganz anderes Bild für die europäischen Märkte - und zwar ein ausgesprochen positives.
“Ein europafreundliches Wahlergebnis in Frankreich könnte den Dax schnell wieder auf Kurs in Richtung Allzeithoch bringen“, sagte Robert Greil, Chefstratege von Merck Finck Privatbankiers, dem "Handelsblatt".

Und Muslav Matejka, Equity-Stratege bei der US-Bank J.P. Morgan sagte dem “Wall Street Journal”: “Die Nachfrage nach europäischen Vermögenswerten hat sich geradezu angestaut.” Sollten die Frankreich-Wahlen kein schlimmes Ende nehmen, “dann ist dieses Jahr das Jahr der europäischen Aktien.”

Bei der Wahl in Frankreich steht also viel auf dem Spiel, gerade für die Märkte und Ökonomen. Es gibt viel zu verlieren - aber eben auch viel zu gewinnen.

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